Amazon hat gegen die Oberland Logistik GmbH Strafanzeige gestellt, der Geschäftsführer streitet das ab.
+
Amazon hat gegen die Oberland Logistik GmbH Strafanzeige gestellt, der Geschäftsführer streitet das ab.

Oberland Logistik GmbH aus Obersöchering war als Subunternehmer tätig

Amazon stellt Strafanzeige - Ex-Chef der Firma dementiert Vorwürfe

  • Franziska Florian
    VonFranziska Florian
    schließen

Amazon hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Oberland Logistik GmbH aus Obersöchering gestellt. Er war als Subunternehmer für den Versandriesen tätig gewesen. Der ehemalige Geschäftsführer dementiert die Vorwürfe.

Obersöchering – Fahrzeuge sollen nicht verkehrstauglich gewesen sein, Schäden an den Wagen seien nicht repariert worden, das Geld dafür habe die Firma Oberland Logistik GmbH den Arbeitern dennoch vom Lohn abgezogen, berichtet die ZDF-Sedung „Frontal 21“. Dazu komme, dass die Fahrer am Anfang erst rund 100, dann 200 und schlussendlich bis zu 270 Pakete ausliefern hätten müssen – also so viele, dass nicht alle auf die Ladefläche der Transportbusse gepasst hätten und dementsprechend auf dem Beifahrersitz gelagert werden mussten.

Das alles sind Vorwürfe, mit denen sich der ehemalige Geschäftsführer, der nicht namentlich genannt werden möchte, derzeit konfrontiert sieht. Eine Strafanzeige gegen ihn liege nicht vor – weder von Amazon noch von jemand anderem, erklärt er auf Anfrage der Heimatzeitung. Amazon hingegen bleibt bei seiner Darstellung.

Unterschiedliche Darstellungen von Amazon und Oberland Logistik

Auch in Bezug auf die Vertragspartner gehen die Darstellungen der beiden Unternehmen auseinander. Der Ex-Chef der Oberland Logistik GmbH sagt, dass nicht dieser Betrieb, sondern die Oberland Logistik Parcel Service GmbH Vertragspartner von Amazon gewesen sei. Zwar hätten beide Firmen den gleichen Geschäftsführer gehabt – ihn –, seien aber unterschiedliche Unternehmen. Amazon hingegen erklärt, dass der Konzern seit dem Jahr 2018 nur mit der Oberland Logistik GmbH ein Vertragsverhältnis gehabt habe. Der Ex-Geschäftsführer bezieht des Weiteren Stellung zu den Vorwürfen, das Unternehmen habe Reparaturen den Mitarbeitern in Rechnung gestellt, die nie erfolgt seien: Die Lieferfahrzeuge seien nie im Besitz der Firma gewesen. Es habe sich lediglich um Mietwagen bekannter Autovermietungen gehandelt. Etwaige Mängel seien denen „immer umgehend gemeldet“ worden, hätten aber dann wegen Personalmangels bei den Vermietern nicht sofort behoben werden können.

In dem Fernsehbericht hieß es weiterhin, dass den Fahrern teilweise horrende Summen für Wohnungsmiete vom Lohn abgezogen wurden, obwohl die Unterkünfte in desolatem Zustand gewesen seien. Die Oberland Logistik Parcel Service GmbH sei jedoch nie Vermieter für die Fahrer gewesen, sagt deren ehemaliger Chef. Eine „Consulting Agentur“ habe mit den Fahrern Mietverträge abgeschlossen. Diese Agentur habe man eingeschaltet, um „eine Kautionszahlung durch die Fahrer an den Vermieter zu vermeiden (welche diese gar nicht erst aufbringen hätten können) und keine Mietabhängigkeit zwischen Arbeitgeber und Angestellten zu erzeugen“, schreibt der ehemalige Geschäftsführer in seiner Antwort an die Heimatzeitung.

Amazon-Sprecher schildert Sachlage anders, als der ehemalige Chef von Oberland Logistik

Auf Nachfrage schildert ein Amazon-Sprecher die Situation anders: „Wir erwarten von unseren Partnern, dass sie ein erstklassiges Arbeitserlebnis für ihre Fahrer bieten und wir überprüfen sie aktiv, um die Einhaltung sicherzustellen. Unsere Lieferservicepartner verpflichten sich vertraglich, die geltenden Gesetze insbesondere im Hinblick auf Löhne, Sozialabgaben und Arbeitszeiten einzuhalten. Wir werden Vorwürfe prüfen und werden durchgreifen, sollten wir feststellen, dass ein Partner diese Erwartungen nicht erfüllt. Unsere Geschäftsbeziehung mit der Oberland Logistik GmbH haben wir im März 2021 gekündigt.“ Der Vertrag sei seitens Amazon gekündigt worden, da die Firma aus Obersöchering keine Leistungen mehr erbringen habe können.

Auch diesen Sachverhalt stellt der ehemalige Chef der Oberland Logistik anders dar: Er selbst habe bereits Anfang März die Zusammenarbeit mit Amazon beendet, behauptet er. „Hier ging es nur noch um den Aufbau von Druck, das Abwälzen von Kosten auf die Vertragspartner und darum, das Fahrerpersonal als billige Ressource von Amazon zu verheizen“, heißt es in seiner Stellungnahme weiter.

(Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim-Penzberg gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter.)

Ex-Geschäftsführer hat rechtliche Schritte eingeleitet

Versandriese Amazon berichtet, dass die widrigen Arbeitsumstände durch die regelmäßigen Kontrollen aufgefallen seien. Es gebe auch eine Hotline in verschiedenen Sprachen für die Fahrer. Bei der können sie – wenn gewünscht auch anonym – Feedback geben und auf Missstände bei den Subunternehmern hinweisen, denen Amazon auch nachgehe. Eine Strafanzeige, wie sie im Fall des Obersöcheringer Unternehmens gestellt wurde, sei dann die höchste Eskalationsstufe, wenn sich die Vorwürfe bestätigen würden.

Der ehemalige Geschäftsführer der Oberland Logistik GmbH erklärt, er habe weitere Maßnahmen ergriffen und in Zusammenarbeit mit seinen Rechtsanwälten „Unterlassungsklagen und Aufforderungen zur Richtigstellung an das Zweite Deutsche Fernsehen und die Amazon Logistics Deutschland GmbH verfasst“. Die Staatsanwaltschaft München II verweigerte auf Anfrage jede Auskunft zu diesem Thema.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare