Er ist ein waschechter Bayer: Johann Gattinger sitzt am liebsten auf der Bank vor dem Haus seiner Lebensgefährtin und ließt in aller Ruhe die Zeitung.
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Er ist ein waschechter Bayer: Johann Gattinger sitzt am liebsten auf der Bank vor dem Haus seiner Lebensgefährtin und liest in aller Ruhe die Zeitung.

Bundestags-Kandidaten im Porträt: Johann Gattinger (Bayernpartei)

Bilderbuch-Bayer will in den Bundestag

  • Franziska Florian
    VonFranziska Florian
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Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Johann Gattinger (Bayernpartei) aus Untersöchering.

Untersöchering – Johann Gattinger an seinem Arbeitsplatz zu porträtieren, ist nicht möglich. Der Direktkandidat der Bayernpartei für den Wahlkreis Weilheim ist Rentner und deshalb viel auf Achse. „Ich gehe gerne in den Wald und verarbeite Brennholz für mich und meine Lebensgefährtin“, erzählt der 72-Jährige. Denn sowohl seine beiden Kachelöfen in Untersöchering als auch der Holzofen seiner Freundin in Hohenpeißenberg brauchen viel Brennstoff.

Wenn der Hans, wie er von allen genannt wird, nicht gerade durch die Wälder der Region streift, verbringt er seine Zeit bei den zahlreichen Vereinen, in denen er seit mehreren Jahrzehnten Mitglied ist. „Das sind unter anderem der Veteranenverein, der Männerchor und zwei Trachtenvereine“, so Gattinger. Er ist einfach ein Bayer durch und durch. Und das merkt jeder, der ihn sieht und mit ihm spricht, sofort: bei der Lederhosn’ angefangen, über den Trachtenhut bis hin zum Schnupftabak und Dialekt. „Da Dialekt is die Muttersprach’, die ausm Herz’n kommt“, sagt Gattinger.

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Volkstanzveranstaltungen sind Johann Gattingers Leidenschaft - auch wegen Freundin Irmgard

Besonders gern ist er bei verschiedenen Volkstanzveranstaltungen – wenn es die Corona-Situation zulässt. Nicht nur, weil er vor fünf Jahren auf einer solchen seine heutige Lebensgefährtin Irmgard kennengelernt hat, denn nach dem Tod seiner Frau vor 13 Jahren wollte der Witwer nicht allein bleiben. Bei Irmgard in Hohenpeißenberg ist der Rentner die meiste Zeit. Wie seine Freundin sagt, ist seine liebste Beschäftigung – neben all den Gartenarbeiten und anderen Beschäftigungen – das Zeitunglesen auf der Bank vor ihrem Haus. Doch wenn Gattinger die Zeitung mal in der Hand hatte, ist sie für alle anderen nicht mehr brauchbar: „Da reiße ich dann mit einem Lineal alles raus, was mit Söchering oder meinen Vereinen zu tun hat, und dann hefte ich das ab“, so der Bayernpartei-Kandidat.

Denn Ordnung ist ja bekanntlich das halbe Leben. Und Ordnung war auch in seinem Beruf als Lehrer immer wichtig. Studiert hat Gattinger in München-Pasing. Während dieser Zeit kam er mit dem Studentenchor nach Italien und beschloss mit seiner damaligen Freundin, mal im Ausland arbeiten zu wollen. Gesagt, getan: Gattinger und seine Freundin haben nach dem Studium beide für fünf Jahre in Brasilien an einer Privatschule gearbeitet. Dann ging es für ihn aber wieder in sein geliebtes Oberland. Hier war er über 40 Jahre an mehreren Volksschulen als Lehrer angestellt, zuletzt in Peißenberg.

Der Bayernpartei-Kandidat Johann Gattinger weiß, „wie die normalen Leute leben“

Als typischen Volksschullehrer und Akademiker würde sich Gattinger selbst aber nicht bezeichnen. Denn er ist mit handwerklicher Arbeit aufgewachsen. „Mein Vater konnte sich seinen letzten Knecht nicht mehr leisten, als ich vier Jahre alt war. Dann habe ich halt schon mitgeholfen“, sagt Gattinger. Auch neben seiner Schulzeit und dem Studium hat er gearbeitet, „unter anderem in einer Molkerei, in einer Fabrik und aushilfsweise als Handlanger auf dem Bau.“

Seinen Vorteil sieht Gattinger deshalb darin, „dass ich weiß, wie die normalen Leute leben und arbeiten und welche Nöte und Sorgen sie haben“. Die städtischen Politiker würden beispielsweise übersehen, dass Menschen in ländlichen Gegenden auf ein Auto angewiesen sind. Von der Benzinpreiserhöhung, die bei vielen Parteien im Gespräch ist, hält er nicht viel. „Wenn ich bei der Wahl dran käme, würde ich die bayerischen Interessen vertreten“, ist Gattingers Gesamt-Ziel. Im Vordergrund stehen dabei auch die Kleinbauern sowie kleine bis mittelständische Unternehmen aus der Region. „Die müssen mehr unterstützt werden.“ Dazu kommt, dass er den Föderalismus stärken möchte. „Ich würde mir eine Selbstständigkeit von Bayern wünschen und dass die bayerische Politik nicht von Berlin aus regiert wird“, so Gattinger.

Johann Gattinger will mit Bundestagskandidatur Vorarbeit für Landtagswahlen leisten

Er wünscht sich, dass die Bayernpartei bei der Wahl im September endlich wieder mehr Prozentpunkte sammeln kann. Und selbst, wenn er nicht gewählt wird, hofft Gattinger, dass er mit seiner Kandidatur wenigstens für die nächste Landtagswahl gute Vorarbeit leisten konnte.

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