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Gemeinderat

Obersöchering kämpft um VR-Bank-Filiale

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Mit deutlichen Worten machte der Obersöcheringer Gemeinderat seinem Ärger über die von der VR-Bank Werdenfels beschlossene Filial-Schließung im Dorf Luft. Das Gremium erteilte Bürgermeister Reinald Huber den klaren Auftrag, für den Erhalt der Zweigstelle zu kämpfen.

Obersöchering – „Ich bin stocksauer. Es stinkt mir wie die Sau.“ Bürgermeister Reinald Huber (Allgemeine Wählergruppe) bemühte sich erst gar nicht um rhetorische Etikette, als er in der jüngsten Sitzung des Obersöcheringer Gemeinderats die Schließung der VR-Bank-Filiale (wir berichteten) zur Sprache brachte. 

Große Unmut im Dorf

Im Dorf ist der Unmut über das genossenschaftliche Geldinstitut groß. Den Ur-Charakter der Bank als Dienstleister für die Landbevölkerung sehen viele als konterkariert an. Vor allem die ältere Generation, für die Online-Banking oft keine Alternative sei, so heißt es, werde eine wichtige Infrastruktureinrichtung genommen. Die Filiale im Egenrieder Weg mit ihrem ebenerdigen und direkt vor der Schaltertür gelegenen Parkplatzangebot sei zudem nicht nur von Obersöcheringer, sondern auch von vielen Murnauer Senioren genutzt worden.

Deutliche Kritik

Die Ratssitzung bot entsprechend viele pointierte Wortmeldungen mit deutlicher Kritik an der Geschäftsstrategie der VR-Bank. Der Genossenschaftsgedanke, so monierte Josef Westenrieder (CSU/Freie Wählergemeinschaft), sei längst verloren gegangen. Es gehe nur noch um Bilanzsummen und um größer und rationeller: „Aber dann liegt mir an der Bank

nichts mehr.“

Schließung ohne Vorwarnung

Ins selbe Horn bließ Matthias Nebl (Allgemeine Wählergruppe): „Ich weiß nicht, ob sich die Bank damit einen Gefallen tut, wenn sie die Dörfer im Regen stehen lässt. Das wird der Bank weh tun.“ Huber wiederum stößt vor allem auf, dass die Bank bei der Schließung ohne Vorwarnung im Schatten von Corona vollendete Tatsachen geschaffen hat: „Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, das ist kein Stil.“ Obersöchering sei der Bank immer entgegengekommen und habe auch die Fusionierungen mitgetragen: „Die VR-Bank war immer fürs Volk auf dem Land zuständig. Man kann doch über alles reden“, so Huber.

Verständnis für Bank

Um Verständnis für die Schließung der Filiale warb Anton Nebl (CSU/Freie Wählergemeinschaft), was nicht überraschend kam. Der Bankbetriebswirt ist beruflich bei der VR-Bank tätig. Nebl sprach von der „größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg“, die in naher Zukunft aufziehen werde. Bei der Geschäftspolitik der VR-Bank gehe es nicht um Bilanzsummen, sondern allein um das Kriterium der „Wirtschaftlichkeit“. Es gehe darum, die Bank weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen – „sonst hat die Bank keinen Bestand“. Es gehe keineswegs darum, ein „Corona-Denkmal“ zu errichten, sondern das Geschäftsmodell der „besonderen Zeit“ anzupassen: „Auch die Gründerväter hätten die Bank weiterentwickelt“, betonte Anton Nebl. Und: „Es gibt Alternativen. 80 Prozent von den Dingen, die am Schalter gemacht wurden, können über Telefonbanking abgewickelt werden.“

Auftrag an Bürgermeister

Dennoch: Anton Nebl war der einzige Gemeinderat, der die Filialschließung verteidigte. Ansonsten bekam der Rathauschef vom Gremium ein klares Mandat, mit der Bankführung Gespräche zu führen: „Warum sollten wir die Entscheidung akzeptieren?“, fragte Vize-Bürgermeister Rudi Ottl (Allgemeine Wählergruppe): „Das Ganze ist an uns vorbeigelaufen.“ Huber versprach, für den Erhalt der Filiale zu kämpfen: „Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass wir den Bankschalter behalten können.“ Eine Kompromisslösung, die im Gemeinderat angedeutet wurde, könnte zum Beispiel ein stundenweiser Schalterbetrieb sein: „Ich habe gute Ideen im Kopf“, so Huber.

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