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Der Sozialverband VdK protestierte mit einer Demo gegen die geplante Schließung der VR-Bank-Filiale in Obersöchering.

VdK geht in Obersöchering auf die Straße

Demo gegen VR-Bank-Schließungen: „Wir können ein Zeichen setzen“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Obersöchering, Wessobrunn und Pähl: Die VR-Bank Werdenfels hat im Landkreis kurzfristig drei ihrer Zweigstellen geschlossen. Das sorgt auf den Dörfern für großen Unmut – vor allem in Obersöchering. Dort rief der VdK-Kreisverband Anfang der Woche zu einer Kundgebung auf.

Obersöchering – In das Projekt „Dorfladen“ hat die Gemeinde Obersöchering viel Geld und Planungsaufwand investiert. Unter anderem mit Supermarkt, Metzgerei, Cafè und elf barrierefreien Wohnungen wurde das Dorfzentrum an der Hauptstraße infrastrukturell massiv aufgewertet.

Doch nun bricht ein wesentlicher Baustein in der örtlichen Versorgung weg: Schräg gegenüber des neuen „Dorfladens“ im Egenrieder Weg schließt die VR-Bank ihre Filiale – obwohl die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel für den Erhalt der Zweigstelle getan hat, indem sie das Gebäude gekauft und behindertengerecht ausgebaut hat.

Der Unmut über die Schließung, die ohne Vorwarnung im Zuge der Corona-Krise verkündet wurde, ist groß – vor allem bei Bürgermeister Reinald Huber (Allgemeine Wählergruppe). Wenn es um Kritik an der Zweigstellenschließung geht, dann nimmt der Rathauschef kein Blatt vor den Mund (wir berichteten).

Hinter Huber stehen bis auf eine Ausnahme nicht nur die Gemeinderäte, sondern auch Söcherings Bürger. Das zeigte sich bei einer Kundgebung, zu der am vergangenen Montag der VdK-Kreisverband aufgerufen hatte. Rund 50 Bürger versammelten sich vor der geschlossenen VR-Filiale am Rathausparkplatz – darunter viele Senioren. Der jüngeren Generation war es vorbehalten, die angefertigten Plakate zu präsentieren. „VdK für sichere Finanzen vor Ort“, Erspartes regional verwalten“ und „Mein Sparschwein vertraut dem Finanzpartner vor Ort“ lauteten die Slogans.

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Annemarie Merker, die stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende, verwies darauf, dass ein dörfliches Filialnetz vor allem für ältere Menschen extrem wichtig sei. Onlinebanking oder Geldautomaten seien für die Zielgruppe aufgrund der schwierigen Bedienung oft keine Alternative.

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Für die VR-Bank wäre es gerade in Obersöchering „sicher nicht zu teuer“, zumindest einmal in der Woche eine persönliche Bankberatung zu ermöglichen. „Ob wir etwas mit der Demo erreichen, steht in Frage“, räumte Merker ein, „aber wir können den Banken zeigen, dass wir nicht alles so hinnehmen. Wir können ein Zeichen setzen.“ Ebenfalls zu Wort meldete sich bei der Demo Susann Enders. Die VdK-Kreischefin appellierte an die Banken, die Kontoinhaber und Anleger nicht nur als Kunden, sondern in erster Linie als Menschen wahrzunehmen. Es brauche „kleine, sichere und verlässliche Strukturen“ – gerade in Zeiten, in denen Großbanken bei „Börsengeschäften das Geld verpulvern“. Trotz der Wut und des Ärgers über die Filialschließungen darf die VR-Bank Werdenfels laut Enders aber nicht als „Buhmann“ hingestellt werden.

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Die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler war damit bei der politischen Botschaft ihres Demo-Auftritts angelangt. Für kleinere Banken sei es demnach inzwischen „sauschwer“ geworden, die kleinen Strukturen aufrecht zu erhalten. „Die Musik spielt in Europa. Auf Landesebene hat man da wenig Hebel“, so Enders. Allerdings: „Wir dürfen dennoch nicht leise sein und müssen für das Modell der kleinen Banken kämpfen.“

Genau das wird auch Obersöcherings Rathauschef weiterhin tun: „Ich gebe nicht auf“, erklärte Huber am Rande der Demo. Allerdings verliefen die bisherigen Verhandlungen mit den Verantwortlichen bei der VR-Bank eher zäh. Zuletzt traf man sich zu einem zweieinhalbstündigen Gespräch. Hubers Fazit klingt ernüchtert: „Sie bewegen sich nicht.“

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