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Bürgermeister stinksauer: VR-Bank schließt drei Filialen im Landkreis - die Begründung verblüfft

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    Sebastian Tauchnitz
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Die Corona-Krise wirkt als Beschleuniger. Die VR-Bank Werdenfels, die das vergangene Jahr mit einer Bilanzsumme von 1,732 Milliarden Euro abschloss, verkleinert ihr Netz an Zweigstellen weiter. 

Landkreis– Was ihn erwartet, Walter Beller ahnt es. „Dafür werden wir Prügel beziehen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Werdenfels. Prügel von Kunden und von den Bürgermeistern der Orte, in denen das Finanzinstitut Filialen betreibt, die derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind – und die nicht wieder öffnen werden. Betroffen von der Aufgabe sind im Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Zweigstellen in Ohlstadt und Großweil sowie Obersöchering, Pähl und Wessobrunn (alle Weilheim-Schongau) und Kochel (Bad Tölz-Wolfratshausen).

Beller macht deutlich, dass ihm die Entscheidung, die der Aufsichtsrat einstimmig gebilligt hat, nicht leichtgefallen ist. Er nennt sie „schmerzhaft“, aber gleichzeitig auch „einen richtigen Schritt für die Zukunft unserer Bank“. Er sei als Vorstand dem Ganzen verpflichtet. „Ich muss an unsere Eigentümer denken.“ Aber er lässt keine Zweifel daran, dass sein Geldhaus in der „Region verwurzelt bleibt“.

Walter Beller ist Vorstand der VR-Bank.

Das hat im vergangenen Jahr noch immer gute Geschäft gemacht. Die VR-Bank weist im Geschäftsbericht 2019 eine Bilanzsumme von 1,732 Milliarden Euro auf. Allerdings ist der Gewinn im Vergleich zu 2018 geschrumpft. 2019 stand ein Plus von nur noch 858 000 Euro in den Büchern, zwölf Monate zuvor hatte sich das Ergebnis noch auf 1,13 Millionen Euro belaufen. Beller ist guter Hoffnung, auch dieses Jahr, trotz der vielen Unwägbarkeiten, mit einer positiven Bilanz abschließen zu können. Allerdings ist er von der Aufsicht gehalten, „keine Dividende auszuschütten“.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zu den Schließungen

Ohne Corona-Krise hätten die sechs Standorte, die nach einer Analyse die geringste Kundenfrequenz der bisherigen 18 Geschäftsstellen aufwiesen und wo weniger als zehn Prozent der Kunden der VR-Bank Werdenfels zu Hause sind, noch einige Jahre bestehen können. „Corona hat die Entwicklung natürlich beschleunigt“, erklärt Beller.

Ihm zufolge hat sich das schwierige Marktumfeld, das durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) entstanden ist, mit der Pandemie weiter verschärft. „Die wirtschaftlichen Zwänge lassen uns keine andere Wahl.“ Es wäre den Mitgliedern gegenüber nicht redlich gewesen, diese Entscheidung weiter aufzuschieben.

Für die insgesamt zehn Mitarbeiter ändert sich nichts. Sie bleiben von einer Kündigung verschont und werden in Zukunft in anderen Abteilungen oder Filialen eingesetzt. Für die sechs Dörfer, in denen die Zweigstellen dichtgemacht werden, bedeutet das eine Zäsur. Beller und VR-Bank-Vorstandsmitglied Martin Sperl hatten in den vergangenen Tagen die betroffenen Bürgermeister persönlich oder per Telefon informiert, die Kunden erhielten die schlechte Nachricht per Post.

Bürgermeister von Obersöchering ist stinksauer

Reinald Huber, der Bürgermeister von Obersöchering, ist auf alle Fälle stinksauer: „Das ist doch keine Art, die Leute so vor vollendete Tatsachen zu stellen“, sagt er auf Anfrage der Heimatzeitung. Am Montag sei Vorstand Martin Sperl bei ihm vorstellig geworden und habe „nur noch mitgeteilt, dass die Filiale geschlossen wird“. Für Huber ein Unding: „Seit über 100 Jahren ist das unsere Bank in Obersöchering.“ Drei Fusionen habe es in der Zeit gegeben, immer wieder sei die Gemeinde der VR-Bank entgegen gekommen. Habe das Bankgebäude zurückgekauft, einen Teil davon zu Wohnungen und Büros umgebaut, als die Bank immer weniger Fläche brauchte.

„Die jungen Leute, die haben kein Problem mit Homebanking. Aber wer denkt an die alten Menschen?“, fragt Huber, der erwartet hätte, dass man rechtzeitig vorher vernünftig miteinander redet. Dass jetzt ausgerechnet die Corona-Krise herhalten muss, um die Schließung zu rechtfertigen, stößt ihm zudem sauer auf: „Bei Corona müssen wir alle zusammenhalten – das jetzt ist aber das genaue Gegenteil davon“, so Huber erzürnt weiter.

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