Besucher gehen durch den Kornkreis auf einem Weizenfeld im Pähler Ortsteil Fischen
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Die Besucherzahlen im Fischener Kornkreis gehen jetzt schon in die Tausende, schätzt der Pächter des Feldes.

Besucherzahlen gehen schon in die Tausende

Neuer Kornkreis in Fischen: Auf Wahrheitssuche im „Riesenkunstwerk“

Der neue Kornkreis zieht Besucher von weither nach Fischen – und sie alle rätseln: Wie ist er wohl entstanden? Eine Spurensuche mit spannenden Begegnungen vor Ort.

  • Besucherzahlen im neuen Kornkreis in Fischen gehen schon in die Tausende
  • Rege Diskussionen um die Entstehung des Kunstwerks im Weizenfeld
  • In spätestens eineinhalb Wochen wird das Feld abgeerntet

Fischen – Dass hier etwas Außergewöhnliches vor sich geht, zeigen die Reihen parkender Autos am Feldrand. Ihre Kennzeichen lauten WM, OA, LL, M, FS, MÜ, aber auch aus Berlin und sogar aus Zürich sind Besucher gekommen. Wer von außen aufs Feld schaut, kann nichts erkennen, was so viel Aufmerksamkeit erregen könnte. Das ging auch Georg Steingruber, Landwirt aus Aidenried und Pächter des Feldes, nicht anders. Ein Freund hatte ihm vor einer Woche eine Drohnenaufnahme geschickt mit dem Hinweis: „Schau mal in dein Weizenfeld!“ Steingruber glaubte zunächst, man wolle ihn auf den Arm nehmen. „Ich habe gedacht, das sei eine Fotomontage.“

„Da hat mich fast der Schlag getroffen“

Trotzdem fuhr er am späten Abend, als seine 80 Kühe gemolken und versorgt waren, noch nach Fischen raus. „Erst habe ich gar nichts gesehen. Dann bin ich rein gegangen – und da hat mich fast der Schlag getroffen.“ Saubere Bahnen sind in sein Feld gezogen, exakt abgezirkelt. Der Weizen liegt auf diesen Wegen platt, aber unbeschädigt am Boden. „Wenn ich früher von solchen Vorfällen gehört habe, hätte ich drauf gewettet, dass das eine abgekartete Sache war – und der Landwirt Bescheid wusste“, sagt Steingruber. „Jetzt weiß ich, dass das nicht so ist.“

Interessant dazu: Das Weizenfeld bei Fischen, in dem sich der Kornkreis befindet, soll am Mittwoch abgemäht werden. Wird die Attraktion nun zerstört?

Nach dem ersten Schock, denn immerhin sind größere Teile des Weizens für die bald anstehende Ernte verloren, beschloss der Aidenrieder, sein Feld für Besucher zu öffnen. Denn obwohl es ihm Scherereien verursache, sei das Ganze doch „ein Riesenkunstwerk“. Das wolle er den Leuten nicht vorenthalten. „Und jetzt bin ich fast schon ein bisschen stolz darauf“, gesteht er schmunzelnd. Um den wirtschaftlichen Verlust einzudämmen, hat Steingruber Spendenboxen aufgestellt. „Die leeren wir jeden Abend. Es ist vor allem Kleingeld drin – und zum Zählen bin ich bisher noch nicht gekommen.“ Ob der Erlös seinen Schaden abdeckt, wird sich in spätestens eineinhalb Wochen zeigen, denn dann wird das Feld abgeerntet. Hoffnung besteht, denn die Besucherzahlen gehen jetzt schon „in die Tausende“. Der Landwirt möchte sich auf diesem Weg ausdrücklich bei allen bedanken, die eine Spende leisten.

Völlig überrascht von dem Kornkreis in seinem Feld war Landwirt Georg Steingruber. „Und jetzt bin ich fast schon ein bisschen stolz darauf.“

Nun wird’s spannend, denn es geht hinein ins Feld. Als erstes treffen Reporterin und Fotograf auf zwei junge Männer, die dieses eben verlassen: Simon und Alex, Freunde aus dem Allgäu. Mit „sehr geil!“ kommentieren sie das Erlebnis. Und lassen gleich ihre Theorien zur Entstehung hören. Das sei hier sicher „ein Fake, also von Menschen geschaffen“, erklären sie. „Ich denke, es könnte mit Mikrowellenstrahlen gemacht worden sein“, mutmaßt Alex.

Extra aus der Schweiz angereist

Auf den Handys haben sie eine App installiert, mit der sich Magnetstärke messen lässt. Das so gemessene Magnetfeld dürfte wohl schon vorher existiert haben, vermuten sie. Es könne durch bestimmtes Gestein in der Erde unterhalb des Feldes verursacht werden. Da mischt sich ein dritter Mann ins Gespräch. Es ist der Züricher Felix Kramer, der eigens aus der Schweiz angereist ist, um dem Kornkreis-Phänomen auf die Schliche zu kommen. Die drei Männer tauschen lebhaft ihre Theorien aus.

Tauschten lebhaft ihre Theorien über die Entstehung des Kornkreises aus: der eigens aus Zürich angereiste Besucher Felix Kramer (l.) und die beiden Allgäuer Freunde Simon und Alex.

Wir gehen weiter hinein und begegnen Heike Schweiger und ihrer Tochter Melanie aus Haag. Die Fünfjährige hat ein paar Ähren im Arm, wirkt aber nicht besonders glücklich. „Der ist es viel zu heiß hier, nur die Mama ist total fasziniert“, sagt Schweiger lachend. Sie hat das Feld magisch angezogen. „Weil man nicht weiß, wie es entstanden ist. Irgendeine unerklärliche Energie hat hier eingewirkt. Ich wüsste nicht, wie ein Mensch das gemacht haben könnte.“ Sie verweist auf den Film „Die neue Feldordnung“, der sich mit Kornkreisen in aller Welt beschäftigt. Auch dort wurde die Mikrowellen-Theorie vertreten.

„Eindeutig von Menschen geschaffen“

Wer selbst über die platt gewalzten Bahnen durch den hoch gewachsenen Weizen schreitet, kann sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Es hat tatsächlich etwas Mystisches. Eine Dame kommt uns barfuß entgegen, was zu ihrer eleganten Kleidung nicht recht passen will. „Jede geometrische Figur baut Energie auf“, erklärt sie. Deshalb laufe sie hier barfuß. „Einfach nur wunderschön“ findet sie das Feld. „Aber es ist eindeutig von Menschen geschaffen.“ Weil viele Leute da völlig anderer Meinung seien, möchte sie ihren Namen nicht nennen. Ihr Begleiter führt aus, dass man solche Energieplätze mit Wünschelruten ausfindig machen könne. „Da sind meist Wasseradern im Boden. Und diese Stellen eignen sich dann zur Anlage eines Kornkreises.“ Auch er geht von einer naturwissenschaftlich erklärbaren Entstehung aus.

„Hier zu sein, das alleine zählt“

Anders die junge Frau, die nebst ihrem kleinen Hund in der Mitte des Labyrinths auf dem Boden sitzt. Sie ist aus Kochel hergekommen, um dieses „Phänomen“ zu erleben; ihren Namen möchte auch sie verschweigen. Sie sitze hier, weil sie so das „überaus friedvolle Gefühl, mitten im Kornfeld zu sein“, intensiver spüren könne. „Mitten im Kunstwerk sein zu dürfen – dessen Verursacher man nicht einmal kennt“, das fasziniere sie. Ob es „außerirdische Lichtpunkte“ waren oder ein „von der Regierung gesteuerter Laser via Satellit“, sei ihr völlig gleichgültig. „Die Ursache ist doch egal. Hier zu sein, voller Respekt und Achtung, das alleine zählt.“

Am Ausgang treffen wir nochmals auf den Schweizer. „Also ganz ehrlich: Ich habe nichts Besonderes gespürt da drin“, erklärt er. Und wirkt ein bisschen enttäuscht.

Sabine Näher

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