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Dieser Fuchs suchte im Garten von Andreas Nemitz Schutz. Er wies laut dem Kerschlacher Verletzungen am Unterbauch, zwischen den Hinterläufen, am Kopf und an seinen Lefzen (Lippen) auf.

Schwer verletztes Tier

Jagdhunde hetzen Fuchs in Garten - Jäger weisen Vorwürfe zurück: „Wir tun etwas Gutes“

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Eine Drückjagd führte bis in einen Garten. Ein schwer verletzter Fuchs wurde von Hunden bis dorthin gejagt. Der Jagdverband wehrt sich gegen Vorwürfe.

Update, 29. Januar: Geradezu vernichtend für die Jäger-Seite war die Resonanz auf die Drückjagd bei Kerschlach, über die merkur.de berichtet hatte. Dabei hatte eine Meute Hunde einen verwundeten Fuchs bis auf ein Privatgrundstück verfolgt. Florian Pfütze, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Weilheim, wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Es täte ihm für Andreas Nicolai Nemitz leid, dass er das habe sehen müssen, hatte Florian Pfütze gesagt. Aber auch: „Was dort stattgefunden hat, ist in Ordnung.“ Wovon Pfütze sprach, war die aus dem Ruder gelaufene Drückjagd in Kerschlach (Pähl), bei der ein Fuchs bis auf das Grundstück von Andreas Nicolai Nemitz verfolgt worden war. Ob erst die Hunde den Fuchs verletzten oder ob er bereits bei der Jagd angeschossen worden war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fest steht nur: Nemitz hat Anzeige erstattet.

In Frankreich kam es zu einer entsetzlichen Tat. Eine 29-jährige Schwangere wurde bei einem Waldspaziergangvon Jagdhunden angegriffen und tödlich verletzt.

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Nach der Drückjagd: Kritik an der Jagd auf Füchse an sich

„So etwas Schreckliches habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt“, hatte Nemitz gesagt. Auch viele Leser zeigten sich nach dem Bericht schockiert über den Vorfall. Kritisiert wird vor allem die Jagd auf Füchse als solche. Pfütze hatte diese damit gerechtfertigt, dass die Verbreitung des Fuchsbandwurmes bekämpft werden solle. Leser verweisen dagegen auf Studien, die angeblich zeigen, dass Impfköder viel effektiver sind. Von Schonzeit nicht eingehalten bis zur Lust am Töten reichten die Vorwürfe.

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Pfütze will das so nicht stehen lassen. „Es tut uns furchtbar leid, aber wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein“, sagt Pfütze. Und: „Was die Hunde geleistet haben, ist in Ordnung. Sie haben ein krankes Tier gestellt und wollten es von seinem Leid erlösen“, sagt er, auch wenn ihm klar sei, dass er nicht vor Ort gewesen sei. Doch die Hunde seien eine eingespielte und „anerkannte Meute gewesen, die wusste, was sie tut“, da habe er sich informiert.

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Jäger meint: Der Anwohner hat das Leid des Fuchses verlängert

Außerdem wisse jeder Jäger: „Jagd ohne Hund ist Schund.“ Hunde hätten viel bessere Sinne, wüssten genau, wann ein Tier krank sei. Seiner Meinung nach hat Nemitz das Leiden des Fuchses sogar verlängert, weil die Hunde nicht in den Garten kamen. Das aber heiße „um Gottes Willen“ nicht, dass er gutheiße, was passiert sei. Jedoch müssten sich Menschen an solche Bilder gewöhnen, jetzt, da der Wolf sich stetig ausbreite.

Pfütze betont auch, dass nicht klar ist, was der Fuchs genau hatte. „Schade, dass man das nicht mehr feststellen kann.“ Zum Vorwurf, dass Impfköder gegen Fuchsbandwürmer effektiver seien, erwidert er: „Mit Impfködern hat man Tollwut gut in den Griff bekommen.“ Aber Fuchsbandwürmer und Räude seien nach wie vor ein Problem. „Räude führt bei Füchsen zu einem schrecklichen Tod.“ Wer nicht verstehe, dass man ein Tier da erlösen wolle, solle es sich einmal anschauen. „Derart leidende Tiere kann man nicht herumlaufen lassen. Ich bin froh, wenn sie erlöst werden.“

Und die Schonzeit? Die gilt zwar für Rehe, nicht aber für Füchse. Und bei Rehen spricht sich Pfütze klar gegen Drückjagden aus.

Dass das Thema schwierig für Bürger ist, sei ihm indes klar. „Ich kann verstehen, dass Bürger die Jagd emotional sehen, aber wir tun etwas Gutes“, sagt er. Je kleiner beispielsweise eine Fuchspopulation werde, desto weniger verbreiteten sich Krankheiten. „Wird ein Kind von einem Fuchs gebissen und steckt sich mit einer Krankheit an, schreit wieder jeder nach Jägern.“ Dass man Jägern überhaupt niedere Absichten unterstelle, sei „an den Haaren herbeigezogen“. Die Jagd mache vielleicht ein bis zwei Prozent aus, der Rest sei Forstarbeit.

Auch sei es normal, dass vor Drückjagden Anwohner nicht informiert werden. Zwar würden die Straßen markiert, aber ein konkreter Aushang sei nicht üblich. „Wenn das von uns verlangt wird, machen wir das. Wir haben nichts zu verbergen.“ Er fürchtet nur, dass dann Jagdgegner stören.

Von Christoph Zempel

Update, 28. Januar:

Nachdem bekannt wurde, dass eine Drückjagd kürzlich in den Privatgarten eines Kerschlachers geführt hatte und ein Fuchs schwer verletzt wurde, meldet sich jetzt das „Aktionsbündnis Fuchs“ zu Wort. Dabei handelt es sich um eine bundesweite Initiative von mehr als 60 Tier- und Naturschutzorganisationen, so die eigene Beschreibung:

„Der Fall des mutmaßlich angeschossenen und anschließend von einer Jadhundemeute gehetzten Fuchses in Kerschlach dokumentiert für alle sichtbar, was in der Treib- und Drückjagdsaison an der Tagesordnung ist. Wäre das Füchslein im Wald gestellt und dort umgebracht worden – wie es vielen seiner Artgenossen ergeht -, hätte niemand davon erfahren.

Foto: dpa

In der Art und Weise, wie die Jäger diesen Vorfall nun herunterspielen, wird deren Gesinnung deutlich: Man bedauert nicht etwa, dass der Fuchs angeschossen und in Todesangst von der Hundemeute völlig unkontrolliert und außerhalb des Drückjagdgebiets gehetzt und attackiert wurde. Man bedauert nicht, dass er leiden und in Panik und großen Schmerzen um sein Leben laufen musste, bevor er schließlich doch getötet wurde. Man bedauert lediglich, dass „Außenstehende den Vorfall in Kerschlach hätten miterleben müssen“. Das sei „unschön“, aber etwas „was dort stattgefunden hat“, sei nicht gesetzeswidrig und „in Ordnung“. Hier fehlt jegliches Mitgefühl, Einsehen oder Schuldbewusstsein; es geht den Jägern lediglich um ihr Image. Das Handeln wird nicht hinterfragt und solange kein “Außenstehender“ Zeuge dessen ist, was die Jäger so treiben, stört es offenbar auch niemanden.

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Nun, wir finden es – wie wahrscheinlich die allermeisten empathiefähigen Menschen – absolut nicht "in Ordnung", was diesem Fuchs angetan wurde, von der potentiellen Gefahr für Anwohner und Haustiere einmal abgesehen. Zu behaupten, die Jäger hätten im Sinne der Allgemeinheit gehandelt, und dieses Massaker auch noch mit der Bekämpfung des Fuchsbandwurms rechtfertigen zu wollen, ist an Unverschämtheit kaum noch zu übertreffen. Wissenschaftliche Studien – wie jüngst ein mehrjähriger Versuch in Frankreich – zeigen vielmehr, dass intensive Bejagung die Ausbreitung des Bandwurms sogar fördert (!).

Bei den Behauptungen der Jäger geht es letztlich nur darum, ein Alibi für die ebenso grausame wie sinnlose Hatz auf den Beutekonkurrenten Fuchs zu generieren – und von den wahren Motiven für die (Hobby-)Jagd abzulenken. Wer einmal einen Blick in die großen deutschen Jagdzeitschriften wirft, in denen Jäger stolz mit ihrer blutigen Beute posieren, kann erahnen, worum es diesen dabei wirklich geht.

Nein, der Skandal besteht nicht darin, dass jemand die grausamen Bilder in Kerschlach mit ansehen musste, sondern darin, dass es sie überhaupt gibt. Die Empörung über den Vorfall zeigt zumindest, dass immer weniger Menschen bereit sind, die durch Hobbyjäger verursachte sinnlose Tierquälerei sprach- und tatenlos hinzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Dag Frommhold, Daniel Peller, Heidrun Heidtke, Lovis Kauertz“

Artikel vom 26. Januar:

Pähl – Andreas Nicolai Nemitz ist anzumerken, wie sehr ihn der Vorfall vom 4. Januar getroffen hat. Der Kerschlacher, der selbst Tiere besitzt, sagt: „So etwas Schreckliches habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt.“

Vor seinen Augen habe eine Hundemeute, die bei einer Drückjagd im nahe gelegenen Kerschlacher Forst eingesetzt worden war, einen Fuchs attackiert, der in seinen Garten geflohen war. „Gegen die Überzahl der aggressiven Hunde, die zudem mit Schutzwesten gegen Wildschweine versehen waren, hatte das hinter mir Schutz suchende Füchslein keine Chance“, so Nemitz. Er habe gar nicht mehr gewusst, wen er zuerst vor den Hunden schützen sollte: den Fuchs oder seine Haustiere. Auch in den Pferdestall seiner Familie seien Hunde gelaufen, berichtet Nemitz.

Anwohner fragen sich: Warum wurde nicht über die Drückjagd informiert?

Fünf oder sechs Jagdhunde seien in Kerschlach unterwegs gewesen, hätten aber nicht – wie bei einer Drückjagd eigentlich erwartet – viel gebellt. „Ein Hundeführer ließ sich nicht blicken“, beklagt Nemitz. „Einige Anwohner äußerten sich verwundert, dass nicht über diese Jagd im Dorf unterrichtet wurde, dann hätte man auch rechtzeitig Vorkehrungen zum Schutz der eigenen Haustiere treffen können.“ Nemitz hat wegen der Vorfälle rund um den Fuchs bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet und einen Strafantrag gestellt.

Erlöst wurde der schwer verletzte Fuchs schließlich durch einen sogenannten Fangschuss von Kaspar Spiel sen. aus Kerschlach. Dieser ist Inhaber des örtlichen Jagdreviers, die revierübergreifende Drückjagd war aber nicht für seinen Bereich angemeldet.

Während Nemitz die Ansicht vertritt, dass der Fuchs erst in Kerschlach verletzt wurde, sagt Spiel, das Tier sei bei der Drückjagd angeschossen worden: „Der Fuchs war nicht gut getroffen worden.“ Etwas Gesetzeswidriges sei aber im Zusammenhang mit dem Fuchs nicht passiert. Allerdings sei es „unschön“, dass Außenstehende den Vorfall in Kerschlach hätten miterleben müssen.

Ähnlich äußert sich Florian Pfütze, erster Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Weilheim: Es täte ihm für Nemitz leid, „dass er das sehen musste“, sagt er. Es sei ein unglücklicher Zufall gewesen, dass sich der Fuchs in seinen Garten geflüchtet habe.

Vorsitzender des Kreisjagdverbands: „Was dort stattgefunden hat, ist in Ordnung.“

Pfütze hat sich den Fall aus Kerschlach schildern lassen und kommt zu dem Schluss: „Was dort stattgefunden hat, ist in Ordnung.“ Hunde hätten bei einer Drückjagd die Aufgabe, Tiere zu verfolgen, zu stellen und gegebenenfalls auch zu erlösen.

Pfütze betont, dass Jäger für die Allgemeinheit aktiv seien – unter anderem zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms und der Schweinepest. Dass nicht binnen „zwei Minuten“ ein Jagdteilnehmer vor Ort gewesen sei, um sich um den Fuchs zu kümmern, sei nachvollziehbar, denn während der Jagd dürften die Beteiligten aus Sicherheitsgründen nicht einfach umherlaufen. Nemitz kritisiert dieses Vorgehen: „Somit sind die Wildtiere den Angriffen der Hunde jedes Mal ohne Aufsicht eines Menschen ausgeliefert, wenn diese außer Ruf und Hörweite geraten.“

Auch Jagdpächter Joachim von Schönberg, einer der Veranstalter der Jagd, bedauert, dass Nemitz mit dem unschönen Bild des verletzten Fuchses konfrontiert wurde. Aus seiner Sicht konnte das Tier aber von seinem Leid erlöst werden, gerade weil es die Hunde verfolgt hatten. Er selbst, so von Schönberg, sei schon unterwegs zu dem Fuchs gewesen, als Spiel erklärt habe, er nehme den Fangschuss vor.

Anwohner hat Zweifel, ob die Hunde für eine Drückjagd geeignet waren

Dass die Drückjagd offensichtlich „nicht so abgelaufen ist, wie sie sollte“, sagt Christine Miller, zweite Vorsitzende des Vereins „Wildes Bayern“, eines Aktionsbündnisses zum Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume. Bei einer Jagd müsse kein Teilnehmer immer neben seinem Hund stehen, „aber in so einer Situation muss man eingreifen können“, fordert Miller mit Blick auf den Fall in Kerschlach. Auch solle die Grenze des Bereichs, in dem die Jagd stattfindet, von den Hunden normalerweise nicht überschritten werden. Das war bei der Drückjagd am 4. Januar aber der Fall.

Nemitz hofft, dass „die Jagdfunktionäre der großen Jagdverbände den Mut finden“, solche Jagdmethoden mit der ständigen Gefahr, dass Drückjagden außer Kontrolle geraten, selbstkritisch zu hinterfragen. Er bezweifelt, ob die in Kerschlach eingesetzten Terrier überhaupt für ihre Aufgabe als Jagdhunde geeignet waren.

Das Landratsamt kündigte am Donnerstag an, den Revierinhaber „zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der Jagd zur Stellungnahme aufzufordern“. „Zum jetzigen Zeitpunkt können keine Aussagen bezüglich konkreter Verstöße gegen das Jagdrecht gemacht werden“, teilte die Behörde auf Anfrage mit.

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