Asinella-Betreiberin Anahid Klotz bei einem Interview vor dem Landratsamt.
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Mediale Aufmerksamkeit: „Asinella“-Betreiberin Anahid Klotz (l.) beim Interview vor dem Landratsamt.

Pähl

Kampf um die Eselfarm „Asinella“: Petition soll helfen

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Neue Hoffnung für die vom Abriss bedrohte Eselfarm „Asinella“ in Pähl: Die Betreiberin hat eine Petition beim Landtag eingereicht. Zudem schaut sich der Denkmalschutz die Anlage an. Mittlerweile ist die Angelegenheit im Ministerium gelandet.

Pähl – Die heile Tier-Welt von Anahid Klotz auf ihrer Eselfarm „Asinella“ in Pähl wurde am 25. März in den Grundfesten erschüttert. Wie berichtet, flatterte Klotz ein Schreiben des Landratsamts auf den Tisch. Inhalt: Die Anlagen im Außenbereich hätten keine landwirtschaftliche Privilegierung und seien als Gewerbebetrieb deshalb ohne Genehmigung errichtet worden (siehe Kasten). Die Kreisbehörde droht eine Abrissanordnung an.

Asinella: Schon 7200 Unterschriften an Landratsamt übergeben

Dagegen regt sich Protest. Klotz, die jährlich rund 30 Schulklassen zu Besuch hat, Schulen mit ihren Eseln besucht und Tiertherapien anbietet, bekommt Unterstützung. Eine Online-Petition brachte über 7200 Unterschriften, diese wurden Landrätin Andrea Jochner-Weiß am 13. Juli überreicht. Jochner-Weiß nannte es „eine tolle Aktion“, versprach allerdings nichts. „Es geht nicht um Tiere, es geht um Baurecht“, machte sie klar und verwies auf die Regierung von Oberbayern. Dort liegt eine Stellungnahme des Landwirtschaftsamts, „ob die auf der Eselfarm durchgeführten Baumaßnahmen einem landwirtschaftlichen Betrieb im Sinne des Baurechts dienen���, wie Leiter Stefan Gabler auf Nachfrage mitteilt.

Das Amt will sich zu einem laufenden Verfahren nicht weiter äußern. „Zumal die Zuständigkeit ausschließlich bei den Genehmigungsbehörden liegt“, ergänzt Gabler. Auch Eselfarm-Betreiberin Klotz kennt nach eigener Aussage den Inhalt nicht. Ihr Münchner Anwalt habe am 3. Juli an das Landratamt geschrieben und um die Expertise gebeten, und am 20. Juli nachgehakt. „Er kriegt keine Antwort“, klagt Klotz.

Vom Landratsamt gab es eine Frist bis 20. Mai, „die genannten Vorhaben und Ablagerungen freiwillig zu beseitigen“, wie im Schreiben steht. Der Termin verstrich, nichts passierte. „Wir warten darauf, dass wir was vom Ministerium bekommen“, sagt die Landrätin. Denn der Fall ist eine Stufe höher geklettert. Die Regierung von Oberbayern ist vorerst raus. „Die Federführung der übergeordneten Behörden hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr“, teilt Landkreissprecher Hans Rehbehn mit. Das Staatsministerium habe das Landratsamt gebeten, „zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen und wird sich selbst gegenüber dem Bayerischen Landtag äußern“, heißt es von Regierungs-Sprecherin Verena Gros. Grund ist eine Petition, die „Asinella“-Betreiberin Klotz selbst am 21. Juni beim Landtag eingereicht hat. Alle Bürger Bayerns haben nach der Verfassung (Artikel 115, Absatz 1) das Grundrecht, sich „schriftlich mit Bitten und Beschwerden an die zuständigen Behörden oder an den Landtag zu wenden“. Jährlich geschieht dies laut Landtag circa 2400-mal. Mit der Eingabe befasst sich der Petitionsausschuss. Einen Termin hat Klotz noch nicht. Der weitere Ablauf hängt laut Regierung von Oberbayern vom Beschluss des Landtagsausschusses ab. Das Ministerium muss im Landtag Stellung zur Eselfarm nehmen. Im Landratsamt warten sie darauf: „Eine Antwort haben wir noch nicht erhalten“, so Sprecher Rehbehn.

Das sagt das Landratsamt

Im Landratsamt relativiert man das Vorgehen gegen „Asinella“-Betreiberin Anahid Klotz.„Bislang erging nur ein Anhörungsschreiben“, teilt Kreissprecher Hans Rehbehn mit. „Dieses Schreiben hat keinen zwingenden Charakter. Wir fordern daher momentan nichts Verbindliches von ihr.“ Mit dem Schreiben solle dem Betroffenen lediglich „die etwaige Rechtsfolge vor Augen geführt werden, wobei er gleichzeitig die Möglichkeit zur Stellungnahme erhält“. Rehbehn: „Eine solche Stellungnahme haben wir bisher nicht erhalten.“

Das liest sich in dem Schreiben der Bauverwaltung vom 20. März anders. Nach drei Baukontrollen im Januar und Februar werden 21 bauliche Details aufgelistet – „für die genannten Vorhaben und baulichen Anlagen liegen keine Baugenehmigungen vor“. Sollten Klotz und ihr Mann die beanstandeten Anlagen nicht bis 20. Mai entfernt haben. „so erwägen wir den Erlass einer kostenpflichtigen Beseitigungsanordnung und die Einleitung eines Bußgeldverfahrens“

Anahid Klotz hat eine weitere Hoffnung: Sie setzt auf den Denkmalschutz. Am 5. August erwartet die Betreiberin eine Delegation des Landesamts für Denkmalschutz auf ihrer Eselfarm. Die Experten schauen sich die Bienenhäuser, den alten Baumstadel, das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Wohnhaus sowie historische Landmaschinen an.

Klotz bangt um ihr Lebenswerk. Sie betreibt die Eselfarm seit 2005. Erst am Weilheimer Hahnenbühl und seit 2008 im Außenbereich von Pähl. Immerhin eines hebt ihre Laune: Am 23. Juli wurde „Adele“ geboren. Das kleine Murnau-Werdenfels-Kalb liegt zufrieden neben seiner Mutter im Stall.

Auch das ist interessant: Baggerfahrer stößt auf Granate im Starnberger See - und löst sie aus. Reiterin Julia Haarmann feiert Sieg bei Spring-Turnier in Österreich. Gemeinderat Pähl sagt Ja zum Ausbau der Kompostieranlage.

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