Kämpft um ihre Existenz – und die Heimat von Eseln und weiterer Tiere: Anahid Klotz betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard Gregori und Schwiegervater Sepp Gregori die Eselfarm „Asinella“. Foto: Ruder (Archiv)
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Kämpft um ihre Existenz – und die Heimat von Eseln und weiterer Tiere: Anahid Klotz betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard Gregori und Schwiegervater Sepp Gregori die Eselfarm „Asinella“. (Archivbild)

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Eselfarm „Asinella“ heute Thema im Landtagsausschuss - zuvor wurden Wohnhaus und Mistlege gesperrt

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Die Betreiber der Eselfarm „Asinella“ bangen um ihre Existenz. Heute spricht der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags über den Hof in Pähl. Zuvor landete im Briefkasten der Besitzer ein Bescheid: Die Nutzung des Wohnhauses, eines Toilettenhäuschens und weiterer Anlagen wurde untersagt.

Pähl – Für Anahid Klotz und ihren Mann Gerhard Gregori geht es am heutigen Mittwoch um viel. Denn der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags spricht darüber, ob ihr Hof in Pähl eine Zukunft hat. „Wir haben einfach nur eine riesige Existenzangst“, sagt Klotz.

Die Sorgen begannen im März, als das Landratsamt androhte, dass die Gebäude abgerissen werden müssten – sie stehen im Außenbereich, wo nur privilegierte Betriebe bauen dürfen. Doch die Behörde sieht den Hof nicht als landwirtschaftlichen Betrieb an – obwohl dort Esel, Bienen, Murnau-Werdenfelser-Rinder, Ziegen und Schafe leben. Doch da mit den Eseln seit 2005 auch Wanderungen, therapeutische Kurse und Aktionen für Kinder angeboten werden, sei der Betrieb durch „die gewerbliche Eselhaltung geprägt“, sagte Landratsamtssprecherin Erika Breu im Sommer.

Bescheid des Landratsamtes überrascht die Familie

Das sehen die Betreiber anders. Sepp Gregori hatte den Hof 1980 gekauft und 1999 an seinen Sohn Gerhard übergeben. Die beiden und Anahid Klotz kümmern sich nun gemeinsam. Und wollen Eselfarm und Hof unbedingt erhalten. Dafür schalteten sie einen Anwalt ein, kontaktierten den Denkmalschutz. Zudem wurde eine Petition gestartet. Nachdem klar war, dass sich der Landtag des Themas annimmt, kündigte das Landratsamt an, die Entscheidung des Parlaments abzuwarten.

Umso überraschter war die Familie, als sie Mitte Oktober einen Brief vom Landratsamt erhielt – samt Bescheid: Das Wohnhaus, die „Dreikammergrube“ und das Toilettenhäuschen durften mit sofortiger Wirkung nicht mehr genutzt werden. Die Mistlege musste innerhalb von sieben Tagen verschwinden.

Das Landratsamt sieht in dem Schreiben keinen Widerspruch zur Ankündigung, das Verfahren ruhen zu lassen. „Wir wollten keine unwiderruflichen Maßnahmen treffen“, sagt Rainer Schömig, Leiter der Abteilung „Bauen und Umwelt“ im Landratsamt. Die Nutzungsuntersagung sei aber notwendig, weil die Abwasserentsorgung auf dem Hof nicht funktioniere. „Das ist ein FFH-Gebiet, das ist naturschutzfachlich schützenswert“, sagt Schömig. Es gebe keine Kläranlage, die das Wasser angemessen reinige. Zudem würde Regenwasser von der Mistlege ungefiltert in den Boden gelangen. „Wir wollten auf die Familie einwirken, das hat nicht gefruchtet“, sagt Schömig. Die Behörde schlug vor, Dixi-Toiletten aufzustellen und die Anlagen derweil erneuern zu lassen.

Wohnhaus: Bewohnt oder nicht?

Dass das Wohnhaus mit sofortiger Wirkung nicht mehr genutzt werden durfte, sieht er unproblematisch. „In dem Haus wohnt ja niemand“, sagt Schömig. „Wenn man’s genau nimmt, ist es eigentlich ein Seminarhaus.“

Anahid Klotz stellt die Situation völlig anders da. „Natürlich ist das unser Wohnhaus“, bekräftigt sie. Das müsse das Landratsamt wissen. Bei einer Baukontrolle im Januar seien Fotos aller Räume gemacht worden – „selbst vom Schlafzimmer mit unserem Bett, das ich noch gar nicht gemacht hatte“. Das Gebäude im Dorf, das der Familie ebenfalls gehört, bewohne unter anderem ihr Schwiegervater. „Das haben wir seit Jahren nur als Büro genutzt.“ Nun ist das Ehepaar kurzerhand dort eingezogen.

Der Bescheid habe das Arbeiten auf der Farm schwieriger gemacht, berichtet Klotz. Der Mist von elf Eseln und den fünf Rindern muss nun zu einem anderen Misthaufen im Ort gebracht werden. „Das ist sehr umständlich.“

Auch Uneinigkeit über Abwasserentsorgung

Und in Klotz’ Augen auch unnötig. Sie ist überzeugt, dass die Abwasserentsorgung auf dem Hof funktioniere. Die Vier-Kammer-Pflanzenkläranlage, eine Drei-Kammer-Klärgrube und die Mistlege „wähnten wir stets in bester Verfassung“, sagt Klotz. Aus der Vier-Kammer-Anlage trete gar kein Wasser aus – es werde über die Pflanzen verarbeitet und verdunste direkt. In der vierten Kammer sei das Wasser so gut, dass sich Gelbbauchunken angesiedelt hätten. Klotz und ihr Mann wissen nicht, was an ihrer Abwasserentsorgung mangelhaft sein soll. „Wir haben dazu nie eine Stellungnahme vom Landratsamt erhalten“, sagt die Farm-Betreiberin. Deshalb engagierte die Familie selbst eine Firma und einen Gutachter, die sich ihre Anlagen anschauen sollen. Bisher kam kein Termin zustande. „Heuer ist das coronabedingt schwierig.“

Effektiv oder nicht? Die Vier-Kammer-Pflanzenkläranlage auf der Eselfarm.

Ebenfalls wegen des Virus kann das Paar die Sitzung des Landtagsausschusses nicht vor Ort verfolgen. Immerhin wird sie aber live übertragen. Klotz wird wohl mit einem mulmigen Gefühl das Video auf Youtube starten: „Uns geht’s richtig schlecht, weil es einfach kein Ende nimmt.“

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