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Global für Baumpflanzung unterwegs: Der 21-jährige Felix Finkbeiner im Münchner Presseclub.

„Plant for the planet“

Auf Gretas Spuren: Bayerischer Baumretter attackiert die G7 - und hat wichtigen Termin in New York

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Wie Greta Thunberg hat sich Felix Finkbeiner dem Klimaschutz verschrieben. Nur eben nicht so laut wie seine schwedische Mitstreiterin. Von einem G7-Beschluss hält er nicht viel.

München -Mit seinem Sakko und Anzugshose könnte der schlaksige junge Mann, der immer ein Lächeln auf den Lippen hat, auch als Lehrling einer Bankfiliale durchgehen. Aber nein, der smarte 21-Jährige spricht über die Brände im Amazonas-Gebiet, über die Wiederaufforstung der mexikanischen Halbinsel Yucatan und - natürlich - über Greta, die 16-jährige Klimaretterin aus Schweden. 

Felix Finkbeiner, der als neunjähriger Grundschüler von Pähl (Kreis Weilheim-Schongau) aus die Initiative „Plant for the planet“ gründete, hat Greta noch nie getroffen. Aber er lobt sie bei einem Termin am Montag Abend im Münchner Presseclub in höchsten Tönen: „Sie hat viel mehr erreicht als ich, das ist fantastisch.“

Felix Finkbeiner: Fehltage in Schule von Eltern eingereicht

In der Tat ist Greta ungleich populärer und bekannter als Felix Finkbeiner, der Waldretter. Die Idee mit dem Schulschwänzen am Freitag („kleine Provokation“) sei einfach gut. Felix hingegen war ein braver Schüler: Seine Fehltage wurden von den Eltern eingereicht und von der Schule ordentlich genehmigt. Kein Schwänzen also.

Anders als Greta, die Kultfigur mit den langen Zöpfen, werde er auf der Straße so gut wie nie erkannt, sagt Finkbeiner. Und das ist ihm wohl auch nicht unrecht. Er macht sein eigenes Ding, ist längst nicht so rigoros wie Greta. Immerhin sei er Vegetarier.

Finkbeiner Senior hat Buch veröffentlicht über Bäume als Wunderpflanze gegen die Klimakrise

Mutmaßlich wäre Felix Finkbeiner ohne seinen Vater Frithjof, der Mitglied im Club of Rome ist, nicht das geworden, was er heute ist. Vater Finkbeiner vertritt in einem neuen Buch („Wunderpflanze gegen Klimakrise entdeckt: Der Baum!“, Komplett Media Verlag) radikale Thesen. Er plädiert für einen sofortigen Komplett-Ausstieg aus der Kohle („wäre ohne Weiteres sofort möglich“), die Energieversorgung will das Aufsichtsratsmitglied von Desertec mit Wüstenstrom erledigen - „wir müssten dann lediglich noch Leitungen nach Deutschland verlegen“.

Gegen solche flotten Thesen nehmen sich die Ausführungen seines Sohnes direkt bedächtig und zurückhaltend aus. Felix Finkbeiner erklärt offen, dass wir „mit Bäumepflanzen allein die Klimakrise nicht bewältigen werden“. Er wartet zum Beleg mit folgender Rechnung auf: Jedes Jahr verschwinden circa 15 Milliarden Bäume durch Rodung und Brand. Nur fünf Milliarden werden jedes Jahr wieder aufgeforstet - bleibt ein Schwund von zehn Milliarden jedes Jahr!

Das Gesicht der Bewegung zum Klimaschutz: Greta Thunberg hat die „Fridays for future“ ins Leben gerufen.

Projekt „Welt retten“ nur mit Reduzierung des menschgemachten CO2-Ausstoßes möglich

Das lässt sich auch durch eine wuchtige Initiative, wie sie „Plant for the planet“ zweifellos ist, nicht schnell wieder ausgleichen. Das Projekt „Welt retten“ geht auch nach Ansicht der Baumpflanzer nicht ohne Reduzierung des menschgemachten CO2-Ausstoßes.

Längst hat sich „Plant for the planet“ professionalisiert und internationalisiert. Angefangen hat der Neunjährige mit einem Schulprojekt. Seine Grundschule wetteiferte mit anderen darum, wer die meisten Bäume in der Weilheimer Umgebung pflanzt. Die Idee machte rasch überregional Schule. Familie Finkbeiner erfand die „Plant for the planet“-Akademie, auf der Kinder zu Baumbotschaftern ausgebildet werden.

Felix Finkbeiner sprach als 13-Jähriger vor der UNO

Mit 13 sprach Felix, wie man ihn damals nennen durfte, vor der UNO. 2012 lief das Projekt der „guten Schokolade“ an, die es bei dm, Rewe und anderen Supermarkt-Ketten gibt. 20 Cent jeder verkauften Schoko-Tafel wandern in die Aufforstung, sagt Finkbeiner. Das ist ein Standbein der Finanzierung, ein weiteres sind Spenden von Privatpersonen und von großen Firmen. Er selber, betont Finkbeiner, verdiene nichts durch „Plant for the planet“.

Gerade kommt Felix Finkbeiner von einer Pflanzaktion mit Schülern im Münchner Umland. Er selbst hat einen Buchensetzling in die Erde gesteckt. „Eine nette Aktion, aber keine besonders wichtige“, meint er. Das klingt etwas abschätzig, aber so meint er es wohl nicht. Es ist nur so, dass die Hauptaufforstungsgebiete global gesehen nicht in Deutschland liegen, ja nicht einmal in Europa. Sondern in Afrika, Südostasien und Lateinamerika.

Felix Finkbeiner nennt Amazonas-Soforthilfe der G7 „Witz“

„Plant for the planet“ lancierte das Ziel, 1000 Milliarden Bäume weltweit zu pflanzen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es circa acht Milliarden Bäume. Große Hoffnungen setzt „Plant for the planet“ auf das Yucatan-Projekt, wo 100 Millionen Bäume gepflanzt werden sollen. Derzeit sind es immerhin 5000 täglich. 

„Es braucht also nur 10.000 Projekte wie unseres, um die benötigten 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen“, heißt es in seinem Buch. „Nur“ 10.000 Projekte? Gerade hat der G7-Gipfel 20 Millionen Euro Amazonas-Soforthilfe zugesagt. Das reicht für 20 Millionen Bäume - „ein Witz“, sagt Finkbeiner. „Da müssten viel größere Beträge fließen.“

Felix Finkbeiner schreibt Doktorarbeiten über Wachstumsraten von Bäumen

Um Oberbayern geht es schon lange nicht mehr. Finkbeiner wohnt auch nicht mehr in Uffing am Staffelsee, wo die Initiative im örtlichen Bahnhof ein Büro hat. Er lebt meistens in Zürich, wo er an der ETH im Department für Umweltsystem-Wissenschaften eine Doktorarbeit über Wachstumsraten von Bäumen begonnen hat. Seine These: Natürlich wachsende Bäume gedeihen langsamer als künstlich angelegte Wälder, die dafür ökologisch betrachtet nicht so wertvoll sind. Das will er beweisen.

Nicht immer hat er Zeit für seine Forschungen, denn wenn „Plant for the planet“ ruft, muss Finkbeiner folgen. Demnächst wieder. Eine App, mit der man sich als Baumpflanzer registrieren lassen oder auch spenden kann, muss in New York vorgestellt werden. Anders als Greta wird Finkbeiner das Flugzeug nehmen.

Den Weg zum UN-Klimagipfel in New York nimmt Greta Thunberg per Yacht auf sich. Derweil spitzt sich die Lage im Amazonas-Gebiet angesichts der Brände zu.

In seinem Kommentar auf merkur.de* beurteilt Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis den „Greta-Effekt“ als bescheiden.

Die Brände des Regenwaldes im Amazonasgebiet könnten noch deutlich schlimmere Konsequenzen haben, als viele dachten. Es droht ein nicht aufzuhaltender Teufelskreis.

In unserem News-Ticker halten wir Sie über Greta Thunbergs Schaffen in New York auf dem Laufenden.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Dirk Walter

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