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Forschungsobjekt statt Ausflugsziel: Pähler Schlucht das ganze Jahr gesperrt

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Rettung für den Ort: 70 Kubikmeter Schwemmholz hatten sich im Juni 2021 im Wildholznetz in der Pähler Schlucht angesammelt.
Rettung für den Ort: 70 Kubikmeter Schwemmholz hatten sich im Juni 2021 im Wildholznetz in der Pähler Schlucht angesammelt. © Wasserwirtschaftsamt Weilheim

Normalerweise pilgern Ausflügler durch die Pähler Schlucht. Doch das schöne Stück Natur ist seit knapp einem Jahr gesperrt. Daran wird sich so bald nichts ändern.

Pähl – Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als Werner Grünbauer völlig entsetzt durch die Pähler Schlucht ging. Dem Bürgermeister der Gemeinde bot sich ein erschreckendes Bild: Wege waren zerstört, Felsstürze drohten, Wassermassen hatten Schwemmholz, Kies und Schlamm durch die Schlucht befördert. „Da besteht Lebensgefahr“, sagte Grünbauer damals der Heimatzeitung. Seitdem ist das beliebte Ausflugsziel gesperrt. Und das noch bis kommendes Jahr.

Zwar wurden Schwemmholz und Schlamm beseitigt, doch wie brüchig und abrutschgefährdet die Hänge nun sind, ist unklar. Das lässt die Gemeinde derzeit von Gutachtern untersuchen. Rund 19 000 Euro netto werden die Untersuchungen Pähl kosten. Eigentlich wären mehr als 30 000 Euro für die Messungen und Auswertungen fällig. „Doch die Pähler Schlucht ist ein sehr gutes Forschungsobjekt“, sagt Grünbauer. Die TU München und die Universität für Bodenkultur Wien nutzen die Analysen für ein Pilotprojekt. „Dadurch wird es für uns günstiger.“

Bürgermeister möchte wissen, ob der Ort gefährdet ist

Mindestens ein Jahr sollen die Untersuchungen nun dauern – damit die Forscher und Gutachter den Boden zu jeder Jahreszeit betrachten können. In der Schlucht gibt es nun mehrere Messstellen, mit denen unter anderem Bewegungen des Bodens festgehalten werden. Laut Grünbauer gibt es zwei sogenannte Kluftspione, die automatisiert die erhobenen Daten übermitteln. Weitere Erkenntnisse über den Boden sollen Geräte für geoelektrische Messungen liefern. Zudem wird die Pähler Schlucht mit Hilfe einer Drohne in 3D-Optik aufgezeichnet. Wegen des Naturschutzes ist das aber erst ab September wieder möglich.

Auf die Ergebnisse sind nicht nur die Forscher, sondern auch die Pähler gespannt. Denn Grünbauer sieht nicht nur eine Gefahr für die Schlucht selbst, wenn die Hänge in Bewegung bleiben – sondern auch für den Ort. Nach den heftigen Unwettern im vergangenen Jahr hatten sich enorm viel Schwemmholz, Kies und Schlamm im Wildholznetz der Schlucht angesammelt – die Sperre bewahrte die Pähler vor großen Schäden in ihrer Gemeinde. Deshalb erhofft sich Grünbauer von den Messungen und Untersuchungen nun auch Erkenntnisse über die „Gefährdungslage für den Ort“.

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