1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Pähl

Klippenspringerin Iris Schmidbauer: Mit besonderem Psycho-Trick zum EM-Titel

Erstellt:

Von: Paul Hopp

Kommentare

Schwimmen/Wasserspringen: Europameisterschaft, Klippenspringen 20 m, Frauen: Iris Schmidbauer aus Deutschland feiert ihre Goldmedaille. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Iris Schmidbauer nach dem Gewinn des EM-Titels im High Diving bei den Titelkämpfen in Rom. © Gregorio Borgia/dpa

Iris Schmidbauer hat bei der Schwimm-EM in Rom den Titel im Klippenspringen gewonnen. Im dramatischen Finish griff sie vor dem finalen Sprung zu einem Psycho-Trick.

Rom/Pähl – Als die deutsche Nationalhymne erklingt, da zeichnet sich für Sekundenbruchteile ein Ausdruck der Verlegenheit in Iris Schmidbauers Gesicht. Mit den Händen knetet sie das kleine Plüschhündchen, das den Medaillengewinnerinnen zusätzlich überreicht wurde. Dann öffnet sich ihre Miene – es ist ein Lächeln, aber ein schüchternes.

Iris Schmidbauer gewinnt historischen Wettbewerb

Es war das erste Mal, dass Iris Schmidbauer bei einem wirklich großen Event auf dem Podest stand, auf Platz eins obendrein – und dann auch noch bei einer für ihre Disziplin historischen Veranstaltung. Erstmals fand das „High Diving“, also das Wasserspringen aus Höhen über zehn Meter, innerhalb einer Schwimm-EM statt. Für die Sportart bedeutet das eine zusätzliche Aufwertung.

„Es ist super-cool, bei der EM mit allen anderen Disziplinen dabei zu sein“, sagte die 27-Jährige aus Pähl im TV-Interview. Und schob lächelnd hinterher: „Es fühlt sich so offiziell an.“ Dafür, dass sie die Möglichkeit bekommen hat, an der EM-Premiere teilzunehmen, sei sie „so dankbar“. Nun ist die Hoffnung, „dass wir bald olympisch werden“. Zum Programm der Schwimm-Weltmeisterschaften gehört das „Klippenspringen“, der Ausdruck erinnert an die Ursprünge der Extremsportart, seit 2013. Damals gewann eine gewisse Anna Bader aus Deutschland bei den Frauen Bronze.

Anna Bader ist Schmidbauers Vorbild

„Sie war eigentlich der Grund, warum ich mit dem High Diving angefangen habe“, sagte Schmidbauer. Sie habe den Wettbewerb in Barcelona gesehen und sich gesagt: „Das will ich auch machen.“ In Rom war Bader, mittlerweile 38 Jahre alt und zweifache Mutter, auch dabei. Fast hätte sie neben Schmidbauer auf dem Podest gestanden – nur 2,4 Punkte fehlten ihr auf den dritten Rang, den die Italienerin Elisa Cosetti (20 Jahre alt) einnahm. Apropos Italien: Die EM-Gastgeber, seit jeher eine Wassersport-Nation, haben ihre High Diver in die Förderung komplett miteinbezogen. In Rom waren bei den Frauen und bei den Männern einige junge italienische Talente am Start, die künftig die Szene aufmischen können. In Deutschland müssen sich die Athleten (noch) selbst finanzieren.

Rom war eine Reise wert: Iris Schmidbauer (Mi.) holte den Europameister-Titel im High Diving vor Antonina Vyshyvanova (l.) und Elisa Cosetti. Anna Bader als großes Vorbild
Rom war eine Reise wert: Iris Schmidbauer (Mi.) holte den Europameister-Titel im High Diving vor Antonina Vyshyvanova (l.) und Elisa Cosetti. Anna Bader als großes Vorbild © FILIPPO MONTEFORTE

Schmidbauer, eine gebürtige Puchheimerin, die in Pähl aufwuchs, in Weilheim bis zur zehnten Klasse aufs Gymnasium ging und ihr Abitur in Unterhaching machte, absolvierte ihren ersten Wettkampf im Klippenspringen 2014. Davor hatte sie Kunst- und Turmspringen bei der SG Stadtwerke München betrieben. Ihre allerersten Erfahrungen hatte sie am Sprungturm in Utting am Ammersee gesammelt. In der Extremvariante – Frauen springen bei Wettkämpfen aus 20 Metern Höhe, Männer aus 27 Metern – bewies die Pählerin Talent. 2016 debütierte sie beim FINA-Worldcup in Abu Dhabi, wurde Neunte von zehn Athletinnen.

Schmidbauer betreibt Klippenspringen seit 2014

Noch im selben Jahr durfte sie erstmals bei der „Red Bull Cliff Diving“-Serie ran, erhielt einen Startplatz für den Wettkampf in Polignano a Mare (Italien). Die Red-Bull-Serie ist im Klippenspringen so etwas wie die Formel 1 im Motorsport – da wollen alle hin, da tummeln sich die Besten. Schmidbauer wurde bei ihrem Debüt Letzte, überzeugte aber die Veranstalter mit ihren Sprüngen. Seitdem ist sie regelmäßiger Gast. 2021 war sie gar eine Saison als Fixstarterin dabei. Corona bedeutete für Schmidbauer, die von 2015 bis 2018 in Plymouth „Sports Therapy and Injury Rehabilitation“ studierte und trainierte, eine schwierige Zeit. Länger als geplant saß sie in Neuseeland fest, Wettkämpfe fanden keine statt.

Studium in Plymouth, langer Aufenthalt in Neuseeland

Die Top-Plätze waren für Schmidbauer bis dato oftmals außer Reichweite. 2019 verpasste sie beim Red-Bull-Event in Beirut als Vierte um einen Zehntelpunkt einen Podestplatz. Bei den Weltmeisterschaften 2017 (10. Platz) und 2019 (8.) landete sie im Mittelfeld. Die Pählerin, die bei Boris Rosenberg (Dresden) trainiert, blieb ehrgeizig und fleißig. Mittlerweile schafft sie die schwersten Sprünge, die Frauen derzeit so absolvieren. Dazu gehören ein Sprung aus dem Handstand (gezeigt in der zweiten Runde) und der rückwärts gesprungene Dreifachsalto gestreckt mit zwei Schrauben, den Schmidbauer im Schlussdurchgang wagte. Die tolle Ausführung und die absolut gelungene Eintauchphase machten den Titelgewinn vor Antonina Vyshyvanova (Ukraine) und Cosetti perfekt.

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

„Ich habe mich versucht, auf jeden Sprung einzeln zu konzentrieren“, so Schmidbauer nach dem Coup. Im Finale, sie war als Drittletzte an der Reihe, griff sie zu einem Psychotrick. Unmittelbar vor dem Sprung blickte sie von der Plattform herab auf die grünen Bäume in der Umgebung. „Ich habe versucht, das aufzusaugen. Grün ist meine Lieblingsfarbe. Die beruhigt mich.“ Mit EM-Gold sei sie „super-happy“.

Auch interessant

Kommentare