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Rund 80 Bürger aus Pähl und Fischen hatten im Mai gegen die Erhebung von Straßenerschließungsbeiträgen demonstriert.

„Respektloses Vorgehen“

Pähler Bürgermeister äußert zu „Strebs“: „Wir werden die Maßnahmen durchführen“

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Die Stimmung zwischen „Strebs“-Gegnern und dem Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer kocht weiter hoch. Erstmals seine Sicht der Dinge schilderte er nun im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Pähl – Gleich zu Beginn der Bürgerversammlung, die am vergangenen Montag in Pähl stattfand, kam es zu Unstimmigkeiten. Mit der Ankündigung, nicht über das Thema „Straßenerschließung“ zu sprechen, verärgerte Bürgermeister Werner Grünbauer viele der 25 Anwesenden.

Laut eines Schreibens, dass Dieter Wirsich, Anwohner und Gegner der Straßenerschließungsbeiträge („Strebs“), der Heimatzeitung zukommen ließ, fügte Grünbauer außerdem hinzu, dass er Fragen zum Thema, sollten sie gestellt werden, ignorieren und notfalls die Veranstaltung abbrechen werde.

Zwölf Bürger, bei denen es sich um betroffene Anwohner aus dem Pähler Bergstraßenviertel und der Straße „Am Weißbach“ in Fischen handelte, verließen die Versammlung. „Wir finden das selbstherrliche Verhalten des Bürgermeisters unerträglich“, wird Thomas Baierl aus dem Bergstraßenviertel in dem Schreiben zitiert, „ganz offensichtlich fürchtet er sich vor unangenehmen Fragen.“

Fronten sind verhärtet - Proteste und Leserbriefe

Schon einige Zeit vor der Versammlung hatten sich die Fronten verhärtet. Bereits im Mai kamen rund 80 „Strebs“-Gegner zusammen, um vor dem Rathaus zu demonstrieren. Bürgermeister Werner Grünbauer äußerte sich nicht dazu. Anfang Juli hatten Anwohner aus Pähl und Fischen erneut vor dem Rathaus protestiert. Sie forderten eine Stellungnahme. Auch in Leserbriefen meldeten sich die Gegner des Straßenausbaus immer wieder zu Wort. Kritisiert wurden darin nicht nur die Maßnahmen selbst als „ungleich gewichtete Straßenertüchtigungsgebühr“. Für Ärger sorgte vor allem die aus Sicht der Anlieger fehlende Kommunikation.

Erstmals äußerte sich Grünbauer nun im Gespräch mit der Heimatzeitung zum Thema. „Bei der Bürgerversammlung handelte es sich nicht um eine Anliegerversammlung“, sagte er, „es ging darum, die Bürger über andere Themen zu informieren – und nicht darum, zu diskutieren.“ Die betreffenden Anwohner seien „nur gekommen, um Frust loszuwerden und Stimmung zu machen.“

Die Vorgehensweise der „Strebs“-Gegner halte er für „respektlos“. „Ich lasse es mir nicht gefallen, dass sie so mit mir und dem Gemeinderat umgehen“, sagte er. Per E-Mail seien Drohungen und Korruptionsvorwürfe eingegangen. „Vor der Protestaktion wurde kein Wort gesprochen“, so der Bürgermeister, „überhaupt hat nur ein Einziger mal bei mir nachgefragt.“

Lesen Sie auch: Strebs: Raisting verzichtet auf Straßenbau. 

Bürgermeister Werner Grünbauer: Schuld seien „Wahllügen“ der Freien Wähler

Zu den Arbeiten „Am Weißbach“ in Fischen würden Infos folgen. „Die Planungen laufen noch. Danach gehen wir natürlich auf die Anlieger zu“, sagte er. Für die Betroffenen an der Bergstraße hätte es diese Infoveranstaltungen bereits gegeben. „Über Beiträge diskutieren, werde ich nicht mehr“, sagte er. „Wir werden die Maßnahmen durchführen“, so Grünbauer, „die Lage wird sich auch wieder beruhigen.“

Der Bürgermeister ärgert sich vor allem über die „Wahllügen“ der Freien Wähler: „Im Juli 2018 hat Hubert Aiwanger gesagt, die ,Strebs’ werde abgeschafft – und dass die Kommunen einen vollständigen Ausgleich erhalten. Aber passiert ist nichts.“

In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag wurde lediglich kurz über die Straßenausbauarbeiten im Bergstraßenviertel gesprochen. Der Auftrag sei an die Firma „Strohmaier“ aus Huglfing als günstigsten Anbieter vergeben worden. „Die Auftragssumme liegt voraussichtlich bei etwa 280 000 Euro“, so Grünbauer, „das sind 120 000 Euro unter der Schätzung.“

Eine weitere Demo

gegen die Straßenerschließungsbeiträge findet am heutigen Samstag, 27. Juli, 18.30 Uhr, in Fischen statt. Am unteren Teil des „Weißbaches“ wollen die Anwohner nach historischem Vorbild eine Straßenbarrikade errichten.

nema

Lesen Sie auch: Diskussion über Badestege an Seen und Weihern: Pähler Bürgermeister gibt Steg frei - und übt Kritik.

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