Auf dem Kapellenfeld – hier die Ansicht von Osten – sollen Wohnungen für „Normalverdiener“ entstehen.
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Auf dem Kapellenfeld – hier die Ansicht von Osten – sollen Wohnungen für „Normalverdiener“ entstehen.

Planung stößt auf Kritik

Wohnraum soll erschwinglich bleiben - Planung stößt im Pähler Gemeinderat auf Kritik

Die Gemeinde Pähl will durch den Bau von Mehrfamilienhäusern in Vorderfischen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die Planung stößt im Gemeinderat jedoch auf Kritik.

Pähl – Auf dem Kapellenfeld soll auf einer Fläche von gut drei Hektar durch die Aufstellung eines Bebauungsplans Platz für den Wohnungsbau geschaffen werden. 31 Parzellen mit einer Gesamtfläche von rund zwei Hektar sind geplant.

Der derzeitige Entwurf, der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats diskutiert wurde, sieht drei Bereiche vor. Im Norden am Bach soll eine gut 8000 Quadratmeter große Grünfläche bleiben, südlich anschließend bis zum nach Osten verlaufenden Feldweg ein Mischgebiet entstehen und südlich des Feldwegs ein Wohngebiet. Rund 4500 Quadratmeter sind zur Erschließung für Verkehrsflächen nötig. Auf den 8900 Quadratmetern des Wohngebiets könnte laut Bürgermeister Werner Grünbauer rein rechnerisch Wohnraum für 153 Personen gebaut werden, wenn man die derzeitige durchschnittliche Wohnfläche pro Pähler Bürger zugrunde legt.

Grundsätzlich alle Räte für die Schaffung von Wohnraum

Grundsätzlich sprachen sich alle Räte für die Schaffung von Wohnraum aus. Sie halten es auch für sinnvoll, durch politisches Einwirken Grundstückspreise festzulegen, die Normalverdienern den Erwerb einer Immobilie ermöglichen. Nach Einschätzung von Grünbauer ist dies bei den Grundstückspreisen auf dem freien Markt nicht mehr möglich. Selbst bei einer Halbierung der Preise im sogenannten Einheimischenmodell seien Grundstücke für Einfamilienhäuser für viele Menschen mit normalem Einkommen nicht realisierbar. Daher sei auch die Reduzierung der geforderten Grundstücksgrößen sinnvoll. Dabei dürfe man bei Doppelhäusern nicht Halt machen, Geschosswohnungsbau sei nötig. In diesem Sinn seien vier Mehrfamilienhäuser mit je sechs Wohneinheiten vorgesehen.

Mehreren Gemeinderäten sind die vier großen Wohnhäuser zu wuchtig. Diese sollten kleiner ausfallen, auch wenn dadurch auf Wohnraum verzichtet wird. Daniel Bittscheidt forderte eine komplett neue Parzellierung mit weniger Dichte. In dem Wohngebiet, so wie es der Planentwurf vorsieht, möchte er „nicht tot überm Zaun hängen“. Zudem mokierte er sich über die detaillierte Beschreibung der zu pflanzenden Bäume, bei denen sogar der Stammdurchmesser vorgeschrieben ist. „Es fehlen noch die Gestaltungsregeln für Fußabstreifer“, so Bittscheidt weiter. Zur Einförmigkeit meinte er: „Da muss ich ja jede Haustür in einer anderen Farbe streichen, damit ich weiß, wo ich reingehöre.“

Bei der dichten Bebauung seien Gärten zu klein für Familien mit Hund

Grünbauer verteidigte die Grünordnung. Die Baumvorschriften müssten sein, sonst würde der Bebauungsplan vom Landratsamt nicht genehmigt. Ähnliche Kritik wie Bittscheidt übte Claudia Klafs. Bei der dichten Bebauung seien die Gärten zu klein für Familien mit Hund, was sie bildlich ausdrückte: „Wenn das Kind im Garten schaukelt, schießt es den Hund über den Zaun.“

Auf Kritik stieß auch die geplante zweigeschossige Parkplatzzeile. Diese soll laut Plan im nördlichen Bereich an einer Hangkante gebaut werden, wobei die beiden Ebenen jeweils eine ebenerdige Zufahrt haben. Klafs forderte, für diesen Bereich eine Tiefgarage vorzuschreiben. Trotz der Mehrkosten könne man dies dem Eigentümer zumuten, so Klafs, denn „durch den Bebauungsplan machen wir den Eigentümer eh zum Millionär“.

Der Gemeinderat kam zu keiner Entscheidung über den Plan. Die Räte sprachen sich dafür aus, erst einen Städteplaner damit zu beauftragen, sich Gedanken über die Kritik am Entwurf zu machen und diese in einer Sitzung zu präsentieren. Über die Wirkung der Mehrfamilienhäuser auf das Landschaftsbild wollen sich die Räte vor Ort informieren.

VON ALFRED SCHUBERT

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