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Immer wieder musste die Bergwacht in der Pähler Schlucht eingreifen, wie das Foto aus dem Jahr 2017 zeigt. 

Bürgermeister ist Sache zu heikel

Spektakuläre Wandertour: Beliebtes Ausflugsziel gesperrt - Stecken Naturschützer dahinter?

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Ein beliebtes Ausflugsziel im Münchner Süden ist seit Freitag gesperrt. Der Bürgermeister der dortigen Gemeinde will für Unfälle nicht mehr seinen „Kopf hinhalten“.

Pähl – Vor fünf Jahren hatte die Gemeinde Pähl bei der Regierung von Oberbayern beantragt, den Weg, der bis zum Jahr 2002 bis zum Wasserfall am Ende der Pähler Schlucht führte, wiederherstellen zu dürfen. Die ursprünglichen Wege waren durch Hochwasserereignisse im Jahr 2002 teilweise weggespült worden. Wie Verena Gros, eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern, mitteilt, sind die Gemeinde Pähl und die Grundeigentümer im Jahr 2004 übereingekommen, künftig nur noch einen Rundweg im vorderen Teil der Schlucht zu unterhalten.

Diese Einstellung hat sich wohl im Laufe der Jahre geändert, denn Bürgermeister Werner Grünbauer gab in der Pähler Bürgerversammlung im Jahr 2014 bekannt, dass die Gemeinde Pähl den historischen Wirtschaftsweg, der der Waldarbeit diente, im unteren Bereich der Pähler Schlucht wiederherstellen wolle. Zudem sollten Pfade ausgebessert und zwei kleine Brücken gebaut werden. Einen entsprechenden Antrag habe er bereits gestellt, einen Bescheid aber noch nicht erhalten, erklärte der Bürgermeister damals im September 2014.

Pähler Schlucht: Stecken hinter der Verzögerung Naturschützer?

Bis heute habe er keinen Bescheid in dieser Angelegenheit bekommen, sagt Grünbauer heute – fast auf den Tag genau fünf Jahre, nachdem der Antrag gestellt worden war. „Es gab zwischendrin immer mal wieder Kontakt, und 1000 Dinge sind nachgefordert worden“, sagt Grünbauer. Eine anerkannte Landschaftsarchitektin sei mit der Planung der Vorhaben in der Pähler Schlucht beauftragt worden, dennoch habe sich die Regierung von Oberbayern noch immer nicht entschieden. Grünbauer vermutet, dass Naturschützer hinter diesem Zögern der Regierung von Oberbayern stecken. Die Pähler Schlucht ist Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet.

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„Ich habe die Verkehrssicherungspflicht“, sagt Grünbauer. Aus diesem Grund könne er es nicht weiter verantworten, dass Wanderer und Ausflügler in die Pähler Schlucht gehen, solange die Wege dort im jetzigen Zustand seien, so der Bürgermeister. „Das ist ein alpin orientierter Weg und ein Hot Spot für Erholungssuchende“, sagt Grünbauer: „Ich habe in jedem Jahr 20 000 Personen da hinten drinnen.“ Es habe vielfach Hubschraubereinsätze dort gegeben, weil Wanderer in Not geraten seien. „Ich sehe nicht ein, dass ich dafür den Kopf hinhalten soll.“

Anfang Juni wurde ein Vorfall aus der Pähler Schlucht bekannt, der gerade so gut ausgegangen ist: Fast wäre ein fünfjähriger Bub von einem Geröllabbruch erschlagen worden.

Betreten der Pähler Schlucht auf eigene Gefahr

Dem widerspricht die Regierung von Oberbayern in einer Stellungnahme. So wie der Weg jetzt sei, seien weder die Gemeinde Pähl noch der Eigentümer in der Haftung: „Aufgrund des Betretungsrechtes der freien Natur dürfen Pfade und Wege des Waldeigentümers von Erholungssuchenden im Regelfall betreten werden. Dies ist vom Grundeigentümer zu dulden. Daher sind an diese Wege für wald- und naturtypische Gefahren gemäß Paragraph 60 Bundesnaturschutzgesetz keine Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht zu stellen“, so die Regierung von Oberbayern. „Das Betreten der freien Landschaft erfolgt auf eigene Gefahr. Durch die Betretungsbefugnis werden keine zusätzlichen Sorgfalts- oder Verkehrssicherungspflichten begründet“, sagt der entsprechende Paragraph im Wortlaut.

Der Bau neuer gemeindlicher Wege, wie die Gemeinde Pähl sie plane, könne allerdings „umfangreiche Verkehrssicherungspflichten“ auslösen, teilt die Regierung von Oberbayern mit. Das sei mit dem Schutzstatus der Pähler Schlucht als Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet nicht vereinbar.

Nichtsdestotrotz ist die Pähler Schlucht ab heute für alle gesperrt. Die Schilder sollen an den jeweiligen Eingängen in die Pähler Schlucht darauf hinweisen, dass ein Weitergehen verboten ist. Wer dagegen verstößt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. „Die Strafgelder können bis zu 3000 Euro hoch werden“, sagt Bürgermeister Grünbauer.

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