Tiefe Furchen hatte der „Harvester“ in den nicht ausreichend gefrorenen Boden gegraben.

Nach massiven Fällarbeiten 2014

Pähler Schlucht: BUND erstattet Anzeige

Pähl - Die Schäden, die bei den Fällarbeiten in der Pähler Schlucht 2014 entstanden, waren massiv. Der BUND hat darum Strafanzeige gestellt.

Viel Licht im Wald: Bei einem Termin im März 2014 machte sich die Presse ein Bild von den Fällarbeiten in der Schlucht.

 Zu zweifelhaftem Ruhm kommt die Pähler Schlucht im Waldreport 2016, den der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Anfang des Jahres veröffentlicht hat: In der Liste der zehn Fallbeispiele für schlechtes Waldwirtschaften wird das Kleinod am Fuße von Schloss Hohenpähl an zweiter Stelle genannt. Die „massiven Waldzerstörungen im Naturschutzgebiet Pähler Schlucht am Ammersee“ hatten unter Naturschützern und -freunden vor rund zwei Jahren für Entsetzen gesorgt. Immer wieder war von „Kahlschlag“ die Rede.

Vor allem im westlichen, vorderen Teil der Pähler Schlucht sei „auf einer Hiebsfläche von etwa 13 Hektar eine Holzmenge von geschätzten 2200 Festmetern mittelstarker bis starker Bäume“ entnommen worden, heißt es in dem Bericht. „Obwohl die Pähler Schlucht im Landkreis Weilheim-Schongau sogar mehrfach als Naturschutzschutzgebiet und FFH-Gebiet geschützt ist, hat es die sensiblen Schluchtwälder nicht vor massiven Schäden bewahrt“, so der Waldbericht. Doch es stehen nicht nur die Waldbesitzer und Forstunternehmer in der Kritik. Auch das „Zuständigkeitswirrwarr zwischen Forst- und Naturschutzbehörden“ prangert der BUND an und fordert, dass derartige massive Umweltschäden konsequent geahndet werden.

Diese Holzfällarbeiten in der Pähler Schlucht hätten „eklatant und in mehreren Punkten“ gegen die Naturschutzgebietsverordnung verstoßen, so der Bericht weiter. Der in der Schlucht verlaufende Burgleitenbach sei auf mehreren hundert Metern als Rückeweg missbraucht worden. „Es entstanden massive Bodenschäden, weil die Maßnahme entgegen der Beteuerung des beauftragten Forstunternehmers, auf nicht gefrorenem Boden durchführt wurde.“ Bei dem Kahlschlag seien Kalktuffquellen, ein Waldmeister-Buchenwald, Schluchtwälder und Auenwälder beschädigt worden. Weil der Wald so ausgelichtet worden sei, hätten die Stürme vom Oktober 2014 und März 2015 zahlreiche weitere Bäume gekostet.

Weil Schäden entstanden sind, und die Baumfällungen nicht den gesetzlichen Anforderungen einer sachgemäßen Waldbewirtschaftung genügt hätten, hat der BUND Bayern nun Strafanzeige wegen Verstoßes gegen Umweltstrafrecht bei der Staatsanwaltschaft München II erstattet.

Zu dem Ergebnis, dass Schlucht- und Hangmischwälder, Auenwälder, Kalktuffquellen und der Burgleitenbach durch die forstwirtschaftlichen Maßnahmen erheblich beeinträchtigt wurden, kam laut Regierung von Oberbayern auch das gemeinsame Gutachten des Landesamtes für Umwelt und der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, das seit Ende August 2014 vorliegt (wir berichteten).

Berge aus Holz türmten sich um die Pähler Schlucht nach den Fällarbeiten vor zwei Jahren. Fotos (2) BN / Preller (Archiv)

Ob es für die Waldbesitzerin Konsequenzen aus der groß angelegten Fällaktion von vor zwei Jahren gibt, ob sie ein Bußgeld bezahlen muss, steht noch immer nicht fest: „Das steht alles noch im Raum und ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Matthias Hett von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Weilheim-Schongau. Seine Behörde ist für die Verhängung des Bußgeldes zuständig. Solange das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München II noch andauert, kann laut Regierung von Oberbayern nichts abschließend entschieden werden: „Ein Bußgeld darf nicht verhängt werden, bevor das strafrechtliche Ermittlungsverfahren abgeschlossen ist.“

Der Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer indes hat sich jüngst im Gemeindeblatt erneut gegen die Vorwürfe gewehrt: Den Beweis und die naturschutzfachlichen Feststellungen, dass es sich bei den Fällarbeiten um einem Kahlschlag gehandelt hätte, seien die Naturschützer bislang schuldig geblieben. Die Gemeinde verfolge seit April 2014 das Vorhaben, den Wanderweg in die Pähler Schlucht instandzusetzen. Nachdem Teile des Weges abgerutscht und Beschwerden über dessen Zustand im Pähler Rathaus eingegangen seien, habe die Gemeinde bei der Regierung von Oberbayern beantragt, den Weg herrichten zu dürfen.

Das bestätigt die Regierung von Oberbayern in einem Schreiben: „Die Gemeinde Pähl hat einen Antrag auf Wiederherstellung/Instandsetzung des Weges zum Wasserfall der Pähler Schlucht gestellt.“ Ob und wann dieser genehmigt wird, steht noch nicht fest: „Da der Fall höchst komplex ist, können wir einen Zeitpunkt nicht benennen“, teilt die Regierung von Oberbayern mit.

Die entstandenen Schäden seien jedoch so gravierend, „dass eine Wiederherstellung der geschädigten Flächen bei den Waldlebensräumen nur sehr langfristig und bei den Kalktuffquellen überhaupt nicht möglich ist.“ Der Burgleitenbach könne allenfalls optisch wiederhergestellt werden.

Kathrin Hauser

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