Schwierige Bedingungen: Immer wieder müssen Verletzte aus der Pähler Schlucht gerettet werden. Das Archivbild zeigt einen Einsatz, bei dem der Betroffene mit dem Hubschrauber abtransportiert wurde.
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Schwierige Bedingungen: Immer wieder müssen Verletzte aus der Pähler Schlucht gerettet werden. Das Archivbild zeigt einen Einsatz, bei dem der Betroffene mit dem Hubschrauber abtransportiert wurde.

Besuch stimmte ihn nachdenklich

„Vielleicht einfach zu schwer, den Hinweis zu lesen“: Einheimischer will mit kuriosem Ausflugstipp aufrütteln

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Bastian Scheithauer stimmte ein Ausflug in die Heimat und die Pähler Schlucht nachdenklich.Der 31-Jährige verfasste daraufhin einen ganz besonderen Ausflugstipp.

Pähl – Die Kindheitserinnerungen sind schön: Als Bub half Bastian Scheithauer den Großen bei der Arbeit in der Pähler Schlucht. Mit Vater, Opa und anderen Helfern verbrachte er viele Stunden in der Natur. Jedes Jahr wurden die Wege in Schuss gebracht. Einige Zeit ist das alles her.

Pähler Schlucht: Mann unternimmt mit Sohn Ausflug in Heimat - und verfasst hinterher einen Text darüber

Mittlerweile ist der Pähler 31 Jahre alt, lebt in Seeshaupt. Die Schlucht besucht er nur noch ein paar Mal im Jahr. Doch wenn, dann ärgert er sich. Vor wenigen Wochen, als er mit seinem vierjährigen Sohn unterwegs war, sogar so sehr, dass er einen speziellen „Ausflugstipp“ an die Heimatzeitung schickte:

Bastian Scheithausers spezieller Ausflugstipp: Pähler Schlucht

„Vorbei an mit Hundekot gefüllten Plastikbeuteln erreicht man die einst wunderschöne, von Menschen geachtete Pähler Schlucht. Endlich mal raus aus dem Trubel und die Natur genießen... Oh Vorsicht! Da will ein E-Biker vorbei. Ist das nicht strengstens untersagt? Vermutlich zählt das Verbot ja nur für richtige Radfahrer. Vielleicht war es mit 20 Kilometern pro Stunde bei gefühlter 15-prozentiger Steigung aber auch einfach zu schwer, den Hinweis am Eingang zu lesen.

Puh! Jetzt aber endlich mal durchschnaufen. Oder lieber doch nicht, denn da scheint jemand seine Notdurft verrichtet zu haben. Sohnemann, hier geblieben! Hier muss man auf dem Weg bleiben. Zum Schutz der Pflanzen und Tiere. Wir sind hier die Gäste.

Warum alle anderen sich daran nicht halten? Allmählich wird es anstrengend... Na gut. Letzte Etappe: Vorsichtig, Schritt für Schritt. Ist ja poröser Untergrund. Und man will ja keinen Steinschlag verursachen. Ach du ... das war knapp. Die Kinder, die da oben rumklettern, scheinen das nicht zu wissen. Oh, das sind ja Erwachsene.

Mein Gedanke, ob eventuell Warnschilder das kognitive Defizit der Abenteuer-lustigen Ü30er kompensieren und somit zu einer Einsicht beitragen könnten, verfliegt, als wir am Wasserfall ankommen und beobachten, wie sich Massen an Schlucht-Besuchern an der zerstörten Absperrung (inklusive noch lesbarem Schild mit Hinweis auf Betretungsverbot und Lebensgefahr) vorbei mogeln, um so nah wie möglich am Wasserfall zu sein.

Die Band Floh de Cologne stellte vor ein paar Jahrzehnten die Frage: ,Warum gehören denn die Wälder nicht denen, die darin spazieren gehen?‘ Ein Ausflug zur Pähler Schlucht liefert auf diese Frage nicht nur eine Antwort.

Mein abschließendes Fazit: Funktionskleidung bringt nichts, wenn man das Hirn ausschaltet. Der Wald gehört nicht den Menschen. Als achtsame Gäste, die ihren Plastikmüll wieder mitnehmen, werden wir von Botanik, Specht, Wild und Insekten aber bestimmt geduldet.“

Mit seinem Text will Scheithauer aufrütteln. „Viele benehmen sich unverantwortlich“, beklagt er. An vielen Stellen liege Müll herum, Radfahrer seien auf den Wegen unterwegs, Absperrungen würden ignoriert, Menschen gingen querfeldein. „Das sind oft gar nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen machen das vor. Irgendwie wird es nicht mehr geschätzt, dass das Natur ist“, sagt Scheithauer. „Und auch nicht, dass es gefährlich ist.“ Dabei gab es in den vergangenen Monaten zahlreiche Bergwachteinsätze.

Kurioser Ausflugstipp zur Pähler Schlucht: Mann will damit aufrütteln - „Viele benehmen sich unverantwortlich“

Vor allem in der Corona-Pandemie seien es noch mehr Besucher in der Schlucht geworden. Durch das Verhalten einiger „gehen Pflanzen kaputt, Tiere haben keinen Rückzugsort“, sagt Scheithauer. Und hofft, dass sein Ausflugstipp den ein oder anderen dazu anregt, beim nächsten Besuch bedachter zu handeln. Und die Natur wieder zu schätzen.

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(Von Katrin Kleinschmidt)

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