Zu brüchig, zu gefährlich: Der Wasserfall ist inzwischen durch Absperrgitter abgesichert worden. 

Sperrung der Pähler Schlucht aufgehoben

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Nachdem ein Bub fast von einem Geröllabbruch erschlagen worden ist, haben Gemeinde und Regierung von Oberbayern wohl einen Kompromiss gefunden: Die Sperrung der Pähler Schlucht ist aufgehoben, doch am Wasserfall wurde ein Absperrgitter angebracht.

Pähl – Die Wende kam nur wenige Tage, nachdem der fünfjährige Bub aus Wolfratshausen beim Wasserfall am Ende der Pähler Schlucht fast von einem Geröllabbruch erschlagen worden war: Ein paar Tage nach dem Vorfall, den der Bub mit einem Schock und ein paar Schürfwunden gut überstanden hatte, haben Regierungspräsidentin Maria Els, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und der Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer gemeinsam die Pähler Schlucht besichtigt.

Nach dem Treffen sieht es so aus, als ob die jahrelang verhärteten Fronten zumindest ein wenig aufgeweicht wurden: „Übereinstimmend stellten sie fest, dass am Ende der Schlucht beim Wasserfall die Gemeinde Pähl als Sicherheitsbehörde eine deutlich sichtbare Sperre errichtet, um auf die besonderen geologischen Risiken der dort vorhanden porösen Nagelfluhfelsen hinzuweisen“, teilte Matthias Andritzky, Pressesprecher bei der Regierung von Oberbayern, nach der Besichtigung mit.

Absperrgitter an Wasserfall

Die Gemeinde hat daraufhin die Sperrung aufgehoben und die Schilder und Absperrgitter, die ohnehin immer wieder entfernt worden waren, beseitigt. Nun können Wanderer und Ausflügler das wildromantische Ausflugsziel wieder genießen, ohne ein Betretungsverbot ignorieren zu müssen.

Allerdings ist der Wasserfall am Ende der Pähler Schlucht inzwischen abgesperrt: „Es wurde zunächst ein entsprechendes Absperrgitter vor dem Wasserfall in der Pähler Schlucht hergestellt“, teilt Grünbauer dazu mit. Sich am Ende der Wanderung im mehrere Meter herabstürzenden Burgleitenbach zu erfrischen, ist also nicht mehr möglich. Zu brüchig ist dort das Gestein. Zuvor hatte es jahrelang Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde Pähl und der Regierung von Oberbayern gegeben (wir berichteten).

Im Jahr 2012 hatte die Gemeinde Pähl bei der Regierung von Oberbayern beantragt, den Weg, der bis zum Jahr 2002 bis zum Wasserfall am Ende der Pähler Schlucht führte und dann durch Hochwasserereignisse beschädigt wurde, wiederherstellen zu dürfen. Nach Auskunft der Regierung von Oberbayern stand das aber im Widerspruch zu einer Vereinbarung der Gemeinde Pähl mit den Grundeigentümern, die im Jahr 2004 getroffen worden sei, nach der nur ein Rundweg im vorderen Teil der Schlucht unterhalten werden sollte.

Bürgermeister Grünbauer gab im Jahr 2014 bekannt, dass die Gemeinde Pähl den historischen Wald-Wirtschaftsweg im unteren Bereich der Pähler Schlucht wiederherstellen wolle. Zudem sollten Pfade ausgebessert und zwei kleine Brücken gebaut werden. Er habe die erforderlichen Anträge für das Wegekonzept schon gestellt, einen Bescheid aber noch nicht erhalten, erklärte der Bürgermeister.

Einige Fragen bleiben offen

Auf diesen Bescheid wartete die Gemeinde Pähl fünf Jahre später immer noch. Dieses Frühjahr hat sich Grünbauer dann entschlossen, die Wege in die Pähler Schlucht zu sperren. Er könne die Verantwortung nicht weiter tragen, sagte er damals. „Ich habe die Verkehrssicherungspflicht.“

Die Regierung von Oberbayern sah auch das anders, dennoch ließ Grünbauer die Schlucht ab April sperren. Etwa zwei Monate später wurde der Bub von herabstürzenden Gestein fast verschüttet und die Regierungspräsidentin machte sich vor Ort ein Bild und beide Seiten näherten sich aneinander an.

Wie es allerdings mit dem Wegebau und weiteren Maßnahmen in der Pähler Schlucht weitergeht, darüber scheint es dennoch verschiedene Auffassungen zu geben: Grünbauer teilte mit, dass „in Übereinstimmung mit der Regierung von Oberbayern die Herstellung der Wege geregelt“ sei: „Die Wege werden sukzessive wieder instand gesetzt.“

Von dieser Zusage will man bei der Regierung von Oberbayern allerdings nichts wissen: Der „einzigartige wildromantische Charakter der Schlucht“ müsse erhalten bleiben. Die Gemeinde Pähl dürfe „in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt“ allerdings „kleine Ausbesserungen“ vornehmen, die sich mit dem Gebietscharakter der Schlucht vereinbaren ließen sowie die Beschilderung verbessern.

Auch Matthias Hett, der Leiter der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, weiß nichts davon, dass die Gemeinde Pähl dort Wege bauen darf. „Wenn so etwas dort geplant ist, muss das mit uns abgestimmt werden“, sagte Hett. Das sei allen Seiten bekannt.

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