Schwierige Bedingungen: Immer wieder müssen Verletzte aus der Pähler Schlucht gerettet werden. Das Archivbild zeigt einen Einsatz, bei dem der Betroffene mit dem Hubschrauber abtransportiert wurde.
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Schwierige Bedingungen: Immer wieder müssen Verletzte aus der Pähler Schlucht gerettet werden. Das Archivbild zeigt einen Einsatz, bei dem der Betroffene mit dem Hubschrauber abtransportiert wurde.

Es gibt immer wieder Unfälle

Streit um Wegebau in Pähler Schlucht

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Tausende Menschen besuchten in diesem Jahr die Pähler Schlucht – nicht zuletzt, weil auf vielen Internetseiten kräftig dafür geworben wird. Doch das Naturschutzgebiet hat seine Tücken. Die Gemeinde möchte die abmildern, Wege instandsetzen. Dafür wartet sie seit langem auf einen Bescheid, der nicht kommen wird.

Pähl – Erst kürzlich hat Werner Grünbauer einen Hubschrauber über Pähl fliegen sehen. Schon wieder. Das sechste, vielleicht siebte Mal in diesem Jahr, dass jemand aus der Pähler Schlucht aus der Luft gerettet werden musste, schätzt der Bürgermeister. Unfälle gebe es aber noch viel häufiger. „Das hat mit dem verstärkten Besucheraufkommen zu tun“, sagt Grünbauer. Heuer, im Corona-Jahr, dürften es bereits 30 000 bis 40 000 Menschen gewesen sein, die sich durch die Schlucht drängten, sagt er. Obwohl das Gelände nicht ungefährlich ist. Das liegt auch daran, dass Wege nicht hergerichtet sind. Seit einem Ortstermin im Juni vergangenen Jahres ist nichts mehr passiert. Grünbauer wartet auf einen Bescheid, der die Arbeiten genehmigt – doch der wird nicht kommen. Die einst verhärteten Fronten zwischen der Gemeinde und den Behörden schienen im vergangenen Jahr aufgeweicht worden zu sein, aber verzwickt ist die Lage noch immer.

„Wir haben ja versucht, die Wege herzustellen“, sagt Grünbauer. Zumindest kündigte er an, die Arbeiten veranlassen zu wollen. „Aber wir haben bis heute keine Genehmigung. Und ohne Bescheid mache ich nichts.“ Grünbauer spricht von „offenem Misstrauen“ gegenüber einem Mitarbeiter der höheren Naturschutzbehörde, also der Regierung von Oberbayern. Eingriffe in die Landschaft sind in der Pähler Schlucht nur sehr bedingt erlaubt – sie ist als Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Zwar sei Grünbauer beim Ortstermin mündlich von Regierungspräsidentin Maria Els zugesagt worden, dass die Wege ausgebessert werden dürfen, aber der Rathauschef möchte das schriftlich. „Zur Zeit wird die Schlucht von allen Seiten begangen. Das ist ein massiver Eingriff in die Natur“, sagt Grünbauer. Mit instandgesetzten Wegen könnten die Besuchermassen besser gelenkt werden. „Wir werden uns aber nicht um eine Lösung bemühen, solange kein Bescheid da ist.“

Der wird nicht kommen. „Die Gemeinde Pähl kann im vorderen Schluchtteil einfache Unterhaltsmaßnahmen an den vorhandenen Wegen durchführen“, sagt Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. „Im hinteren Schluchtteil darf die bestehende Pfadspur an einigen wenigen Stellen, zum Beispiel im Bereich von Abrutschungen, ausgebessert werden.“ Auch umgestürzte Bäume könnten entfernt werden, wenn diese Wege blockieren. „Eine Genehmigung ist für solche Arbeiten nicht erforderlich“, sagt Rupp. Tatsächlich aber sei beim Ortstermin vereinbart worden, dass die Gemeinde ihre geplanten Arbeiten vorab mit dem Landratsamt bespricht.

Das ist bisher nicht geschehen. „Seit diesem Ortstermin hat bislang kein Abstimmungsgespräch zwischen der Gemeinde Pähl und der Naturschutzbehörde am Landratsamt stattgefunden“, sagt Erika Breu von der Pressestelle des Landratsamtes. Welche Arbeiten von der Gemeinde geplant sind, sei daher nicht bekannt.

Und somit ist das einzige, was seit dem Ortstermin vor eineinhalb Jahren gebaut wurde, der Holzzaun am Wasserfall. In diesem Bereich wäre 2019 ein Fünfjähriger beinahe von Geröll erschlagen worden. Damit so ein Vorfall nicht noch einmal geschieht, wurde der Wasserfall abgesperrt. „Doch der Holzzaun war nicht einmal vier Wochen da, da hat ihn schon jemand zersägt“, sagt Grünbauer. „Da kann man machen, was man will. Sperrungen werden einfach ignoriert.“ Diese Erfahrung hatte er schon früher gemacht, als er den Weg in die Schlucht absperren wollte. „Da wurde sogar ein Bauzaun in die Schlucht geworfen“, erinnert sich Grünbauer. „Egal, was wir machen, es wird innerhalb kürzester Zeit zerstört.“

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