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Blumen für den Vize-Landrat: Initiatorin Marlies Zahn-Ebert (mit Mikro) dankte Karl-Heinz Grehl. 

Zehn Jahre „aukio“

Eine Kunst-Oase mitten im Wald

Seit zehn Jahren gibt es die Ateliergemeinschaft „aukio“ im Kerschlacher Forst. Das wurde jetzt  gefeiert

Kerschlach Kunst braucht Raum, das ist eine Binsenweisheit. Es braucht Raum, damit Kunst entstehen kann – und Raum, in dem Kunst erfahren werden kann. Seit zehn Jahren gibt es mitten im Wald, im Kerschlacher Forst, einen Ort, wo beides möglich ist: die Ateliergemeinschaft „aukio“. Vergangenes Wochenende öffneten dort 25 Künstler wieder einmal ihre Atelierräume für das Publikum.

Die Malerin und Mitgründerin Marlies Zahn-Ebert erinnerte am Sonntagmittag an die Anfänge dieses Künstlerorts mit dem geheimnisvollen Namen – dem finnischen Wort für „Lichtung“. Vor zehn Jahren sei sie auf der Suche nach geeigneten Räumen für ein Seminar zum Thema „Kunst und Globalisierung“ gewesen, als ein Bekannter sie auf die leer stehenden Gebäude im Wald aufmerksam gemacht habe. Mit dem Seminar wurde es damals nichts, aber weil die Künstlerin auch ein geeignetes Atelier suchte, kam sie ins Gespräch mit dem damaligen Besitzer Hartgar Peterseil. Nach „zähen Verhandlungen“ stand das Angebot: Für fünf Euro „Kaltmiete“ pro Quadratmeter konnten Künstler die Räumlichkeiten nutzen. Anfangs waren sie nur zu viert, doch nach wenigen Jahren waren bereits alle Räume der zwei Gebäude im Wald von Künstlern belegt.

Über die Jahre sei aus der lockeren Gruppe von Künstlern eine Gemeinschaft geworden, in der jeder seine eigene Kunst und seinen eigenen Stil pflegen kann. Hier, mitten im Wald, könne man schon mal die Außenwelt vergessen, so Zahn-Ebert. Objekte und Zeichnungen, Ölbilder und Fotografien waren am Wochenende zu sehen, Spirituelles und Naives, Politisches und Spielerisches. Das entspricht ganz dem Geist dieser Gemeinschaft, so die Initiatorin: „Wir wollten von Anfang an eine Mischung von Jung und Alt, von akademischen Künstlern und Autodidakten.“

Dass in den Räumen einst ein ganz anderer Geist herrschte, daran erinnerte Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl, der den Künstlern Glückwünsche überbrachte. Er habe hier 13 Jahre lang „Dienst getan“, sagte er. Denn die Anlage war einst das „Warnamt X“, eine militärische Bunkeranlage. „Wir haben hier nicht nur Krieg gespielt, sondern Atomkrieg“, so Grehl: „Was für ein Wahnsinn!“ Er freue sich daher besonders, dass sich hier heute die Kunst breitmachen könne – womit er vielen Besuchern aus dem Herzen sprach.

Allerdings mache eine Mieterhöhung des jetzigen Besitzers einigen Künstlern zu schaffen, wie es hieß. Manche hätten deshalb das „aukio“ bereits verlassen müssen. Am Wochenende zeigten aber auch Ehemalige ihre Werke im sogenannten Casino. So fanden denn diese Ateliertage in heiterer Stimmung statt, musikalisch passend begleitet vom Jazzduo „Bouterwek & Benke“. In den einzelnen Ateliers konnten die Besucher Künstler kennenlernen, dabei einen undogmatischen Kunstbegriff und viel Individualität erleben. Mancher Raum erinnerte eher an ein Büro, in anderen hatte man den Eindruck, der Künstler habe nur mal kurz den Pinsel zur Seite gelegt. Deutlich wurde jedenfalls, wie viel Unterschiedliches, Interessantes und Staunenswertes entstehen kann, wenn der Raum dafür da ist.

Heribert Riesenhuber

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