Wahlplakate (wie hier in Raisting) prägen aktuell häufig das Straßenbild. Immer wieder werden sie Opfer von Zerstörungswut.
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Wahlplakate (wie hier in Raisting) prägen aktuell häufig das Straßenbild. Immer wieder werden sie Opfer von Zerstörungswut.

Alle Parteien betroffen - Polizei ermittelt

Wahlplakat-Vandalismus in Weilheim nimmt zu: AfD will jetzt selbst „Kontrollfahrten“ durchführen

  • Stephanie Uehlein
    VonStephanie Uehlein
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Immer wieder kommt es in Weilheim und Umgebung zur mutwilligen Zerstörung von Wahlplakaten. Betroffen sind Parteien des gesamten politischen Spektrums.

Weilheim – Der Polizeiinspektion Weilheim beschert die bevorstehende Bundestagswahl ein Aufgabengebiet, das es nur in Wahlkampfzeiten gibt: Die Ordnungshüter hatten es in jüngster Zeit immer wieder mit beschädigten Wahlplakaten zu tun, unter anderem mit einer Zerstörungsserie am Abend des 26. August an der B2 in Weilheim.

Von den im Laufe der Zeit registrierten Fällen sind CSU und SPD genauso betroffen wie Grüne, ÖDP und AfD, wie der Leiter der Inspektion, Harald Bauer, auf Anfrage mitteilte. Wie viele Täter bislang Plakate zerrissen, beschmierten oder anderweitig kaputtmachten, ist offen.

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Wahlplakate mutwillig zerstört - Randalierer passte das Gesicht des Kandidaten nicht

Ein Täter, ein 28-Jähriger aus der Kreisstadt, wurde jedoch am 22. August, also vor etwa zwei Wochen, gefasst – und zwar nachts gegen 2.50 Uhr im Rahmen einer Streifenfahrt. Als Grund für sein destruktives Verhalten gab er laut Bauer an, er sei nicht einverstanden mit dem Gesicht des Kandidaten, der auf dem von ihm beschädigten Plakat zu sehen war.

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Ein anderes Mal hat ein Zeuge eine Tat auf einem Foto festgehalten und dieses der Polizei zur Verfügung gestellt. Das Bild habe aber in Sachen „Fahndung“ nicht weitergeholfen, da es von zu schlechter Qualität gewesen sei, so Bauer.

Der AfD-Kreisverband lobte nun eine Belohnung von 500 Euro für jeden Hinweis aus, der zur Ergreifung der Täter führt, die Wahlwerbung der Partei zerstört haben – was im Landkreis vor allem in Weilheim der Fall war. „Eine ganze Reihe von Plakaten“ der AfD sei diese Woche beschädigt worden, heißt es in einer Mitteilung des Kreisverbandes vom Mittwoch. Laut dem AfD-Kreisvorsitzenden, Rüdiger Imgart, wurde die Werbung mit Hilfe von Ziehmessern und Baum-Entastern abgeschnitten und kaputtgemacht.

Inspektionsleiter Harald Bauer: „Es handelt sich definitiv um Sachbeschädigung“

Die Grünen mussten im Stadtgebiet von Weilheim bislang 15 bis 20 ihrer insgesamt rund 170 Wahlplakate austauschen, weil sie zerstört worden waren. Die Fälle hätten im Vergleich zur Europa- und zur Kommunalwahl „deutlich zugenommen“, sagt Ortsverbandssprecherin Franziska Perl. Am Mittwoch habe ihre Partei Anzeige erstattet. Dabei geht es nicht nur um die Sachschäden: Da auch Hakenkreuz-Schmierereien festgestellt wurden, ist ein Straftatbestand erfüllt, der sich „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ nennt, wie Inspektionsleiter Bauer erklärt.

Nach seiner Erfahrung ist die Zerstörung von Wahlplakaten nichts Außergewöhnliches. Sie käme bei jeder Wahl vor, sei entweder gezielt gegen einen politischen Gegner gerichtet oder „blinder Vandalismus“. Auch wenn die Aufklärungsquote bei den Plakat-Beschädigungen gering sei, ermittle die Polizei in diesen Fällen durchaus. „Es handelt sich definitiv um Sachbeschädigung“, so Bauer. Die Polizei nehme nicht nur Anzeigen von den politischen Parteien entgegen, sondern beobachte auch selbst, wo Wahlwerbung zerstört worden ist. Und wenn es möglich sei, würden Spuren gesichert. Die AfD kündigte an, sie wolle Ermittlungen nun „durch zusätzliche Kontrollfahrten und Überwachungsmaßnahmen“ unterstützen. Die Zerstörung von Wahlplakaten, „egal von welcher Partei“, sei „kein Kavaliersdelikt“.

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