+
Die "Rigi-Rutsch'n" bereitet beim Besuch Freude. Beim Blick auf die Bilanz nicht.

"Rigi-Rutsch'n" droht Minus von 1,1 Millionen Euro

Peißenberg - Das tut weh: Die Gemeindewerke Peißenberg rechnen für 2016 bei der "Rigi-Rutsch'n" mit einem Minus von 1,1 Millionen Euro.

Es ist eine schockierende Zahl, die da im Wirtschaftsplan der Peißenberger Gemeindewerke für 2016 geschrieben steht. Das Kommunalunternehmen (KU) geht demnach davon aus, dass die „Rigi-Rutsch’n“ im laufenden Jahr ein Minus von sage und schreibe 1,1 Millionen Euro produzieren wird. Das Bäder-Defizit würde damit nach 2014 (853 000 Euro) auf einen neuen Negativrekord anwachsen.

Wirklich überraschend kommt die Entwicklung nicht. Seit der Freizeit- und Bäderpark den Gemeindewerken 1994 aus steuerlichen Gründen von der Kommune aufs Auge gedrückt wurde, ist er das Sorgenkind des Kommunalunternehmens. Der eigentlich vereinbarte, jährliche Verlustausgleich konnte aus dem Gemeindehaushalt meistens nicht in voller Höhe geleistet werden – und die Werke mussten zusehen, wie sie die Defizitzahlen kompensieren. Das zehrt seit Jahren an der Grundsubstanz des Unternehmens.

Mit dem Millionen-Minus dürfte die Belastungsgrenze für das KU nun erreicht sein. Laut Wirtschaftsplan werden die Werke in der Abrechnungsperiode 2016, verursacht durch das Bäderdefizit, in die roten Zahlen rutschen. Als operatives Gesamtergebnis ist ein Verlust von rund 300 000 Euro einkalkuliert. In der KU-Führung schrillen deshalb die Alarmglocken. Günther Forster, der neue Vorstandschef, bezeichnet die wirtschaftliche Lage der Werke zwar insgesamt als „befriedigend“: „Wir sind grundsätzlich gut aufgestellt und nicht in der Situation, verrückte Dinge tun zu müssen“, betont er. Allerdings weiß er auch: „Die Gemeindewerke werden dieses Bäderparkdefizit dauerhaft nicht tragen können. Es muss sich etwas ändern.“

Forster nimmt derzeit die hochdefizitäre Betriebssparte „zahlenmäßig von vorne bis hinten auseinander“. Seine bisherige Erkenntnis: „Wenn wir so weitermachen, dann wird das Minus in den nächsten Jahren definitiv nicht unter 950 000 Euro fallen.“

Doch was tun? Durch Einzelmaßnahmen, glaubt Forster, wird man das Defizit nicht großartig reduzieren können: „Das muss man realistisch sehen.“ Eine Erhöhung der Eintrittsgelder sei zum Beispiel nur begrenzt möglich. Die „Rigi-Rutsch’n“ dürfe schließlich ihr Image als Familienbad nicht verlieren. Laut Forster muss stattdessen eine „Grundsatzdiskussion“ geführt werden, wie es mit dem Bad weitergehen soll – „und da geht es nicht nur um eine betriebswirtschaftliche, sondern auch um eine emotionale Entscheidung“, so der KU-Chef: „Wir müssen uns überlegen, was können wir uns leisten und wie packt man es an.“

Konzeptvarianten haben die Gemeindewerke mehrere in der Schublade liegen. Ein Bädergutachten hat bereits vor Jahren Betriebsalternativen aufgezeigt, vom Naturfreibad bis hin zur voll ausgebauten Bade- und Wellnesseinrichtung. Das Problem an der Sache: Alle Varianten – auch der Rückbau in ein Naturbad – kosten Geld, das weder die Werke noch die Marktgemeinde als „Mutterkonzern“ aufbringen können. Zudem kann niemand mit Gewissheit vorhersagen, ob beispielsweise Attraktivitätssteigerungen wirklich zu höheren Einnahmen führen. Forster wird nach eigenem Bekunden oft gefragt, ob es richtig war, die im letzten November eröffnete Blockbohlensauna zu bauen. „Ich bin Pragmatiker und antworte dann immer: Die Sauna ist jetzt da, wir haben sie – und sie hat uns bislang einen großen Besucherzulauf beschert.“ (siehe Kasten) Aber inwieweit sich der Zuspruch – sollte er dauerhaft anhalten – in der „Rigi-Rutsch’n“-Bilanz bemerkbar machen werde, könne man erst in ein paar Jahren seriös beantworten. „Wir haben jetzt erst einmal die Investition und dadurch Abschreibungen zu verkraften“, sagt Forster.

Und dann ist da noch das Problem, dass die bauliche Substanz der „Rigi-Rutsch´n“ nach 34 Betriebsjahren – vorsichtig gesagt – nicht mehr die beste ist. Allein um den Status quo zu erhalten, sind teure Investitionen nötig, unter anderem an der Dachkonstruktion. Heuer wird man voraussichtlich rund 200 000 Euro in die Erneuerung der Umrandung am Sprungbecken und die Sanierung eines Schwallwasserbeckens stecken. Laut Forster können auch die Instandhaltungskosten auf Dauer nicht alleine von den Gemeindewerken getragen werden: „Es muss geklärt werden, wer die Investitionen bezahlt.“

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kein Verbot für Oldtimertreffen
Das Oldtimertreffen der „Gasoline Gang“ in Peißenberg ist beliebt. Zumindest bei vielen. Aber eben nicht bei allen. Ein Anwohner hatte dagegen geklagt. Nun kam es zur …
Kein Verbot für Oldtimertreffen
Raisting wieder Bayernliga-Meister
Der neue Meister ist der alte: In einem spannenden Saisonfinale verteidigte das Luftpistolenteam aus Raisting seinen Titel in der Bayernliga.
Raisting wieder Bayernliga-Meister
Zuwachs fürs Gewerbegebiet
Das neue Antdorfer Gewerbegebiet „Steinbacher Weg“ bekommt weiteren Zuwachs: Ein Penzberger Fuhrbetrieb kann sich dort ansiedeln.
Zuwachs fürs Gewerbegebiet
„Ankommen“ in der neuen Heimat
„Ankommen“ in der neuen Heimat

Kommentare