„Glück auf“ war das Motto der Bergmannsleute
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„Glück auf“ war das Motto der Bergmannsleute.

Serie: Schicht im Schacht

1916: Weniger Brot für die Peißenberger

Weil es für die Bergleute, die dem Bezirksamt Schongau zugeteilt waren, mehr Lebensmittel gab als für die dem Bezirksamt Weilheim zugehörigen, gab es vor 105 Jahren um Pfingsten herum heftigen Ärger.

Peißenberg – Vor 105 Jahren mitten in der Kriegszeit des Ersten Weltkrieges im Jahre 1916 bewegte ein Ereignis die Gemüter der Bevölkerung in Peißenberg heftig – damals hieß es genau genommen noch „Unterpeißenberg“: Die Peißenberger fühlten sich massiv benachteiligt.

Was war in der Pfingstzeit geschehen? Im Juni 1916 beschwerte sich der Arbeiterausschuss des Kohlenbergwerks Peißenberg im Bezirksamt in Weilheim über die schlechte Versorgung der Bergleute mit Lebensmitteln. Während die Bergleute, die zum Bereich des damaligen Bezirksamts Schongau gehörten, eine tägliche Brotration von 367 Gramm bekamen, erhielten die dem Weilheimer Bezirksamt zugeordneten Bergleute nur eine Ration von 327 Gramm.

Dies war anstatt der vom „Bundesrat“ zugesagten größeren Brotration eine kleinere Menge als zuvor. Auch bei der Zuteilung von Schlachtvieh gab es Unstimmigkeiten. So wird in der Beschwerdeschrift angeführt, dass für die Pfingstfeiertage den Peißenberger Metzgern vier Schweine zum Schlachten zugewiesenen worden waren. Den Weilheimer Metzgern waren dagegen 14 Schweine zugeteilt worden, obwohl die Einwohnerzahl in beiden Gemeinden damals etwa gleich groß gewesen sein muss. Unterpeißenberg hatte im Jahre 1919 eine Einwohnerzahl von 5038, Weilheim hatte im Jahre 1925 eine Einwohnerzahl von 6754.

Unter den Peißenberger Bergleuten hatte diese Ungleichbehandlung eine große Empörung ausgelöst. Es wurde kräftig auf „die verfressenen Weilheimer Spießer“ geschimpft. Die Bergleute aus Hohenpeißenberg gehörten zum Bezirksamt Schongau und die Bergleute aus Unterpeißenberg zum Bezirksamt Weilheim.

Die Bergmänner sprachen natürlich untereinander über die Lebensmittelversorgung. Es war ja vieles über Marken geregelt. Lebensmittel, Schuhe und Bekleidung konnten lediglich über Marken bezogen werden. Hier wurde dann relativ schnell klar, dass die Menschen unterschiedlich behandelt wurden und eine ungleiche Versorgung führte zwangsweise zu Ärger.

Ein gutes halbes Jahr später folgte im Winter 1916/17 der so genannte „Steckrübenwinter“, wo die Menschen in den Städten verhungerten. Der Staat hatte die Ernährungssituation nicht mehr unter Kontrolle.

Quelle

Diese Geschichte hat der Autor in den Unterlagen des früheren Kohlebergwerks Peißenberg entdeckt.

VON RUDI HOCHENAUER

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