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Auf dem Wirtsanger bei der Aich-Kirche endete tradionell die Leonhardi-Fahrt.
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Michael Strauß’ Wagen zeigte die die Entwicklung der Arbeit im Holz. Zu sehen waren unter anderem Waldbauern mit ihren Pferden.
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Pfarrer Georg Fetsch segnete Ross und Reiter, aber auch die Gespanne, die an der Leonhardi-Fahrt teilnahmen.

250 Pferden und 55 Wagen waren dabei

Leonhardi-Fahrt im Nieselregen

Das Wetter war nicht das beste, die Reiter und Fuhrleute ließen sich aber nicht davon abhalten, gestern an der Leonhardi-Fahrt in Peißenberg teilzunehmen. Mit 250 Pferden und 55 Wagen waren sie dabei. Beim Feldgottesdienst vor Maria Aich waren sie aber fast allein. Von den Zuschauern am Straßenrand waren nur ganz wenige gekommen.

Peißenberg – Ein langjähriger Teilnehmer ist Michael Strauß aus Deutenried. Er fährt seit fast 20 Jahren mit. Anfangs ist er die 30 Kilometer aus dem Weiler, der zwischen Peiting und Steingaden liegt, noch selbst mit dem Wagen gefahren. Inzwischen zieht er aber das Auto vor, um mit seinen zwei Haflingern in die Marktgemeinde zu kommen. Die Teilnahme ist für Ihn nicht vom Wetter abhängig. „Da gibt’s nix“, was ihn abhalte, meinte er zum gestrigen kalten Nieselregen, es habe schon schlechteres Wetter gegeben.

Der Wagen, den seine Pferde zogen, wurde in Peißenberg gestaltet und zeigt, wie im Holz gearbeitet wurde – und gearbeitet wird. Im Gegensatz zu vielen Motivwagen, die die Vergangenheit darstellen, war hier die Entwicklung zu sehen: Waldbauern, die mit einem Pferde Stämme rücken, und deren Nachkommen, die mit ein paar hundert Pferdestärken ihres Traktors und mit Greifarm und gummibereiftem Baumwagen den Wald bewirtschaften.

Im Peißenberg gehört es zur Tradition der Leonhardi-Fahrt, nicht nur die üblichen bäuerlichen und handwerklichen Darstellungen auf den Motivwagen mitzuführen, sondern auch ein Industrieunternehmen zu zeigen. Das Bergwerk gehört in der Marktgemeinde dazu, wobei es inzwischen längst Vergangenheit ist. Seit seiner Schließung ist schon fast ein halbes Jahrhundert vergangen. Als der Leonhardi-Verein vor 120 Jahren gegründet wurde, hatte der Bergbau in Unterpeißenberg gerade erst angefangen.

Neben den Motivwagen fuhren auch Wagen für Ehrengäste mit. Mit einem Landauer war Christine Gruber aus Peiting gekommen. Das von süddeutschen Kaltblütern gezogene Cabriolet bot den Honoratioren Platz und – mit geschlossenem Verdeck – Schutz. Auch wenn Gruber den Landauer noch ganz traditionell in Begleitung eines Praxners, eines Beifahrers, auf dem Kutschbock fährt, setzt sie beim Bremsen auf moderne Technik – mit Scheibenbremsen an der Hinterachse. Von den Bittsprüchen, die auf den Wagen zu lesen waren, hat einer angesichts des Insektensterbens aktuelle Bedeutung: „Heiliger Ambrosius, schützte unsere Bienen“. Ein Spruch hingegen besticht durch seine zeitlose Gültigkeit: „Achte auf deine Gedanken, denn sie bestimmen dein Leben“.

Die Leonhardi-Fahrt ist religiöses Brauchtum, in dessen Mittelpunkt die Segnung der Pferde als Helfer der Menschen steht. Pfarrer Georg Fetsch bezeichnete Leonhard, der im 7. Jahrhundert als Einsiedler in der Nähe von Limoges lebte, als „menschenfreundlichen Heiligen“, da er sich unter anderem beim König für die Freilassung von Gefangenen einsetzte. Um sich über das Leben des Heiligen zu informieren, waren Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft, zu der auch „St. Leonhard in Forst“ gehört – nach Frankreich gereist.

Alfred Schubert

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