Die Apothekerin Maria Bauer war eine der Redner auf dem „Friedensfest“ in Peißenberg.
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Die Apothekerin Maria Bauer war eine der Redner auf dem „Friedensfest“ in Peißenberg.

Sonnenschirm statt Aluhut

300 Besucher bei „Friedensfest“

Etwa 300 Menschen aus dem Oberland haben sich am Samstag auf dem Volksfestplatz in Peißenberg versammelt, um gegen die Corona-Beschränkungen und für ihre Grundrechte zu demonstrieren – darunter auch Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker, Impf- und G5-Gegner. 600 Teilnehmer hatte der Organisator des „Friedenfestes“, das friedlich verlief, angemeldet.

  • 300 statt 600 Besuchern auf dem Festplatz
  • Vierstündiger Redemarathon
  • Mehr als zehn Redner vor Ort

Peißenberg – Wo es zum Friedensfest geht, welche Kleidung ein unbekannter Sprayer für angemessen und was er von der Veranstaltung an und für sich hält, erfuhren die Besucher gleich auf dem leichten Anstieg vom Park- zum Festplatz: „Ab hier Aluhut tragen“ und „Zur Deppen-Demo“ stand da in dicken farbigen Lettern auf dem Asphalt. Die meisten, denen die Begrüßung trotz der die Schrift etwas verdeckenden Schattenspiele auf der kleinen Zufahrtsstraße auffiel, nahmen es mit Humor – einige fotografierten den Text. Den hatten die Veranstalter in weißer Schrift, etwas kleiner, gekontert: „Wir demonstrieren auch, damit ihr eure Meinung sagen könnt.“ Organisiert worden war das Fest vom Schongauer Ralf Schnabel. Die Veranstalter der Grundgesetz-Demos in Murnau, Weilheim, Penzberg, Peißenberg und Schongau hatten sich dazu zusammengeschlossen; auch um eine breitere Resonanz zu erzielen. Die Besucherzahlen bei den örtlichen Demonstrationen waren in jüngster Zeit rückläufig.

Masken wurden kaum getragen

Der Aluhut als Kopfbedeckung wäre in Peißenberg übrigens kontraproduktiv gewesen. Mützen, Tücher und Schirme waren bei gut 30 Grad im Schatten als Schutz vor der strahlenden Sonne angesagt – und eben der Schatten. Die Besucher lagen auf Decken, saßen auf mitgebrachten Stühlen oder standen am südlichen und westlichen Rand des Platzes.

Die in der Mitte aufgemalten kleinen Kreuze blieben ungenutzt – Markierungen, um den Mindestabstand von 1,50 Meter zu wahren. So stand es in den Auflagen für die Demo. Diesen Auflagen gemäß wurde vom Veranstalter bei Eröffnung des Festes auch auf das Tragen von Mund-Nasen-Masken hingewiesen – allerdings mit der Anmerkung: „Das könnt ihr selber entscheiden.“ Die Entscheidung war klar: Masken wurden so gut wie nicht getragen, dafür wurden immer mal wieder Hände geschüttelt und herzlich umarmt.

Pünktlich um 14 Uhr, als etwas mehr als 100 Zuhörer vor Ort waren, begann der gut vierstündige Redemarathon, der gelegentlich von musikalischen Beiträgen unterbrochen wurde. Sowohl die mehr als zehn Redner wie auch die Musiker brachten die inzwischen von örtlichen Demonstrationen und bundesweiten Großveranstaltungen altbekannten Argumente, Theorien, Forderungen und Vorwürfe vor.

Polizei genehmigt zehn Minuten zusätzlich

Als nach gut einer Stunde die Zahl der Besucher auf etwa 300 angewachsen war und die eh schon von den Teilnehmer großzügig ausgelegte Abstandsregelung nun noch weniger eingehalten wurde, machte sich die Polizei, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, bemerkbar. Der Veranstalter teilte über Mikrophon mit, dass der Schatten größer geworden sei und man deshalb auseinander rücken solle.

Der Termin für die „Großveranstaltung“, so Organisator Schnabel, war bewusst gewählt: In Berlin ging zeitgleich die von der Stuttgarter Initiative „Querdenken 711“ initiierte Feier zum „Ende der Pandemie“ über die Bühne. In Peißenberg wurden immer wieder die neuesten Zahlen aus der Bundeshauptstadt vermeldet. Mit 800 000 Teilnehmer fing es an. Dann kam als nächstes übers Mikrophon, versehen mit dem Hinweis, dass die Demo aufgelöst werden soll, der Satz: „Aber 1,3 Millionen Menschen sind nicht so einfach von der Straße zu bekommen.“ Und um 18.10 Uhr, nachdem die Polizei in Peißenberg eine zehnminütige Überziehung genehmigt hatte und noch etwas mehr als 100 Teilnehmer auf dem Volksfestplatz waren, hieß es: „3,5 Millionen Menschen sind auf der Straße.“ Die offiziellen Schätzungen der Berliner Polizei am Sonntag lesen sich anders: Danach hatten 17 000 Teilnehmer an dem Zug teilgenommen und 20 000 an der anschließenden Kundgebung.

Ralf Scharnitzky

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