Die Jubiläums-Besucherin: Susanne Waibel aus Schwabbruck erhielt gestern die 50 000. Corona-Impfung im Impfzentrum des Landkreises Weilheim-Schongau im ehemaligen Peißenberger Krankenhaus.
+
Susanne Waibel aus Schwabbruck erhielt die 50 000. Corona-Impfung im Impfzentrum des Landkreises Weilheim-Schongau.

Landkreis Weilheim-Schongau

Zwischenbilanz: 50.000 Impfungen in fünf Monaten - Wie es jetzt mit dem Peißenberger Impfzentrum weitergeht

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
    schließen

Am Dienstag wurde die 50 000. Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum Peißenberg gesetzt. Zeit für eine Zwischenbilanz und einen Ausblick auf die Zukunft der Einrichtung.

Landkreis – Eine Impfaktion dieses Ausmaßes gab es noch nie. Binnen weniger Monate sollen so viele Bürger gegen das Covid-19-Virus geimpft werden, dass möglichst schnell eine Herdenimmunität hergestellt werden kann. Die Aufgabe, vor die sich die Mitarbeiter des Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Oberbayern gestellt sahen, als sie den Betrieb des Impfzentrums in Peißenberg übernahmen, war immens. Denn schon wenige Tage später wurden 1000 Impfdosen geliefert und mussten schnell verimpft werden.

Der Verwaltungsleiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, ist daher stolz auf das Erreichte. Er spricht von einer „Teamleistung“, wenn er darauf zurückblickt, dass binnen fünf Monaten insgesamt 50 000 Impfungen über das Impfzentrum abgewickelt wurden.

Die 50.000. Impfdosis in Peißenberg ging an Susanne Waibel aus Schwabbruck

Im Impfzentrum in Peißenberg wurde gestern ein Jubiläum gefeiert. Die Schwabbrucker Einzelhandelskauffrau Susanne Waibel erhielt die 50.000. Impfdosis, die in der Einrichtung verabreicht wurde.

Die 47-Jährige aus der „Prioritätsstufe 2“ musste nach eigenen Angaben nicht sehr lange auf einen Impftermin warten: „Mein Ehemann hat mich online bei BayImco angemeldet und zwei Stunden später hatte ich meinen Termin. Mein Mann musste noch bis zum nächsten Tag warten.“ Sie gehört deswegen zur Prioritätsstufe 2, weil sie ihre Mutter pflegen muss. Allerdings sei die Impfung auch für ihren Beruf vorteilhaft.

Auf die Frage, ob sie gezögert habe, sich impfen zu lassen, antwortet Susanne Waibel: „Nein, nicht wirklich. Ich glaube, wenn wir irgendwann zur Normalität zurückkehren wollen, haben wir keine andere Wahl.“ Der Leiter des Impfzentrums, Christian Achmüller, überraschte seine Jubiläumspatientin mit einem Blumenstrauß, der sie sehr freute.

von Michael Sterr

Impfzentrum Peißenberg: Nur wenige Dosen gingen zu Bruch

Die Lage war zu Beginn schwierig und wurde ehrlich gesagt auch nicht leichter. Permanent änderten sich die Vorgaben aus der Politik – man denke nur an das ewige Hin und Her beim Impfstoff Astrazeneca. Nach wie vor wird deutlich weniger Impfstoff geliefert, als in Peißenberg, der Außenstelle in Penzberg und dem immer wieder diskutierten, aber bisher noch nicht umgesetzten Impf-Drive-In in Peiting eigentlich verimpft werden könnten.

50.000 Impfdosen wurden verimpft. Wie viel davon auf die jeweiligen Hersteller Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson&Johnson entfallen, kann Achmüller im Gespräch mit der Heimatzeitung nicht mehr auf die Schnelle nachvollziehen. Sicher ist aber, dass die „Bruchquote“ im Peißenberger Impfzentrum nach wie vor extrem gering ist. Achmüller spricht davon, dass in der ganzen Zeit nur fünf bis sechs Impfstofffläschchen mit jeweils sechs Dosen zu Bruch gegangen sind. „Da pflegen wir einen offenen Umgang mit den Mitarbeitern. Wenn das passiert, ist das zwar ärgerlich, aber wir reißen deswegen garantiert niemandem den Kopf ab“, so Achmüller. Dadurch ließen sich auch Fehlentwicklungen wie in anderen Impfzentren vermeiden, wo Mitarbeiter statt Impfstoff nur Kochsalzlösung verimpften, als ihnen eine Flasche heruntergefallen war – aus Angst vor Ärger.

So etwas komme in Peißenberg nicht vor, ist sich Achmüller sicher. Das liege auch daran, dass das Team der Johanniter mittlerweile sehr eingespielt ist. „Da sitzt jeder Handgriff“, sagt Achmüller. Rund 50 Mitarbeiter sind für das Impfzentrum tätig, etliche davon ehrenamtlich. Die Fluktuation beim Personal, unter dem zahlreiche andere Impfzentren sehr zu leiden haben, sei ausgesprochen gering, sagt Achmüller. „Ende Juni werden uns gerade mal vier Mitarbeiter verlassen haben.“ Dass sei insbesondere bemerkenswert, weil die Mitarbeiter im Impfzentrum jeweils nur auf drei Monate befristete Arbeitsverträge bekommen. Denn der Betreibervertrag mit dem Landkreis wird ebenfalls nur quartalsweise verlängert und wird – Stand gestern – Ende September auslaufen.

Impfzentrum Peißenberg: Ungewisse Zukunft

Das bedeutet, dass das Impfzentrum in Peißenberg Mitte August die letzte Erstimpfung verabreicht, weil sechs Wochen später die letzten Zweitimpfungen stattfinden müssen. Beim Landkreis gab man sich gestern auf Nachfrage sehr zugeknöpft in Sachen „Zukunft des Impfzentrums“. „Die Impfzentren sind in einer Zeit geschaffen worden, in der gezielt prioritär zu impfende Bevölkerungsgruppen zu impfen waren“, heißt es in einer ensprechenden Stellungnahme.

Diese staatliche Steuerung sei in einer Akutphase notwendig, zwischenzeitlich sei ist aber absehbar, dass „mit Wegfall der Priorisierung und ausreichenden Impfstoffmengen die Impfung im Regelsystem der medizinischen Versorgung erbracht werden kann“. In Zukunft sollen also die niedergelassenen Ärzte die Last der Impfkampagne allein schultern.

Für Achmüller ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Er hat akutere Probleme zu lösen. Auch in dieser Woche wurden nur gerade einmal genügend Impfdosen geliefert, um die anstehenden Zweitimpfungen regulär durchführen zu können – etwa 3200 Dosen. Dabei warten immer noch knapp 500 Menschen aus den Prioritätsgruppen 1 und 2 darauf, ihre Erstimpfung zu erhalten. Dazu kämen die 4000 Bewohner des Landkreises, die zwar schon eingeladen wurden, einen Impftermin zu vereinbaren, aber noch keinen angeboten bekommen haben. Es wird also aller Voraussicht nach noch lange dauern und deutlich höherer Liefermengen bedürfen, bis die vielen tausend Angehörigen der dritten Prioritätsgruppe im Impfzentrum in Peißenberg auf eine Einladung zur Erstimpfung hoffen dürfen.

Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an. Und hier geht‘s zu unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare