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Warten in Peißenberg: Auch im neuen Fahrplan bleiben die Züge, die von Schongau Richtung Weilheim fahren, sechs Minuten in Peißenberg stehen.         

Ärger über BRB in Peißenberg: Moderner, aber nicht schneller 

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Vor allem schneller sollte die Pfaffenwinkelbahn nach zahlreichen Verbesserungen im Jahr 2019 werden, so lauteten die Versprechungen. Inzwischen sind die 7,8 Millionen Euro teuren Maßnahmen abgeschlossen, verbessert hat sich für den Bahnkunden nichts, meint „Pro Bahn“.

Peißenberg – Diesen Termin im Mai 2015 hatte sich der damalige Bundesverkehrsminister und Peißenberger, Alexander Dobrindt, nicht nehmen lassen. Er kam persönlich nach Weilheim, um die frohe Botschaft zu verkünden: Die Pfaffenwinkelbahn (BRB) solle durch zahlreiche Verbesserungsmaßnahmen, die für das Jahr 2019 vorgesehen seien, schneller, sicherer und komfortabler für die Fahrgäste werden.

„Das ist ein Meilenstein für die Strecke“, sagte Dobrindt damals. Als Hauptziel nannte er seinerzeit die Verkürzung der Fahrzeit, die zu der Zeit von Weilheim nach Schongau 33 Minuten und in die andere Richtung 38 Minuten betrug. Anschließend sollte sie einheitliche 32 Minuten dauern, so Dobrindt damals. Vor allem der Einbau eines neuen Stellwerkes sollte die Zeiteinsparung bringen. Durch diese Maßnahme sollte die Wartezeit des Zuges, der von Schongau nach Weilheim fährt, am Bahnhof in Peißenberg um fünf Minuten verkürzt werden. Zusätzlich Zeit sparen sollte die Schließung der Bahnübergänge am Georgenweg in Peißenberg und in Grasla bei Oderding, so die Ankündigung damals. Nun fast fünf Jahre später sind die Bahnübergänge am Georgenweg und in Grasla noch geöffnet, Gleise wurden erneuert – und der Bahnhof Peißenberg hat ein elektronisches Stellwerk bekommen. Runde 7,8 Millionen Euro haben diese Maßnahmen gekostet inklusive der Nachrüstung von Schrankenanlagen zum Beispiel am Bahnübergang an der Forster Straße.

Als nach monatelangen Zugausfällen und Abschluss der Bauarbeiten die „Pfaffenwinkelbahn“ im September in Peißenberg ihren regulären Bahnbetrieb wieder aufnahm, atmeten die Peißenberger Bahnkunden auf. Endlich fuhren die Züge wieder zwischen Schongau und Weilheim. Damals galt noch der alte Fahrplan und alle warteten gespannt auf die Vorstellung des neuen im Dezember.

Doch von den 32 Minuten Fahrzeit in beide Richtungen keine Spur: „Auch im neuen Fahrplan bleiben die Züge von Schongau nach Weilheim sechs Minuten in Peißenberg stehen, um auf den Gegenzug aus Weilheim zu warten“, schreibt der Sprecher der „Pro-Bahn“-Regionalgruppe Oberland Norbert Moy. „Pro Bahn“ habe erwartet, dass mit dem elektronischen Stellwerk die Züge in Peißenberg gleichzeitig in den Bahnhof ein- und ausfahren würden. „Aus Sicht von ,Pro Bahn’ sollten Investitionen in die Signaltechnik auch für die Fahrgäste einen spürbaren Nutzen in Form von kürzerer Reisezeiten bringen und nicht nur der Rationalisierung dienen.“ Durch die Umrüstung ist am Bahnhof in Peißenberg die Stelle des Fahrdienstleiters weggefallen.

Moy hat sich mit seiner Kritik auch an die „Bayerische Eisenbahngesellschaft“ gewandt, die für die Erstellung der Fahrpläne zuständig ist. Anfang Januar bekam er Antwort. „Das neue Stellwerk in Peißenberg hat weniger zum Ziel, die Fahrten zu beschleunigen“, so das Schreiben, das von den Bereichsmanagern Klaus Wywiol und Thomas Kunze unterzeichnet ist – vielmehr sei die Modernisierung des Bahnhofes im Vordergrund gestanden. Drei Minuten Standzeit in Peißenberg seien nötig, „um betriebliche Prozesse abzuwickeln“, die in Peißenberg umfangreicher seien, weil es sich um eine Schnittstelle zwischen elektronischem Stellwerk und Zugleitbetriebsstrecke handele. Eine Verkürzung der Fahrzeit, die ins Gewicht falle, könne erst erreicht werden, wenn die unbeschrankten Bahnübergänge an dieser Strecke beseitigt seien. Die Übergänge am St. Georgenweg und der Hochreuther Straße bleiben aber unbeschrankt, der bei Grasla soll geschlossen werden, was in Polling auf Widerstand stößt.

           

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