Die Produktionseinstellung des Airbus 380 hat Aerotech stark getroffen.
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Die Produktionseinstellung des Airbus 380 hat Aerotech stark getroffen.

Schwere Zeiten für Peißenberger Firma

Aerotechs „heißer Ritt“ mit der KfW

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Erst die technischen Pannen beim Hauptkunden Rolls-Royce und dann die Corona-Krise: Die Firma Aerotech verzeichnete ab Herbst 2019 einen dramatischen Umsatzeinbruch. Die Lage ist nach wie vor ernst – aber für den Triebwerkszulieferer gibt es Anlass zur Hoffnung: Das Unternehmen erhält dank politischer Unterstützung KfW-Kredite.

Peißenberg – Seit einem Jahr befindet sich die Aerotech-Belegschaft nun schon in Kurzarbeit. Keine einfache Situation für die 410 Mitarbeiter: Betriebsrat Klaus Kees bezeichnet die Stimmung als „angespannt“ und „den Umständen entsprechend“: „Es gibt natürlich viele Fragezeichen.“ Auf Neueinstellungen verzichtet der Peißenberger Triebwerkszulieferer aktuell, allerdings wurden bislang auch keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen: „Wir versuchen, die Mannschaft zu halten“, betont Kees.

Die Situation bei Aerotech ist ernst: 2020 brachen die Umsätze von 140 Millionen auf 72 Millionen Euro ein. Die Auftragslage sank laut Betriebsleiter Roland Russo nahezu „ins Bodenlose“. Die Gründe sind vielfältig und nicht nur auf Corona zurückzuführen. Schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 geriet man in Schieflage, als der Hauptkunde Rolls-Royce mit technischen Problemen an seiner Triebwerksserie „Trent 1000“ in die Krise schlitterte. Auch die Produktionseinstellung des A380 hat Aerotech laut Russo „hart getroffen“ – und dann kam Corona. Das Problem: Aerotech baut vor allem Triebwerksteile für Langstreckenflugzeuge. „Aber schauen Sie, was am Himmel passiert. Die Mittelstrecke fliegt und die Langstrecke ist am Boden“, erklärt Russo. Hinzu kommt, dass nicht nur der Markt für Neu-, sondern auch für Ersatzteile eingebrochen ist. Was nicht fliegt, muss auch nicht gewartet werden. „Unsere Umsatzdecke ist nach wie vor sehr gering. Wir haben Spielraum plus-minus-null“, konstatiert Russo: „Wir versuchen, das Schiff auf Kurs zu halten.“

Trotz „angespannter Gemengelage“, wie es Russo formuliert, blickt die Aerotech-Führung optimistisch in die Zukunft. Ein wesentlicher Baustein bei den Bemühungen, das Unternehmen zu stabilisieren, sind die zugesagten Förderkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dabei sah es diesbezüglich für Aerotech zunächst ganz schlecht aus. Die KfW war von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, das auf Prosperität in der Flugbranche setzt, offenbar nicht überzeugt. Doch Aerotech hatte einen prominenten Fürsprecher – nämlich MdB Alexander Dobrindt. Der CSU-Landesgruppenchef, der bekanntlich in Peißenberg wohnt, ließ seine politischen Kontakte spielen und holte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit ins Boot. Gemeinsam hat man auf die KfW eingewirkt. „Es wurde viel operiert, um das Überleben des Patienten zu sichern“, erklärte Dobrindt im Rahmen eines kürzlichen Ortstermins bei Aerotech. Aber die politische Argumentation ist seiner Meinung nach stringent: Wer der Lufthansa unter die Arme greifen würde, so Dobrindt, „der muss auch das unterstützen, was danach kommt.“ Eben auch die Hersteller- und Zulieferbetriebe.

Bei Aerotech ist man über die informelle Hilfe der beiden Unions-Politiker höchst angetan: „Ohne Dobrindt und Altmaier wären wir an den Banken gescheitert“, räumt Russo ein – wobei vor allem der Landesgruppenchef gelobt wird: „Das war ein ganz heißer Ritt. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Herrn Dobrindt hätten wir jetzt eine andere Situation. Er hat uns viele Türen geöffnet.“ Aber wie geht es nun mit Aerotech konkret weiter? Derzeit nutzt man die heruntergefahrene Produktion, um die internen Herstellungsabläufe und Fertigungslinien flexibler aufzustellen. „Wir investieren in die Zeit nach der Krise“, so Russo. Für 2021 erwartet die Firmenleitung noch keine Entspannung, erst 2022 geht Russo von einem Aufschwung aus – „auch wenn es keinen Raketenstart geben wird“.

Der Betriebsleiter, der ab März offiziell zum Geschäftsführer gekürt wird, glaubt fest an eine Wiederbelebung der Flugbranche – nicht nur im Touristik-, sondern auch im Wirtschaftsbereich. Digitale Meetings können laut seiner Ansicht persönliche Geschäftskontakte und direkte Netzwerkpflege nicht ersetzen. Und laut Dobrindt geht es im asiatischen Raum mit der Flugbranche bereits wieder aufwärts: „Hauptsache Aerotech-Produkte sind mit dabei“, so der Landesgruppenchef – und: „Aerotech ist jeden Euro wert. Das KfW-Geld ist richtig angelegt.“

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