Das Agfa-Werk in Peißenberg
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Im Agfa-Werk in Peißenberg müssen offenbar 100 der rund 250 Mitarbeiter um ihren Job fürchten. Das Unternehmen will Teile der Produktion nach China verlagern.

Verlagerung nach China

Agfa will massiv Stellen in Peißenberg und Peiting streichen - Betriebsrat: „Das ist heftig“

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Schlechte Nachrichten gibt es für die Mitarbeiter von Agfa in Peißenberg und Peiting. Wegen rückläufiger Geschäfte will der Hersteller für Medizintechnik Teile der Produktion nach China verlagern. Auf dem Spiel stehen offenbar rund 160 Arbeitsplätze. Ein Standort soll bis Ende 2022 ganz geschlossen werden.

Peißenberg/Peiting – Eigentlich hätte Agfa in Peißenberg heuer Grund zum Feiern. Seit 50 Jahren gibt es den Standort in der Marktgemeinde, doch nach Feiern ist den Mitarbeitern nach dem gestrigen Freitag nicht zumute. In mehreren Versammlungen unterrichtete das Unternehmen die Belegschaft über die einschneidenden Veränderungen, die auf die beiden Standorte in Peißenberg und Peiting zukommen.

Agfa selbst spricht in einer Pressemitteilung von einer „Reorganisation der Aktivitäten seiner Werke für Computerradiographiegeräte“. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit auf dem rückläufigen Markt für die Computerradiographie zu steigern. Durch die Corona-Pandemie habe sich der Technologiewandel hin zur Direktradiographie beschleunigt, weshalb man sich einem deutlichen Nachfragerückgang ausgesetzt sehe, so das Unternehmen.

Standort in Peiting soll bis Ende 2022 ganz schließen

Um gegenzusteuern, soll deshalb die Komponentenbeschaffung in Asien intensiviert, die Montageaktivitäten in das Werk in Wuxi (China) verlagert und die Produktionsaktivitäten in Peißenberg neu organisiert werden, kündigte Agfa an. Der Standort in Peiting soll bis zum Ende des Jahres 2022 ganz schließen. Darüber hinaus beabsichtige Agfa, alle Aktivitäten der Ersatzteillogistik in einem Zentrallager zu konsolidieren.

Das alles hat weitreichende Folgen für die Mitarbeiter an beiden Standorten. Betroffen sei eine beträchtliche Zahl an Arbeitsplätzen, teilte das Unternehmen mit. Wie viele Stellen gestrichen werden sollen, dazu wollte sich Agfa gestern auf Nachfrage der Heimatzeitung allerdings nicht äußern. „Nach unseren Informationen geht es um 100 Arbeitsplätze in Peißenberg und rund 60 Arbeitsplätze in Peiting“, sagte Betriebsrat Manfred Unger. Diese Zahlen seien von einem Unternehmenssprecher gegenüber einer Tageszeitung in Belgien genannt worden. Dort hat der Konzern seinen Sitz. Bestätigt worden seien sie am Freitag von der Geschäftsführung nicht, sagte Unger.

Betriebsrat stellt sich auf lange Verhandlungen ein

Die Pläne des Unternehmens bezeichnet der Betriebsrat als „heftig“. Diese im Jubiläumsjahr bekanntzugeben, das sei schon „zynisch ohne Ende“. Natürlich sei die Belegschaft sehr niedergeschlagen. Dass sich die Unternehmensführung noch einmal umstimmen lässt, davon geht Unger nicht aus. Als nächstes gehe es deshalb nun um die Ausarbeitung eines vernünftigen Sozialplans. Die Gewerkschaft habe man bereits informiert und werde sich auch anwaltliche Hilfe ins Boot holen, kündigte Unger an, der mit wochenlangen Verhandlungen rechnet. Vonseiten Agfa heißt es, man werde das Möglichste tun, „um die Auswirkungen auf die Mitarbeiter zu mildern.“

Bürgermeister der beiden Gemeinden reagieren enttäuscht auf die Ankündigung des Unternehmens

Enttäuscht reagieren auch die Bürgermeister der beiden betroffenen Gemeinden auf die angekündigten Stellenstreichungen. „Das ist sehr schade. Jetzt ist wichtig, dass möglichst viele Arbeitsplätze vor Ort erhalten bleiben und Mitarbeiter Alternativen angeboten bekommen“, sagte Peißenbergs Rathauschef Frank Zellner.

Auch sein Peitinger Kollege Peter Ostenrieder bedauert die Pläne des Unternehmens. Die Nachricht von der Schließung des Peitinger Standorts sei alles andere als eine frohe Botschaft. „Ich baue darauf, dass die Betriebsleitung ihr Versprechen umsetzt, die Maßnahme in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat abzustimmen.“ Einziger Lichtblick für Peiting sei, dass die Firma TQ Systems, bei der Agfa in Peiting aktuell eingemietet sei, selbst massiv erweitern wolle (wir berichteten). „Damit ist nicht zu erwarten, dass hier eine Gewerbebrache entstehen.“

Angesichts der aktuellen Entwicklung stellt sich die Frage, ob Agfa in Peißenberg auf lange Sicht noch eine Zukunft hat. Manfred Unger will jedenfalls nichts mehr ausschließen: „Man fragt sich bei all dem schon, ob das Werk auf Dauer erhalten bleibt.“

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