Das Peitinger Agfa-Werk soll bis Ende 2022 komplett schließen. Rund 60 Mitarbeiter sind von der Entscheidung des Konzerns betroffen.
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Das Peitinger Agfa-Werk soll bis Ende 2022 komplett schließen. Rund 60 Mitarbeiter sind von der Entscheidung des Konzerns betroffen.

Streichungen und Werkschließung

Stellenabbau: „Agfa hat uns keine reale Chance gegeben“ - Gewerkschaft kündigte Proteste an

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Schlecht ist die Stimmung derzeit an den Agfa-Standorten in Peißenberg und Peiting. Das Unternehmen will in den nächsten Jahren zahlreiche Arbeitsplätze abbauen. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie kritisiert die Entscheidung scharf und kündigt Protestaktionen an. Der Betriebsrat in Peiting nimmt die lokalen Politiker in die Pflicht.

Peißenberg/Peiting – Wie berichtet, hat der Hersteller für Medizintechnik unlängst angekündigt, wegen rückläufiger Geschäfte auf dem Markt der Computerradiographiegeräte Teile der Produktion nach China verlagern zu wollen – mit weitreichenden Folgen für die Mitarbeiter an den Standorten in Peißenberg und Peiting. Rund 160 Stellen sollen dort in den nächsten Jahren wegfallen, das Werk in Peiting ganz schließen.

Von der Gewerkschaft kommt nun harsche Kritik. Sie wirft Agfa vor, dass das Unternehmen beide Standorte durch fehlende Investitionen und eine schrittweise Verlagerung des Geschäfts nach China einfach habe austrocknen lassen und nun plane, die Werkstore schrittweise zu schließen.

Agfa hatte schon vor Jahren ein Werk in China hochgezogen

Ins gleiche Horn stößt auch der Peitinger Betriebsrat in einem Schreiben an die Redaktion. Abgezeichnet habe sich die Maßnahme schon seit längerem. Agfa habe vor einigen Jahren ein Werk in Wuxi/China hochgezogen, das exakt dieselben Produkte fertigen sollte, die in Peißenberg und Peiting seit langer Zeit sehr erfolgreich produziert werden, so Betriebsratsvorsitzender Roland Ammersinn. „Uns wurde damals diese Parallel-Fertigung so erklärt, dass man, um in China Medizingeräte verkaufen zu dürfen, auch dort fertigen müsse, um die entsprechenden Zulassungen zu bekommen.“ Die in Wuxi gefertigten Maschinen würden auch nur für den asiatischen Raum hergestellt. Der Rest der Welt würde weiterhin mit Geräten aus Deutschland bedient.

Werk in China: Zweifel wurden nicht ernst genommen

Als der Gesamtbetriebsrat damals seine berechtigten Zweifel angemeldet und ein Szenario an die Wand gemalt habe, dass dem jetzt eingetroffenen fast aufs Haar glich, sei man nicht ernst genommen worden. Doch seitdem sei die Fertigung in den vergangenen Jahren Stück für Stück in das chinesische Werk verlagert worden. Gleichzeitig seien nötige Investitionen, die die Werke in Peißenberg und Peiting konkurrenzfähig gehalten hätten, nicht getätigt worden. macht Ammersinn deutlich. „Uns ist schon bewusst, dass wir in unserem Medizingerätesektor einem knallharten, weltweiten Konkurrenzkampf ausgesetzt sind. Hier aber hat man uns letztendlich gewollt von unserem Mutterkonzern in Belgien, keine reale Chance gegeben.“

Betriebsrat: Mit solchen Produktionsverlagern schwäche man das eigene Land

Der Peitinger Betriebsratsvorsitzende kritisiert die Entscheidung mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die ein Unternehmen wie Agfa trage. Mit solchen Produktionsverlagerungen stärke man China und schwäche das eigene Land. „Zu Beginn der Corona-Pandemie haben einige erschrocken zur Kenntnis nehmen müssen, wie ausgeliefert wir heute schon den Asiaten sind. Doch davon, mehr Produktion im eigenen Land zu halten, spricht ein halbes Jahr später schon keiner mehr.“

Dem Betriebsrat bleibe jetzt nur, für die betroffenen Kollegen, „einen tragbaren Interessenausgleich und Sozialplan auszuhandeln, der seinen Namen zu recht tragen wird“, so Ammersinn. „Unsere Bitte geht an die lokale Politik, die jetzt, nach ersten warmen Worten, auch Taten folgen lassen kann und uns im Abmildern der Folgen der Massenentlassung unterstützen sollte.“

Bei der Gewerkschaft gibt man sich kämpferisch. Man werde den Betriebsrat nicht nur bei den Verhandlungen unterstützen, sondern auch mit verschiedenen Aktionen gegen die geplante Maßnahme protestieren, kündigt Bezirksleiterin Astrid Meier an. Die Standortschließung gerade in Coronazeiten sei ein „Schlag in die Magengrube, gegen den man sich zur Wehr setzen muss“.

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