Spaß für 48 Kinder

„Alles voll gut“ im „KidsCamp“

Peißenberg - Für sie ist ein Urlaub nicht selbstverständlich: Umso mehr Freude hatten die Kinder beim "KidsCamp".

Fünf Tage Zeltlager, das hat bei Julia Handel hörbare Spuren hinterlassen. Die Stimme ist heiser und der Hals mit einem Schal umhüllt, als die Betreuerin zusammen mit ihrer Kollegin Julia Nebl der Presse Rede und Antwort steht. Auf dem KJR-Zeltplatz an der Ammer toben derweil knapp 50 Kinder quietschvergnügt übers Gelände. Es ist der letzte Tag im „Kids-Camp“, bald heißt es Kofferpacken: „Da werden Tränen fließen“, weiß Handel jetzt schon, „Und die Kinder werden fragen, ob sie nächstes Jahr wieder kommen dürfen.“

Unter dem Dach der deutschlandweiten Initiative „Urlaubskinder“ fand das „KidsCamp“ heuer zum vierten Mal in der Region statt. Gemanagt wird das Ganze vom „Rotaract-Club Weilheim-Pfaffenwinkel“, einer Jugendorganisation des Rotary-Clubs. Letzterer sorgt zusammen mit Privatspenden regelmäßig für die Finanzierung des Zeltlagers. Im Fokus stehen Kinder, für die Urlaubsfahrten aufgrund ihres familiären Umfelds nicht zur Selbstverständlichkeit gehören. Handel und Nebl vermeiden es jedoch ganz bewusst, von „sozial schwächer gestellten Kindern“ zu sprechen: „Das klingt nicht so prestigeträchtig“, erklärt Nebl, „Wir wollen ja gerade nicht, dass ihnen ein Stempel aufgedrückt wird“.

Die Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren sollen abseits ihres oft schwierigen Alltags eine unbeschwerte Zeit erleben. Die Vermittlung der 48 Kinder erfolgte über Jugendämter, Heime und Tafeln aus dem südbayerischen Raum – und zwar unabhängig von politischer oder religiöser Gesinnung.

Betreut wurde die bunt gemischte Rasselbande von rund 30 ehrenamtlichen Helfern, darunter Studenten, Lehrer und Mediziner: „Wir sind im Lager fast autark – und kochen müssen wir auch selber“, sagt Nebl mit einem Schmunzeln. Sie ist als Finanzbeamtin tätig und hat sich ebenso wie Handel (Physiotherapeutin) für das Camp extra Urlaub genommen. Doch die beiden jungen Damen machen es gerne: „Die Kinder sind unglaublich dankbar. Da bekommt man als Betreuer unheimlich viel zurück“, sagt Nebl. Auch Handel gerät ins Schwärmen: „Es ist eine gelungene Veranstaltung mit tollen Erlebnissen.“

Langeweile war während der fünf Tage weder für die Kinder noch für die Betreuer angesagt. Auf dem Programm standen Bastelworkshops, eine Schatzsuche, ein Ausflug zum Alpine-Coaster nach Oberammergau, eine Nachtwanderung und „ganz viel freie Zeit zum Spielen, vorzugsweise Völker- und Fußball – auch bei Regen“, wie Nebl berichtet. Zudem wurden Reisepässe angefertigt und Postkarten nach Hause geschickt – wie im richtigen Urlaub eben.

Den Kindern ist auch am letzten Tag der Spaß anzumerken, sie sind voller Tatendrang: „Es muss noch Völkerball gespielt werden“, schreit ein Junge aus einem der sechs Zelte. Und auch gegenüber der Presse zeigen die Kids keinerlei Berührungsängste: „Sie hätten gestern vorbeikommen müssen. Da war hier Kinderdisco und richtig was los“, lässt ein Bub mit schwarzer Wuschelmähne den Autor dieser Zeilen in keckem Ton wissen.

Und dann gibt es Fragen über Fragen: „Sind Sie der Assistent des Fotografen?“, „Was schreiben Sie denn da auf?“ oder „Kommt das auch ins Fernsehen?“ Nachdem der Kinderschar alles zufriedenstellend beantwortet wurde, dreht der Pressevertreter den Spieß um: Wie ist denn das Zeltlager nun gelaufen? „Alles voll gut, auch das Essen war super“, antwortet ein Mädchen. Und wie waren die Betreuer? „Alle voll nett. Ich komme nächstes Jahr wieder“, kündigt die Zwölfjährige an. Sie steht beim Interview Arm in Arm mit einem gleichaltrigen Mädchen. Die beiden haben sich vor dem Camp nicht gekannt – „und jetzt sind wir die besten Freundinnen“, erzählen die Mädels. Team- und Freundschaftsgeist erleben, auch das ist ein wichtiger Aspekt im „KidsCamp“.

Zur Herausforderung wird allerdings das abschließende Gruppenfoto. Das Aufstellungskommando verpufft ebenso wie die Androhung von Strafliegestützen: „Das wirkt nicht mehr. Die Kinder haben einen Wettbewerb draus gemacht, wer mehr schafft“, winkt Handel ab. Mit dem Zeltlager-Schlachtruf funktioniert es aber dann doch: Ein Betreuer ruft „Rotaract“, die Kinder schreien „KidsCamp“ zurück – und der Fotograf drückt ab. Auch Handel schont ihre lädierte Stimme dabei nicht – das „KidsCamp“ macht eben auch den Betreuern Spaß.

Rubriklistenbild: © dpa

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