1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Peißenberg

Altes Juze: „Wir machen da was Cooles draus“

Erstellt:

Von: Bernhard Jepsen

Kommentare

Daumen hoch: Anna Fritsche und Moritz Hummig freuen sich über den Zuschlag für die Nachnutzung des alten Peißenberger Jugendzentrums.
Daumen hoch: Anna Fritsche und Moritz Hummig freuen sich über den Zuschlag für die Nachnutzung des alten Peißenberger Jugendzentrums. © bernhard jepsen

Im Sommer 2022 könnte es bereits soweit sein: Bis dahin soll das alte Jugendzentrum in einen Kulturtreff für Nachwuchskünstler umfunktioniert werden. So zumindest sieht der Zeitplan der „Freien Künstler Peißenberg“ aus. In deren Lager freut man sich über den Marktratsbeschluss – vor allem über das Votum von Bürgermeister Frank Zellner.

Peißenberg – Fast könnte man von einer kleinen Odyssee sprechen, die Moritz Hummig, der Frontmann der „Freien Künstler Peißenberg“, hinter sich gebracht hat. 2017 hat er erstmals im Rathaus bezüglich der Nachnutzung des alten Jugendzentrums angefragt und seine Kaufabsicht kundgetan. Doch in der Kommunikation mit der damaligen Rathausspitze hakte es. Man kam auf keinen gemeinsamen Nenner.

Die Idee, das baufällige Gebäude am St. Georgenweg in einen Kulturtreff für Nachwuchsbands und Künstler anderer Genres zu verwandeln, wurde zum Politikum. Vergangene Woche kam es nun zum vorläufigen Happy-End: Der Marktrat votierte mit 14:11-Stimmen für die „Freien Künstler“. Nur die Fraktionen von „CSU/Parteilose“ und der „Peißenberger Liste“ konnten sich mit der vertraglichen Gestaltung nicht anfreunden. Sie pochten auf eine reine Erbpachtlösung. Doch nun bekommt der Verein „Freie Künstler Peißenberg“ – wie von Hummig gewünscht – nach maximal fünf Jahren Pachtzeit ein Kaufoptionsrecht eingeräumt.

Bürgermeister Frank Zellner „hat sich reingehängt“

„Das freut uns natürlich, es ist voll schön. Ich hatte schon gar nicht mehr dran geglaubt“, erklärt Hummig im Gespräch mit der Heimatzeitung. Vor allem über Neu-Bürgermeister Frank Zellner (CSU) findet der 30-Jährige lobende Worte: „Es ist wirklich toll, dass sich der Bürgermeister so reingehängt hat. Er hat einem immer zugehört.“ Wie berichtet, hat Zellner beim Vergabe-Beschluss bezüglich des alten Juzes für die Kaufoptionsvariante und damit gegen seine eigene Fraktion gestimmt. Im Lager der „Freien Künstlern“ erntete er dafür große Hochachtung: „Es ist wirklich toll, dass er sich in der Frage von seiner Partei abgekapselt hat“, betont Anna Fritsche, die zweite Vereinsvorsitzende – und: „Wir machen da was Cooles draus. Die werden sich noch wundern.“ Mit „die“ dürfte Fritsche wohl den Teil des Marktrats meinen, der gegen die Kaufoption votiert hat.

Es ist klar: Nicht nur die „Freien Künstler“ haben nun ein gesondertes Interesse, dass das Projekt „Kulturtreff“ ein Erfolg wird, sondern auch Zellner: „Wir sitzen irgendwie jetzt in einem Boot“, bringt es Hummig auf den Punkt. Doch die Chemie im persönlichen Umgang stimmt. Nach dem Ratsbeschluss hat es bereits ein erstes Treffen bezüglich der konkreten Vertragsausgestaltung gegeben. „Das war ein schönes Gespräch. Wir liegen auf einem Nenner“, konstatiert Hummig: „Sobald wir den Schlüssel haben, legen wir los. Wir kennen das Gebäude.“ Laut Erich Gehrmann peilt die Rathausverwaltung - „wenn alles gut läuft“ – bis zum April die notarielle Beurkundung an: „Wir schauen, dass Moritz Hummig sobald wie möglich beginnen kann.“

Die „Freien Künstler“ und Hummig wissen, was sie wollen – auch wenn sie keinen festgezurrten Sanierungsplan haben: „So etwas habe ich noch nie gemacht. Wir fangen einfach an“, erklärt Hummig. Die Renovierung soll innen starten und sich vom Eingangsbereich „Raum für Raum“ Richtung Bühne und künftigem Vereinscafé vorarbeiten. Letzteres soll übrigens „Kaputt“ heißen – „das passt zum Gebäude“, sagt Hummig schmunzelnd.

Eröffnung soll mit „Wow-Effekt“ stattfinden

Eröffnet werden soll der Kulturtreff erst, wenn alles fertig ist – und zwar laut Hummig mit einem „Wow-Effekt“. Anvisiert wird der Sommer 2022. Heizung, Elektrik und Dach müssen erneuert respektive abgedichtet werden. Im statischen Bereich dürfen die „Freien Künstler“ aus baurechtlichen Gründen nichts verändern.

An Accessoires, Mobiliar und Gebrauchsutensilien ist Hummig bereits gut ausgestattet. Im neuen Kulturtreff wird zum Beispiel ein Pizza- und Kuchenofen aus den 1930er Jahren stehen. Den hat Hummig vom früheren Inhaber des inzwischen geschlossenen Cafés „Preisinger“ in Steingaden abgestaubt. Auch ein Harmonium und ein alter VW-Käfer stehen parat. Den Käfer will Hummig in der Mitte zersägen und als Sitzbank im Außenbereich vor dem Eingang platzieren.

Bei den „Freien Künstlern“ ist Kreativität angesagt, aber auch Realismus: „Es werden noch Hürden kommen“, prognostiziert Hummig. Beispielsweise bezüglich der Ausschankgenehmigung bei Konzerten. Doch der Vereinsvorsitzende ist optimistisch – und das liegt auch am Bürgermeister: „Ich habe mit ihm ein gutes Gefühl“, so Hummig über Zellner.

Auch interessant

Kommentare