Als Bezirkskaminkehrermeister kann Werner Haseidl schöne Ausblicke genießen – wie in diesem Fall in Richtung Hoher Peißenberg.
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Als Bezirkskaminkehrermeister kann Werner Haseidl schöne Ausblicke genießen – wie in diesem Fall in Richtung Hoher Peißenberg.

Porträt über Schornsteinfeger

Am liebsten ist er auf dem Dach

Er ist Glücksbringer, Energiefachmann, Schornsteinfeger und Sicherheitsberater in einer Person: Werner Haseidl aus Peißenberg gilt als gefragter Ansprechpartner, wenn es um Themen wie „Brandschutz“ oder „Energiesparen“ geht. Doch die Corona-Pandemie erschwert auch die Arbeit des Bezirkskaminkehrermeisters.

Peißenberg – Im Gebiet von Weilheim und Wielenbach ist der 52-Jährige für rund 2500 Haushalte zuständig. Im Gegensatz zum Kinderspruch „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ ist er fast überall gern gesehen, denn mit seiner Fachkenntnis hilft er, Brände zu verhüten oder kann den Austritt von Kohlenmonoxid in den Wohnbereich rechtzeitig verhindern.

Einen netten Plausch mit einigen privaten Worten, wie er früher üblich war, gibt es aber seit einem Jahr kaum noch. „Der ist mit Abstand und Gesichtsmaske schwer möglich“, sagt Haseidl, „aber auch wenn viele Leute eine Ansteckung fürchten, muss meine Arbeit getan werden.“ Zwar lassen sich einige bereits terminierte Schornsteinfegerarbeiten zeitlich verschieben.

Immer Abwägung im Einzelfall

„Allerdings gibt es bestimmte Aufgaben, bei deren fristgerechter Ausführung wir an die gesetzlichen Vorschriften und die Weisungen der zuständigen Behörden gebunden sind“, erläutert Anton Dengg, Obermeister der Kaminkehrer-Innung Oberbayern. „Nach unserer Einschätzung können gewisse Tätigkeiten nicht auf lange Sicht geschoben werden, da sie wesentlich zur Gefahrenabwehr beitragen.“ Es sei immer eine Abwägung im Einzelfall zu treffen. Dengg: „Die aktuelle Pandemie-Situation bedeutet für unsere Handwerksbetriebe eine noch nie da gewesene Herausforderung.“

Als selbstständiger Meister mit eigenem Betrieb an der Forster Straße in Peißenberg muss Haseidl die Feuerstätten in seinem Bezirk regelmäßig überprüfen, potentielle Gefahren erkennen, dokumentieren und melden. „Denn ein erhöhter und unbemerkter Austritt von Kohlenmonoxid an einer Heizung kann schnell lebensgefährlich werden“, weiß er. Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind also ebenso essenziell für diesen Beruf wie Schwindelfreiheit. Das Bild vom rußverschmierten Mann geistert zwar immer noch durch viele Köpfe. Diese Vorstellung ist aber schon lange überholt, spätestens seit sich die Menschen über die Luftverschmutzung und ihre Folgen klar geworden sind. Feinstaub, Ozonloch und Klimawandel gehören zu den zentralen Themen unserer Zeit.

Zu den wichtigen Aufgaben der Kaminkehrer-Zunft gehören deshalb Messungen der Schadstoffemissionen und Prüfungen, ob Brennstoffe optimal genutzt werden. Bei überhöhten Werten kennen sie geeignete Maßnahmen, um die Feuerung energiesparend und umweltfreundlich zu regulieren. „Kaminkehrer ist ein Beruf mit Zukunft und wir sind auf gute Fachkräfte angewiesen; mein Betrieb und viele andere bieten Praktika an und bilden aus. Wir sind Prüfer und Berater zugleich“, sagt Haseidl, der sich über seinen vielseitigen Beruf an der frischen Luft und den schönen Weitblick über die Dächer freut. Sein Fachwissen ist schon bei der Planung von neuen Heizungsanlagen gefragt. Schornsteinfeger müssen also Kenntnisse in Bau-, Heizungs- und Brandschutztechniken vorweisen.

Besen und Kehrleine sind trotz Neuerungen nicht überflüssig geworden

Da moderne Heizanlagen weniger Dreck durch die Schornsteine blasen, wird auch weniger gekehrt. Das bedeutet freilich nicht, dass Besen und Kehrleine überflüssig geworden sind, aber der Einsatz moderner, zum Teil elektronischer Prüf- und Messgeräte hat Vorrang. Weitere zusätzliche Tätigkeitsfelder sind auch die Reinigung von Lüftungsanlagen, die Installation von Rauchwarnmeldern, die Durchführung der Gashausschau und die Beratung zum Brandschutz. „Meine Arbeitstage sind also sehr ausgefüllt“, sagt Haseidl, „denn wenn ich endlich wieder daheim bin, wartet eine Menge Büro- und Schreibarbeit.“ Dazu kommen regelmäßige Fortbildungen, um stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu bleiben.

Neben seiner Selbstständigkeit als Handwerksmeister ist Werner Haseidl von der Regierung von Oberbayern für sieben Jahre bestellt, um sogenannte hoheitliche Tätigkeiten zu erledigen. „Dazu zählen die Feuerstättenschau, Ausstellung bzw. Änderung des Feuerstättenbescheides, Führen des Kehrbuchs und Bauabnahmen nach Landesrecht.“ Diese Arbeiten übernehmen ausschließlich bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger als staatlich beliehene Unternehmer in ihrem Bezirk. Für die hoheitlichen Tätigkeiten gelten bundesweit einheitliche Gebühren, die in der Kehr- und Überprüfungsordnung festgelegt sind.

Zu manchen Leuten in seinem Bezirk hat Haseidl sogar ein richtiges Vertrauensverhältnis aufgebaut: „Man läuft ja oft im ganzen Haus herum, gehört sozusagen schon zum Inventar.“ Was er dabei alles hört und sieht, bleibt sein Berufsgeheimnis. Am liebsten mag er es, auf und über den Dächern zu arbeiten – wie beim klassischen Bild seines Berufsstandes mit Kehrleine und Leiter. „Bei sommerlichen 30 Grad bin ich aber sehr froh, wenn der Arbeitstag vorbei ist und ich unter einer kühlen Dusche den Dreck abwaschen kann.“

VON PETER STÖBICH

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