Manuela Vanni ist Bürgermeisterin in Peißenberg.

Peißenberg

„An die einheimischen Familien denken“

Der Jahreswechsel bietet regelmäßig Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und Vorausschau zu halten. Im Interview erklärt Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni unter anderem, wie sie sich die künftige Ortsentwicklung vorstellt, was sie von dem Behördenwirrwarr in puncto „Hochwasserschutz“ hält und wie die finanzielle Unterstützung der Kommune beim TSV-Sorgenkind „Eisstadion“ aussehen soll.

Frau Vanni, wie würden sie das Jahr 2018 aus kommunalpolitischer Sicht bilanzieren?

Es war in meinen Augen ein durchwachsenes Jahr. Die Arbeit im Gemeinderat war am Anfang nicht einfach. Die vergangenen vier bis fünf Monate hat es sich dann wieder entspannt. Ich finde, dass wir momentan gut zusammenarbeiten, auch der Umgangston untereinander passt. Im Gremium wurden zuletzt einige Beschlüsse für Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht, die heuer und im nächsten Jahr relevant werden. Damit meine ich unter anderem die Planungen für die Erweiterung der Zerhoch-Grundschule oder den Neubau eines Kindergartens.

Dennoch: 2018 hat es mehrmals zwischen Ihnen und Teilen des Gemeinderats geknirscht. Werner Hoyer reichte Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Sie ein. Täuscht der Eindruck, dass Sie so etwas nicht sonderlich belastet?

Nein, das ist schon so. Ich kann solche Dinge relativ schnell abschütteln, die verursachen bei mir keine schlaflosen Nächte. Das liegt vielleicht auch an meinem gelernten Beruf als Juristin. Ich weiß, dass Dienstaufsichtsbeschwerden schnell geschrieben sind und dass sie immer hohe Wellen schlagen. Aber es ist nichts, was für irgendein Thema essentiell wäre. Im Übrigen ist die Beschwerde vom Landratsamt inzwischen zurückgewiesen worden.

2019 hat für die Gemeinde nicht ganz so gut begonnen. Zum Beispiel hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass der Genehmigungsbescheid von 2017 für das Oldtimer-Treffen der Gasoline-Gang rechtswidrig war.

Wir haben zwar noch kein schriftliches Urteil vorliegen, aber ich sehe die Sache nicht so negativ. Ich bin mir sicher, dass das Oldtimertreffen auch dieses Jahr im Juni wieder am Tiefstollen stattfinden wird. Wir werden ein Lärmkonzept erstellen und notfalls die Lärmgrenzwerte anheben.

Auch beim Hochwasserschutz gab es wieder Ärger. Die Interessensgemeinschaft der Bachstraßen-Anlieger hat einen „Vierten offenen Brief“ verfasst.

Für den einzelnen Bürger ist es überhaupt nicht mehr zu verstehen, dass das Wasserwirtschaftsamt einerseits der Gemeinde untersagt, dass sie am Wörthersbach den Bachlauf vor August 2019 ausräumen darf – und andererseits dann im Dezember selber am Michelsbach baggern lässt. Das kann man keinem Menschen erklären.

Aber müsste die Gemeinde beim Hochwasserschutz nicht mehr Druck auf die Behörden ausüben?

Ja, in gewisser Weise gebe ich Ihnen da recht. Aber das Problem ist, dass es sich um Fachbehörden handelt, die über uns stehen. Diese Ämter sollten eigentlich uns unterstützen. Aber durch solche Maßnahmen wie am Michelsbach machen die Behörden nicht nur sich selbst, sondern auch uns unglaubwürdig und sorgen für Unverständnis und Verdruss bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Zum Jahreswechsel hat es im gemeindlichen Bauamt eine personelle Veränderung gegeben. Glauben Sie, dass die Abteilung unter der neuen Führung ihr Image aufpolieren kann?

Ich bin sehr froh, dass Bernhard Schregle künftig das Bauamt leitet. Ich habe das Gefühl, dass gleich neuer Schwung durch die Abteilung gegangen ist. Der Wechsel wird sich positiv auswirken – auch auf die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Davon bin ich überzeugt.

Was steht für die Gemeinde 2019 alles auf der Agenda?

Wie schon erwähnt, wird eines der wichtigsten Projekte sein, dass wir die Planungen für die Zerhoch-Grundschule abschließen, damit 2020 mit dem Bau begonnen werden kann – das gleiche gilt für einen neuen Kindergarten. Mit dem neuen Verwaltungsgebäude für den Bauhof muss mindestens angefangen werden. Auch müssen wir uns generell überlegen, ob und wie stark Peißenberg wachsen soll.

Kann man denn als Gemeinde den Siedlungsdruck aus München überhaupt steuern?

Natürlich. Wenn der Marktgemeinderat keine neuen Baugebiete ausweist, dann kann nur auf den vorhandenen Flächen neuer Wohnraum entstehen. Allerdings müssen wir dabei an die einheimischen Familien denken, die hier in Peißenberg wohnen oder bauen möchten. Dies muss auch künftig möglich sein.

Wie kann die Gemeinde denn bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Bauen ist generell sehr teuer geworden. Das merken auch wir als Gemeinde. Die Auftragsbücher der Handwerksfirmen sind voll, die Grundstücke knapp. Was wir tun können, ist, den Wohnbaugesellschaften Grundstücke zur Verfügung zu stellen oder bei neuen Baugebieten einen prozentualen Anteil für sozialen Wohnungsbau festzulegen. Auf dem MTP-Gelände werden zum Beispiel auch Sozialwohnungen gebaut – und die Wohnbau GmbH Weilheim hat noch zwei, drei Ideen, wo zusätzliche Wohnanlagen entstehen könnten.

Wie ist Ihre persönliche Meinung, soll Peißenberg weiter wachsen?

Die Baugebiete, die wir bereits ausgewiesen haben, reichen meiner Ansicht nach für die nächsten Jahre aus. Zu viel Wachstum würde das Gefüge des Ortes negativ verändern und insbesondere das Vereinsleben tangieren. Wer auswärts arbeitet, hat weniger Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren und ist mit dem Ort nicht so sehr verbunden.

Irgendwie hat man den Eindruck, dass in puncto „Ortsentwicklung“ der rote Faden fehlt.

Nein, das sehe ich nicht so. Wir hangeln uns ziemlich nah am Integrierten-Städtebaulichen-Entwicklungskonzept entlang. Wir arbeiten das ISEK da ab, wo es geht – wie zum Beispiel bezüglich der Alten Bergehalde oder der Rad- und Fußgängerbrücke über die Schongauer Straße.

Wie sieht es mit dem Gewerbegebiet-Ost aus?

Wir sind mit den Planungen fast fertig. Ich hoffe, dass das Umlegungsverfahren zeitnah abgeschlossen werden kann. Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir das Gewerbegebiet unbedingt brauchen.

Mal etwas Positives: Im März eröffnet das ambulante Rehabilitationszentrum in der „Rigi-Rutsch’n“.

Ja, das wird super. Ich glaube fest daran, dass damit der Erhalt der „Rigi-Rutsch’n“ für die nächsten 20 Jahre gesichert ist. Der Gesundheitspark tut dem Ort gut. Früher hatten wir ein Krankenhaus - und jetzt die Reha.

Apropos ehemaliges Krankenhaus. Was passiert jetzt eigentlich mit dem leer stehenden Gebäude?

Da gibt´s momentan nichts Neues – zumindest nichts, was in der Öffentlichkeit spruchreif wäre.

Ein Sorgenkind ist nach wie vor das Eisstadion am Ort.

Die Eishalle gehört zu Peißenberg einfach dazu – und deshalb ist sie nicht nur die Angelegenheit des TSV, sondern auch der Gemeinde. Diese zahlt jährliche Zuschüsse von über 100 000 Euro und wird sich auch an der Finanzierung des neuen Zambonis beteiligen. Es war mir sofort klar, dass wir da helfen müssen. Zwar sind noch keine konkreten Beschlüsse getroffen worden, aber die jährliche Stadion-Zuschusspauschale an den TSV wird von 40 000 auf 50 000 Euro angehoben. Und es ist auch vollkommen klar, dass wir den TSV beim Neubau der Umkleidekabinen finanziell unterstützen müssen.

Gibt es diesbezüglich eine Schmerzgrenze?

Ja, die gibt es schon, aber hierzu äußere ich mich derzeit öffentlich nicht. Die Entscheidung über die Zuschusshöhe muss der Gemeinderat mit Blick auf unsere finanzielle Situation treffen. Mit dem Präsidium ist vereinbart, dass es den Finanzierungsbedarf für alle größeren Maßnahmen, die der TSV in den nächsten Jahren umsetzen möchte, aufzeigt. Nicht, dass alles stückchenweise daherkommt. Mir wäre es am liebsten, wenn wir dem TSV einen pauschalen Finanzierungszuschuss für diese Projekte zur Verfügung stellen könnten.

Was haben Sie sich denn für dieses Jahr ganz persönlich vorgenommen?

Ich habe Mitte Dezember mit dem Rauchen aufgehört. Ich hoffe, ich halte das durch. Und ich möchte etwas mehr Zeit mit der Familie verbringen. Ansonsten habe ich es nicht so mit Vorsätzen.

Bernhard Jepsen

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