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1500 Bäume sollen bis Ende des Monats an der Ammer bei Peißenberg gefällt werden.

Bei Peißenberg

Auch der Wald muss mal geputzt werden

Etwa 1500 Bäume werden bis Ende Februar an der Ammer bei Peißenberg gefällt. Vordringlich Eschen, die im gesamten Revier von einem Pilz befallen sind und absterben. Daneben einige Fichten sowie etwas Buche und Bergahorn, die eine nur geringe Qualität aufweisen. Damit soll das Wachstum von kräftigen zukunftsfähigen Buchen und Bergahornen, aber auch einzelner Lärchen und Kirschen gefördert werden.

Peißenberg – Fast lautlos rollt der Laufwagen heran, im Schlepptau hat er drei acht Meter lange Baumstämme. Die schwebende Last, die neben dem Bagger abgeladen wird, stammt vom gegenüberliegenden Ufer – aus dem Osterwald, den steilen bewaldeten Hängen unterhalb vom Gut Osterwald. Dort wurden in den Tagen zuvor Bäume gefällt, die jetzt auf ihren Abtransport warten. „Seilbringung 84-2-1 Osterwald“, so firmieren die Waldarbeiten, die wenige 100 Meter entfernt vom alten Ammerstüberl auf beiden Seiten des Flusses durchgeführt werden. Verantwortlich dafür sind die Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Oberammergau, Revier Böbing – in persona: Revierleiter Hans Peter Schöler.

Die Holzerer der mit den Fällarbeiten beauftragten Firma dürfen nur Bäume umlegen, die der 64-jährige Förster in dem Bestand markiert hat. Auf die Steilheit des Geländes angesprochen, sagt Schöler, der das Böbinger Revier seit 2009 leitet, nur: „Ja, da war ich ganz schön sportlich unterwegs.“ Überhaupt: Die ganze Aktion kann als sportlich bezeichnet werden. Denn die gefällten Bäume können nicht einfach mit speziellen Maschinen oder Pferden aus dem Wald geholt werden, sie müssen per Seilbahn zum Nacharbeiten an die Ammertalstraße transportiert werden.

Die Forststraße und die Steige in dem Bereich sind deshalb komplett gesperrt: „Bei den umlaufenden Seilen, den schwebenden Lasten unter dem Laufwagen und den fahrenden Maschinen ist ein Betreten der Baustelle eindeutig lebensgefährlich“, weist der Revierleiter eindringlich auf die Gefahren hin. Vom Ammerstüberl ist deshalb eine Umleitung ausgeschildert, die über die Grasberghütte wieder hinunter an die Ammer führt: „Wir bitten dringend, diese auch zu nutzen“, sagt Schöler.

Etwa alle zwei Tage muss die Umlaufbahn so um die 40 Meter weiterziehen, weil die gefällten Bäume im Umfeld abtransportiert sind und die Holzfäller im nächsten Bereich Holz geschlagen haben. Die Bahn muss deshalb mehrmals auf- und abgebaut werden. Von der auf einem speziellen Traktoranhänger stehenden „Talstation“ mit einem hohen Masten muss dazu ein dünnes Stahlseil zuerst an die Ammer geführt werden. Dort wird das Seil entweder über den Fluss geschossen oder „ein Arbeiter muss durchs Wasser“, so Schöler. Danach wird ein dickeres Seil nachgezogen. Am Gegenhang dient dann ein ausgesuchter hoher Baum als zweiter Mast und andere starke Stämme als Befestigungspunkte.

Neue Trassen durch den Wald müssen für die Seilbahn nicht geschlagen werden. Sie wurden bereits bei den letzten Arbeiten vor zehn Jahren angelegt. „So alle zehn Jahre müssen diese Maßnahmen zur Förderung bestimmter Bäume durchgeführt werden“, erläutert Schöler.

Wenn dann der Umlauf geschlossen ist, sind Zug- und Tragseil mit dem Laufwagen betriebsbereit. Der besonders ausgebildete Holzerer im Bagger direkt neben der Talstation steht mit seinem Kollegen auf der anderen Flussseite im Funkkontakt. Der gibt Bescheid, wenn wieder drei acht Meter lange Stämme zum Abtransport am Laufwagen befestigt sind. Und per Knopfdruck in der Baumaschine wird die Seilbahn in Bewegung gesetzt.

Statt einer Schaufel hängt vorne am Bagger der Arbeitskopf eines so genannten Harvesters – ein Holzvollernter. Mit dem wird einer der angelieferten Stämme fixiert, in der Luft hängend aufs richtige Maß verschoben, dann abgelängt und am Straßenrand in sogenannten Poltern, nach Längen und Sorten getrennt, abgelegt: Die schönen dickeren Stämme werden nicht gekürzt, sie gehen in die Möbelindustrie. Andere Stämme werden auf vier Meter für Brennholz geschnitten oder gehäckselt: „Material, das regional vermarktet und verheizt wird. Kurze Wege, Holz vor Ort“, sagt Schöler.

Bis Ende des Monats werden die Waldarbeiter auf einer Fläche von 9,2 Hektar, das sind etwa neun große Fußballfelder, mehr als 1000 Festmeter Holz ernten. Wegen des Schnees ruhen die Arbeiten allerdings derzeit. Im Osterwald (etwa 8,2 Hektar) dient die Abholzung vor allem der Förderung von Bäumen mit besonderer Güte – mit dem Ziel der Schaffung größerer Laubholzbestände.

Auf der anderen Flussseite ist auf etwa einem Hektar die Verkehrssicherung ein wichtiger Aspekt: In diesem Bereich stehen vom Ammerstü-berl flussaufwärts zahlreiche instabile Eschen entlang des Forstweges und am Ammerufer, die „die Besucher des Waldes wie auch die Badenden und Erholungsuchenden gefährden können“, so Schöler. Auch im Bereich der Hochspannungsleitung müssen Eschen weichen. Weil die Arbeiten mit den schweren Geräten auf der beliebten Forststraße deutliche Spuren hinterlassen, wird der Weg nach der Durchforstung wieder hergerichtet. Damit Spaziergänger, Wanderer und Radler ihre Freizeit in dem frisch geputzten Wald problemlos genießen können.

Ralf Scharnitzky

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