+
Die Muschelretter im Einsatz.

Einsatz am Milibach

Bachmuschel mit Bagger gerettet

  • schließen

In Peißenberg dauerte es lange, bis sich die Gewässer auf der „Neuen Bergehalde“ vom Bergbau erholt hatten. Im Millibach siedelte sich sogar eine seltene Muschel an. Doch sie drohte auszusterben.

Peißenberg – In Zeiten des Bergbaus war die „Neue Bergehalde“ in Peißenberg ein lebensfeindliches Biotop – schließlich wurde dort der Abraum, der beim Kohleabbau entstand, gelagert. Als die Kohleförderung dann am 31. März 1971 eingestellt wurde, begann für die „Neue Bergehalde“ eine neue Ära.

Die Natur erholte sich, das Gelände wurde renaturiert und auch die Qualität der Gewässer – es gibt dort den Kohlenweiher, den Absetzweiher und den Millibach – verbesserte sich so, dass sich wieder Tiere und andere Lebewesen ansiedelten. Nach und nach entwickelte sich die „Neue Bergehalde“ vom Abraum-Ablagerungsplatz zum Naherholungsgebiet.

Bachmuschel war ein gutes Zeichen

Als sich schließlich die Bachmuschel im Millibach ansiedelte war der Beweis erbracht, dass sich die Natur auf der „Neuen Bergehalde“ vom Bergbau erholt hatte. Die Entdeckung der mittlerweile seltenen Süßwasser-Muschelart war eine kleine Sensation, die damals sogar Wissenschaftler der TU München nach Peißenberg lockte, wie sich Georg Karl, der im Marktgemeinderat für die Bergehalde zuständig ist, erinnert.

Im Zuge der Forschungen gewannen die Wissenschaftler in Peißenberg neue Erkenntnisse über die Bachmuschel, die auch die „Kleine Flussmuschel“ genannt wird. „Hier wurde festgestellt, wie sich die Muscheln vermehren“, sagt Karl.

Trockenheit ist ein Problem

Doch in Zeiten der Klimaerwärmung drohte diesem Zeichen der Gesundung der Natur das Aus: „Der Millibach war immer wieder am Austrocknen“, sagt Karl. Das hätte bedeutet, dass die Bachmuschel und andere Wassertiere dort wieder verschwunden wären. „Wenn die Muscheln trocken liegen, sind sie in einem Sommer weg“, erklärt Karl. Unter anderem durch das Einleiten von Trinkwasser wurde zu besonders trockenen Zeiten verhindert, dass der Millibach versiegt. „Das war natürlich kein Dauerzustand“, sagt Karl.

Vom Kohlenweiher gespeist

Der Millibach wird vom Kohlenweiher gespeist, der wiederum mit dem Absetz-weiher verbunden ist, wo die im Bergwerk angefallene Asche entsorgt wurde. Nach dem Ende des Bergbaus hat sich auch dort, wo früher das Absetzbecken für die Asche war, ein Weiher gebildet. Er habe die Idee gehabt, die Abläufe der Weiher freizubaggern, damit diese bei Bedarf den Millibach mit Wasser versorgen können, sagt Karl.

Diese Idee wurde aufgegriffen und kürzlich rückte der Bagger an. Damit die Wasserversorgung für den Millibach auch in Dürrezeiten gewährleistet ist, wurden nun die Abläufe freigebaggert. „Vom ehemaligen Absetzbecken kann das Wasser nun leichter in den Kohlenweiher gelangen und von dort in den Millibach fließen“, sagt Karl.

Bergehalde-Beauftragter ist froh

Vor die Abläufe wurden noch zwei Bretter gesetzt, die nur wenige Durchlasslöcher haben. „Diese Bretter müssen dann nur noch gezogen werden, wenn es trocken wird“, sagt Karl.

Er sei erleichtert, dass für das Problem nun eine solche Lösung gefunden werden konnte: „Ich bin ganz froh, dass sich diese seltene Muschelart dort halten kann“, sagt der Beauftragte für die Bergehalde.

Lesen Sie auch: Rundblick im Liegen genießen: Besondere Bänke auf der Neuen Bergehalde in Peißenberg.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Unfall auf Bauernhof: Mann fährt mit Traktor aus Scheune und überrollt Enkelin (2)
Gegen 9 Uhr am Montagvormittag wurde die Schongauer Polizei alarmiert. Grund war ein tragischer Unfall, der sich in Peiting ereignet hat. Ein Kleinkind starb.
Tödlicher Unfall auf Bauernhof: Mann fährt mit Traktor aus Scheune und überrollt Enkelin (2)
„Das ist echt unheimlich“: Erzieherin schlägt wegen Kinder-Notbetreuung Alarm - „Gefahr“ für alle
Eine Erzieherin aus Penzberg kritisiert die derzeitigen Regelungen zur Notbetreuung in Kindergärten als gefährlich: für die Betreuer, die Kinder und die Allgemeinheit.
„Das ist echt unheimlich“: Erzieherin schlägt wegen Kinder-Notbetreuung Alarm - „Gefahr“ für alle
Garagenbrand in Polling durch Ladekabel verursacht
Zu einem Garagenbrand kam es am heutigen Dienstagmittag in Polling. Doch der Brand war gelöscht bevor die Feuerwehren eintrafen.
Garagenbrand in Polling durch Ladekabel verursacht
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: 68 Patienten wieder gesund
Die Zahl der an Coronavirus-Erkrankten im Landkreis Weilheim-Schongau steigt weiter. In diesem News-Ticker finden Sie immer alle aktuellen Informationen.
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: 68 Patienten wieder gesund

Kommentare