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Peißenberg

Auf viel Wodka folgten Fußtritte

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Wegen gefährlicher Körperverletzung wurden zwei Brüder aus Peißenberg vom Amtsgericht Weilheim zu Bewährungsstrafen von sechs und elf Monaten verurteilt. Sie waren an einer Schlägerei vor einer Kneipe in Peißenberg beteiligt.

Der Abend des 28. Oktober 2017 begann ganz friedlich in einer Kneipe in Peißenberg: Zahlreiche Gäste waren gekommen, um sich zu unterhalten und zusammen zu trinken. Später bestellte ein Gast eine Flasche Wodka, die er gemeinsam mit anderen Kneipenbesuchern leerte. Mit zunehmendem Alkoholspiegel kippte die Stimmung, es gab Sticheleien, Pöbeleien und Beleidigungen. Gegen 1 Uhr schließlich schritt der Wirt ein: Er forderte einen Gast, der besonders aggressiv wirkte, auf das Lokal zu verlassen und begleitete den Mann vor die Tür. Bei dem Versuch, den Gast wegzuschieben, fielen Wirt und Gast um.

Als der 37-jährige Gast auf dem Boden lag, habe ihm der 24-jährige Angeklagte, der die Bar inzwischen auch verlassen hatte, einen Tritt gegen den Kopf verpasst, so der Vorwurf in der Anklage. Daraufhin hätten sich weitere Gäste eingemischt und begonnen, den am Boden Liegenden mit Schlägen und Tritten zu traktieren. Wer alles auf den 37-Jährigen eintrat, ließ sich später nicht mehr ermitteln, viele Zeugen gaben aber an, den 30-jährigen Bruder des 24-jährigen Angeklagten als einen der Schlägernden erkannt zu haben. Er war in jener Nacht zweifellos unter den Gästen. Die Brüder bestritten, getreten und geschlagen zu haben

Auch der 37-jährige Peißenberger konnte keine Angaben dazu machen, wer auf ihn eingetreten- und -geschlagen hatte: „Ich habe keinen gesehen, weil ich den Kopf verdeckt habe, um mich zu schützen“, sagte der Mann bei seiner Zeugenaussage vor dem Amtsgericht Weilheim. Er habe die Tritte aber am ganzen Körper gefühlt und mindestens ein Mal einen Schuh ins Gesicht bekommen. Nach diesem Vorfall habe er starke Kopf- und Rückenschmerzen gehabt und etliche blaue Flecke erlitten. „Es hat ein bis zwei Wochen weh getan“, sagte der Zeuge. Damit ist er noch gut davongekommen. Wie die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer am Ende der Verhandlung ausführte, hätten diese Fußtritte gegen den Kopf eines wehrlos am Boden Liegenden auch tödlich enden können.

Entzündet hat sich der Streit nach Erinnerung des 24-jährigen Angeklagten daran, dass der 37-Jährige seine Schwester beleidigt hat: „Sie ist Tänzerin in einer Bar in Peißenberg und er hat sie als ,Hure’ bezeichnet.“ Das habe er zwar nicht gut gefunden, aber geschlägert habe er deswegen nicht. So ganz genau könne er sich an diesen Abend aber nicht mehr erinnern: „Ich war angeschwipst.“

Er war nicht der Einzige, der zu tief ins Glas geschaut hat in jener Nacht. Einer der Gäste sagte aus, dass er zusammen mit drei Kumpels schon drei Liter Wodka gekippt hatte, bevor er in die Kneipe kam.

Richterin Christiane Serini verurteilte den 24-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu elf Monaten Haft und seinen 30-jährigen Bruder zu sechs Monaten. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der eine Bruder eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen, der andere muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der jüngere Bruder ist strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten, der ältere wurde bereits wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis belangt.

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