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Das Foto, das das Bergwerk in Peißenberg zeigt, ist vor etwa 80 Jahren entstanden.

Zur Schließung des Bergwerks vor 50 Jahren

Aufstieg und Niedergang des Bergbaus

Fünf Jahrzehnte sind seit der Schließung der Peißenberger Grube am 31. März 1971 vergangen. Damals wurde eine für Peißenberg und Hohenpeißenberg lange Tradition beendet. Wie es zur Schließung vor 50 Jahren kam, berichtet Rudi Hochenauer.

Peißenberg/Hohenpeißenberg – Die Bergwerksverwaltung hatte im Jahr 1875 ihren Sitz vom Hauptstollen in Hohenpeißenberg ins damalige Unterpeißenberg an den Tiefstollen verlegt. Unterpeißenberg bot den Vorteil, dass es seit dem Jahr 1866 einen Bahnanschluss hatte. Die Bahn endete damals im heutigen „Peißenberg Nord“.

Die großen Kunden, die Kohle in ihren Betrieben verwendeten, befanden sich in München und Augsburg. Die Eisenbahn war nötig, um die großen Frachtmengen zu transportieren. Seit jener Zeit vergrößerte sich der Betrieb sowohl bezüglich der Kohlemengen, die abgebaut wurden, als auch bezüglich der Zahl der Mitarbeiter. Im Jahr 1912 wurde der Betrieb vom Tiefstollen in den Bereich des heutige Gewerbegebietes verlagert, der damals „Stadel“ hieß.

Es wurde dort die komplette Infrastruktur für ein Kohlebergwerk geschaffen, ein Schacht wurde abgeteuft und am 14. Oktober 1915 wurde der erste Förderwagen mit Kohle beladen aus der Tiefe von 370 Metern zutage gefördert. Die sogenannte „Hauptschachtanlage“ wuchs in den folgenden Jahrzehnten stetig. Im Jahr 1949 wurde mit über 3350 Mann die größte Beschäftigungszahl erreicht, wobei in Peißenberg über 2000 Mann beschäftigt waren, die restlichen Arbeitskräfte verteilten sich auf Hohenpeißenberg ( 450) und Peiting (700).

Kohle wurde für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg benötigt, sie war damals das Rückgrat der Energieversorgung bei Industrie, Handwerk und für den Hausbedarf. Es wurden Sonderschichten gefahren, um den Markt zu bedienen. Die Jahresförderung an Kohle lag in Peißenberg in den Jahren 1960/61 bei über 800 000 Tonnen. Im Jahre 1965 konnte sie auf 918 000 Tonnen gesteigert werden, gleichzeitig mussten 84 000 Tonnen auf Halde genommen werden.

Durch den Bau eines Kraftwerks zur Stromerzeugung versuchte man in Peißenberg, einen Teil der eigenen Kohle in Strom umzuwandeln und damit die Produktivität des Betriebes zu erhöhen. Dort, wo sich heute „MTP Präzisions-GmbH“ (ehemals Siemens) befindet, an der Ecke Schongauer/Hochreuther Straße, war eine riesige Kohlenhalde, hier wurde die nicht absetzbare Kohle zwischengelagert. Schon Mitte der 1950er Jahre wurden Verträge mit dem Allgäuer-Überlandwerk geschlossen über eine Gemeinschaftskraftanlage zur Erzeugung von Strom. Diese Anlage wurde in den folgenden Jahren immer mehr ausgebaut und vergrößert. In dem 40 MW Dampfkraftwerk (heute PKG) wurden zum Beispiel im Jahr 1968 eine Menge von 158 800 Tonnen Kesselkohle verheizt und damit über 161 Millionen Kilowattstunden im Jahr an Strom erzeugt, zudem wurde Fernwärme als Nebenprodukt erzeugt.

Das billige Erdöl wurde zum Hauptkonkurrenten der Kohle, im Jahre 1966 wurden Gruben in Hausham und Penzberg, die privaten Aktionären gehörten, geschlossen. Sie waren nicht mehr rentabel. Der BHS Standort Peiting wurde im Sommer 1968 geschlossen, ein Teil der Bergleute aus Peiting fand noch in der Peißenberger Grube Arbeit. Für das Kohlebergwerk Peißenberg (BHS Bayerische Hütten und Salzwerke), welches sich zu 100 Prozent im Besitz des Bayerischen Staates befand, kam die Entscheidung dann ein Jahr später. Am 14. November 1969 wurde verkündet, dass die Kohlegrube Peißenberg zum 31. März 1971 geschlossen wird.

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