So hat die Genossenschaftsstraße in Peißenberg  im Jahr 1925 ausgesehen. 

100 Jahre Baugenossenschaft

Aus Treffen wurde Gründungsversammlung

Vor 100 Jahren wurde am 8. September 1918 die Baugenossenschaft Peißenberg gegründet. Aus diesem Anlass gibt es am 29. September eine Jubiläumsfeier in der Tiefstollenhalle. Die Baugenossenschaft hat heute 171 Wohnungen in Peißenberg und Hohenpeißenberg.

Peißenberg/Hohenpeißenberg – Warum sich die Gründerväter um Johann Hirsch und Anton Boos vor rund 100 Jahren dazu entschlossen haben, die Baugenossenschaft Peißenberg zu gründen, ist nicht genau überliefert. „Wir wissen es nicht hundertprozentig. Es hatte wohl mit der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu tun“, sagt der heutige Vorsitzende der Baugenossenschaft, Johann Kramer.

Am Sonntag, 8. September, 1918 trafen sich mehrere Peißenberger Bürger auf Einladung des Konsum-Vereins Unterpeißenberg im Gasthaus „Zum bayerischen Löwen“ an der Bachstraße (späterer „Neuwirth“), um sich mit dem Thema „Die Wohnungsnot und die Mittel zu ihrer Beseitigung“ zu befassen. Johann Hirsch ergriff das Wort und führte aus, dass „das wirksamste Mittel zur Beseitigung der Wohnungsnot die Gründung einer lebensfähigen Baugenossenschaft auf breiter paritätischer Grundlage sei“, so das Protokoll der Versammlung.

Nach seinen Ausführungen waren die Anwesenden wild entschlossen, sofort zur Tat zu schreiten: Das Treffen wurde kurzerhand zur „Gründungs-General-Versammlung“ umfunktioniert und die Baugenossenschaft war aus der Taufe gehoben – mit Johann Hirsch als Geschäftsführer. Am 27. Februar 1919 kaufte die Genossenschaft das „Dotschenfeld“ zum Preis von 40 Mark. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde auch mit dem Bau der ersten Häuser begonnen.

Schnell folgten weitere Gebäude, die meisten der 42 Häuser mit den 171 Wohnungen entstanden zwischen 1920 und 1935. Im Jahr 1942 verschmolz die Baugenossenschaft Peißenberg mit der Baugenossenschaft Hohenpeißenberg. 1964 wurden die bislang letzten Häuser gebaut. „Unser Augenmerk liegt auf der Modernisierung“, sagt Kramer. Mittelfristig sei aber geplant, neu zu bauen. Die Grundstücke dazu gebe es bereits.

Obwohl die Wohnungen relativ klein sind – sie sind zwischen 50 und 55 Quadratmetern groß – sind sie begehrt. „Unsere Warteliste ist lang, Mitglieder warten zwischen fünf und zehn Jahren auf eine Wohnung“, sagt Kramer. Noch heute ist der erste Schritt zu einer Bleibe bei der Baugenossenschaft die Mitgliedschaft. Die Mieter in Peißenberg und Hohenpeißenberg schätzen ihre Wohnungen, weil sie günstig sind, weil sie lebenslanges Wohnrecht haben, weil es viel Platz um die Häuser gibt, und weil sie relativ frei in der Gestaltung der Räume sind. Eine Mieterin lebt seit 70 Jahren in einer Wohnung der Baugenossenschaft in Peißenberg.

Dass die Peißenberger Baugenossenschaft 100-jähriges Bestehen feiern kann, liegt an den Menschen, die all die Jahre bereit waren, sich für das genossenschaftliche Wohnen einzusetzen, davon ist Kramer überzeugt. Bis er vor vier Jahren angestellt wurde, wurde die ganze Verwaltung ehrenamtlich geregelt. Noch heute übernehmen die Mieter viele Arbeiten, die anfallen selber. „Dass wir irgendwie in einer Gemeinschaft leben, macht es schon wohnenswert“, sagt Kramer.

Das Jubiläum

wird am 29. September ab 12 Uhr in der Tiefstollenhalle gefeiert, ab 15 Uhr ist die Öffentlichkeit eingeladen.

Kathrin Hauser

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