So könnte es im Barbarahof einmal aussehen, wenn das Konzept der Architekten realisiert ist.
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So könnte es im Barbarahof einmal aussehen, wenn das Konzept der Architekten realisiert ist.

Konzept in Peißenberg vorgestellt

Barbarahof wird „innovativ und nachhaltig“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Eine harmonische Verbindung von alter und neuer Bausubstanz, wobei sich die neuen Wohnkomplexe zurückhaltend in das Gesamtensemble einfügen: So beschreiben die beauftragten Architekten ihre Pläne für die Nachverdichtung des Barbarahofs. Bei einem Infoabend mit Anliegern und Mietern wurde die Konzeption vorgestellt.

Peißenberg – Die geplante Nachverdichtung des Barbarahofs ist eine sensible Angelegenheit. Das 1951 errichtete Wohnquartier ist ein Relikt aus früheren Bergwerkszeiten und entfaltet bei seinen Bewohnern eine hohe Identifikationswirkung. Dementsprechend legte sich die „Wohnbau Weilheim“ bei ihrem Infoabend mächtig ins Zeug.

Ein professioneller Moderator führte durch die Veranstaltung, die pandemiebedingt in zwei Runden mit Anliegern und Mietern aufgeteilt wurde. Auch Andrea Jochner-Weiß (CSU) gab sich die Ehre – „obwohl ich sonst bei solchen Versammlungen nicht anwesend bin“, wie die Landrätin einräumte. Doch im Vorfeld war von Anliegern gegenüber dem Landratsamt auf die schwierige Parkplatzsituation aufmerksam gemacht worden: „Da will ich mich nicht aus der Verantwortung nehmen“, so Jochner-Weiß.

Bauanträge für drei neue Wohnkomplexe eingereicht

Als die Nachverdichtungspläne der „Wohnbau Weilheim“ vor ein paar Jahren publik geworden waren, gab es noch ordentlich Gegenwind. Unter Regie von Altbürgermeister Hermann Schnitzer wurde die Initiative „Pro Barbarahof“ gegründet, die auf den Erhalt des historischen Charakters der ehemaligen Bergarbeitersiedlung mit ihren Gartenflächen pochte und den Denkmalschutz auf den Plan rief. Doch inzwischen haben sich die Wogen geglättet – auch weil die „Wohnbau“ längst von der ursprünglich angedachten „Maximalverdichtung“ mit vier Häusern abgewichen ist. Nachdem die Denkmalschutzbehörde gerichtlich eingebremst wurde, ist das Genehmigungsverfahren nun angelaufen. Im Peißenberger Rathaus wurde vor ein paar Tagen der Bauantrag für die drei neuen Wohnkomplexe eingereicht. Mitte Oktober wird sich der Bauausschuss mit der Planung beschäftigen.

Viele Nachfragen bei Infoabend zum Barbarahof

Beim Infoabend gab es viele Nachfragen, schwerwiegende Bedenken wurden aber nicht vorgetragen. Bereits die Runde mit den Mietern ist laut Wohnbau-Geschäftsführer Markus Kleinen „erstaunlich gut gelaufen“. Auch die Diskussion mit den Anliegern wurde betont sachlich und moderat geführt. Die Notwendigkeit des Projekts wird schon lange nicht mehr in Frage gestellt. Bürgermeister Frank Zellner (CSU) sprach von einem „innovativen Konzept“, das die Gemeinde „sehr unterstützt“. Derzeit liegen im Rathaus 240 Anfragen für geförderte Wohnungen in der Schublade. Die Nachfrage kann derzeit nicht bedient werden. „Bezahlbarer Wohnraum ist gesuchter und wichtiger denn je. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, so einen Grund nicht zu nutzen – auch wenn er wunderbar ist“, konstatierte Jochner-Weiß zum Nachverdichtungs-Projekt.

Barbarahof: Baustart ist für Sommer 2021 vorgesehen

Der Baustart im Barbarahof ist auf Sommer 2021 terminiert. Bis Herbst 2022 sollen dann zusätzlich zu den 67 Bestandswohnungen drei weitere Wohnkomplexe mit 30 barrierefreien Wohnungen hochgezogen werden – und zwar in nachhaltiger Holzständerbauweise. Weil viele Bauteile vorgefertigt werden, erwarten die Planer im Vergleich zu einem Massivbau einen schonenderen und weniger lärmintensiven Bauablauf. Das architektonische Konzept: Eine harmonische Symbiose zwischen den Bestands- und Neubauten. Letztere sollen sich laut Architekt Hannes Rössler durch das verwendete Baumaterial „auf die Holzlegen beziehen“ und sich ins Gesamtensemble „zurückhaltend einfügen“. Herzstück des Barbarahofs soll eine „gemeinschaftliche grüne Mitte“ mit naturnahem Spielplatz werden. Die Parzellen im bestehenden Holzlegenhof werden den Mietern gekündigt. Dort sollen laut Kleinen unter anderem eine „gemeinschaftliche Nutzung als Kommunikationszone“ und eine „Mobilitätsstation“ für normale Fahrräder, aber auch Lastenfahrräder, E-Bikes und Scooter entstehen.

Pläne für Barbarahof: Sorgen bei Anliegern wegen Verkehr

Das Mobilitätskonzept spielt in den Plänen eine wesentliche Rolle. Ziel ist es, den Autoverkehr einzudämmen und die Seitenstraßen wie die Gümbel- und vor allem die Loristraße zu entlasten. Bei den dortigen Anliegern ist die Sorge groß, dass der ohnehin schon hohe Parkverkehr durch die 30 zusätzlichen Wohnungen weiter zunimmt und das Nadelöhr noch weiter verstopft wird – vor allem dann, wenn die geplanten Stellplätze von den Barbarahofbewohnern aus Kostengründen nicht gemietet werden sollten. Doch davon geht man von Seiten der „Wohnbau“ nicht aus. Insgesamt sind 60 oberirdische Parkplätze geplant, die in mehreren Einheiten auf dem Barbarahofgelände verteilt werden. Die Regelung der gemeindlichen Stellplatzsatzung ist damit erfüllt.

Auch verwies Kleinen darauf, dass nicht jeder Mieter ein Auto besitzen würde und nach den Erfahrungen der „Wohnbau“ bereits 45 Stellplätze ausreichen müssten. „Da gibt es aber auch andere Meinungen“, räumte der „Wohnbau“-Chef ein. Der Autoverkehr soll im Barbarahof generell eine untergeordnete Rolle spielen und über ein Einbahnstraßensystem geleitet werden. Auch Car-Sharing ist angedacht: „Es soll kein Parkhof werden, sondern ein grüner Hof bleiben“, erklärte Rössler beim Infoabend. Zusätzlich zum Mobilitätskonzept müsse sich die Gemeinde überlegen, wie sie den Verkehr auf den Seitenstraßen künftig regeln wolle. Laut Bürgermeister Zellner gibt es bereits mehrere „Ideen für Verbesserungen“, unter anderem sei die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone in der Loristraße im Gespräch.

Und wer soll in die neuen Wohnungen im Herbst 2022 einziehen? „Das Siedlungskonzept zielt auf ein gemischtes Publikum ab“, erklärte Rössler. Konkret heißt das: Es wird einen breiten Mix an Wohnungsgrößen geben. Zudem soll sich die Vergabe an drei Einkommensstufen orientieren.

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