Der verirrte E-Biker in Peißenberg an der Ammer
+
Peter Boeckendorf musste sich an der Ammer bei Böbing (im Bild ist die Ammer bei Peißenberg zu sehen) mit seinem E-Bike durch dichtes Gestrüpp schlagen.

Der Weg wurde immer schlechter

Mann verirrt sich auf E-Bike-Tour an Ammer - Beamter zieht sich aus und springt in Fluss

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
    schließen

Eigentlich wollte Peter Boeckendorf aus Peißenberg nur eine gemütliche Runde mit seinem E-Mountainbike fahren. Doch die Tour endete mit einer Rettungsaktion durch die Ammer.

Böbing/Peißenberg – Gegen 17 Uhr wollte sich der Peißenberger Peter Boeckendorf auf eine „gemütliche Fahrradtour begeben“, wie er erzählt. Von Peißenberg aus sollte es über Peiting und Rottenbuch wieder zurückgehen. Da er von Rottenbuch nach Peißenberg nicht über die normale Straße fahren wollte, hat Boeckendorf über die Wander- und Fahrradapp „Komoot“ einen Weg gesucht – und gefunden. „Aber zum Ende hin wurde der Weg immer schlechter.“

Verirrt mit dem E-Bike: Nach 15 Minuten kam der Radler an die Ammer

Die Schongauer Polizei konnte Peter Boeckendorf an der Ammer rund 400 Meter nördlich von Gut Osterwald bei Böbing retten.

Noch dachte sich Boeckendorf nichts dabei, denn schlechte Wege gibt es ja immer wieder mal und es gab kein Schild, das darauf hinwies, der Weg dürfe nicht befahren werden. Erst als er an einen Erdrutsch kam, merkte Boeckendorf, dass es nicht mehr weitergeht. „Ich habe aber dann Fußspuren gesehen und dachte, es gibt einen Weg außenrum, wie das oft der Fall ist, wenn ein Hindernis im Weg ist.“

Boeckendorf machte sich deshalb weiter auf den Weg – immer am Hang entlang, bis er nach rund 15 Minuten an der Ammer war. „Im Nachhinein weiß ich, dass mit dieser Entscheidung mein kleines Drama begann. Aber nachher ist man bekanntlich immer klüger“, so der 60-Jährige.

Freilich hat Boeckendorf versucht, den Hang wieder hochzukommen, als er merkte, dass er sich durch dichtes Gestrüpp schlagen und Äste von seinem Gesicht fernhalten muss, um voran zu kommen. „Aber ich bin nicht mehr hochgekommen, weil der Hang sehr matschig war. Mir rutschte förmlich der Boden unter den Füßen weg.“

E-Biker verirrt sich an der Ammer: Mit nur zehn Prozent Akku verständigte er die Polizei

Also ging er am Ufer der Ammer weiter – mittlerweile ohne sein Fahrrad. „Ich habe den Akku abgeschraubt und habe es stehen lassen“, erzählt Boeckendorf. Denn mit dem E-Bike im Gepäck wäre er gar nicht weiter gekommen. Inzwischen war es 20 Uhr und es wurde immer dunkler. Zur Sicherheit rief er eine Freundin an und schilderte ihr seine Situation. „Ich bat sie, die Polizei anzurufen, wenn ich mich bis 24 Uhr nicht bei ihr melde.“

Doch eigentlich wollte Boeckendorf nicht gerettet werden. Zwar war ihm bewusst, dass es noch etwas dauern wird, bis er wieder einen festen Weg erreicht, „aber ich dachte mir, ,ich schaff’ das schon‘“. Gegen 22 Uhr bemerkte Boeckendorf, dass sein Handy nur noch zehn Prozent Akku hatte. Also entschied er sich dazu, die Polizei zu informieren, dass um 24 Uhr eventuell die Freundin anrufen würde, die ihn vermisst meldet. „Der Polizist vom Notruf gab mir zu verstehen, dass ich mich nicht von der Stelle rühren sollte“, erzählt der Peißenberger. Der Beamte schickte ihm eine Ortungs-SMS und informierte die Polizisten aus Schongau, in deren Gebiet die Rettungsaktion fiel.

Nach circa 20 Minuten traf die Streife ein – Boeckendorf befand sich rund 400 Meter nördlich von Gut Osterwald bei Böbing, wie die Polizei berichtet. Doch wie kommt Boeckendorf ans andere Ufer zu den Beamten, außer durch die eiskalte Ammer? „Wir überlegten eine ganze Zeit lang hin und her, was denn die beste Möglichkeit ist und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass ich irgendwie über die Ammer muss.“

Rettungsaktion: Polizist entledigte sich seiner Dienstuniform und sprang in die Ammer

Dass der Polizist, der mit seiner Kollegin vor Ort war, dann so beherzt eingreifen würde, hätte Boeckendorf nicht gedacht. Denn der Beamte entledigte sich seiner Dienstuniform – „damit er nicht mit einer nassen Hose den restlichen Dienst verbringen muss“, wie Boeckendorf vermutet, – und sprang in die Ammer.

„In der Mitte trafen wir uns dann und stützten uns gegenseitig“, sagt Boeckendorf. Am Ende ging alles gut aus und sie erreichten das andere Ufer. Die beiden Polizisten fuhren den Peißenberger schließlich gegen 23 Uhr nach Hause. „Ich bin den beiden Beamten wirklich sehr dankbar. Sie haben mir wirklich mit äußerstem Einsatz geholfen“, sagt Boeckendorf.

Doch die Überanstrengung machte sich bei ihm ziemlich schnell bemerkbar: „In der Nacht konnte ich kaum schlafen.“ Dazu kam, dass ihn eine Frage weiterhin beschäftigte: Wie bekommt er sein E-Mountainbike zurück? Ganz einfach: Boeckendorf holte es am darauffolgenden Tag mit dem Auto ab – wieder durch die Ammer.

Dass sich Wanderer oder Radler im Gelände verfahren oder versteigen, kommt immer wieder vor. So zum Beispiel in der Jachenau.

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare