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Die Mitglieder des neuen BDM-Kreisvorstands wollen weiter für einen fairen Milchpreis kämpfen, rechts sitzt Bernhard Heger. 

BDM-Kreisversammlung

Droht bäuerlicher Landwirtschaft das Ende?

Peißenberg - Der  „Bund deutscher Milchviehhalter“ gibt bei der Kreisversammlung eine düstere Prognose für die Landwirtschaft ab. 200 Bauern wählten zudem den Vorstand.

 Die bäuerliche Landwirtschaft könnte bald der Vergangenheit angehören, wenn es so weiter geht wie bisher. Das war der Tenor der Vorträge von Milchviehhaltern aus dem Alpenvorland und von der Küste, die auf der Kreisversammlung des „Bund deutscher Milchviehhalter“ (BDM) gehalten wurden. Zu der waren am Montag knapp 200 Bauern in den Gasthof „Zur Post“ gekommen.

Peter Habbena ist Landwirt in Ostfriesland, sein Hof ist in Krummhörn, 15 Kilometer südlich der Gemeinde Norden. Als Gastredner informierte er seine südlichen Kollegen über die Lage in Niedersachsen. Habbena hat 1993 den Hof seiner Tante mit 17 Kühen übernommen, heute bewirtschaftet er mit seinem Bruder zusammen drei Höfe mit zusammen 204 Hektar Fläche. Mit 217 Milchkühen und insgesamt 371 Kopf Vieh gehört der Familienbetrieb nicht zu den großen in der Region.

Auch wenn die Größenordnungen anders sind, die Probleme mit dem Preisverfall sind laut Habbena die gleichen wie in Oberbayern. Für ein Stück Jungvieh bekomme er nicht mehr 1450 Euro im Schnitt, sondern nur noch gut 1000 Euro. Schlimmer noch sei aber der sinkenden Milchpreis. Über 40 Cent würden die Vollkosten für die Produktion von einem Kilogramm Milch ausmachen, nach dem Ende der Quotierung sei der Preis von 39 Cent auf 23 Cent gefallen. Bei 8500 Kilogramm Stalldurchschnitt bedeute dies Mindereinnahmen von mehr als einer Viertel Million Euro pro Jahr. Es gehe also an die Substanz.

Noch ein Problem macht der Ostfriese aus: Leute und Einrichtungen mit viel Geld - darunter auch die Kirche - kauften zahlungsunfähigen Bauern ihre Höfe ab und würden sie dann - meist über 30 Jahre – zurückverpachten. So würden die Bauern das Geld, das sie bekommen haben, als Pacht zurückzahlen – und der Hof sei weg. Langfristig wird die Landwirtschaft laut Habbena so aussehen: Der reiche Eigentümer wohnt in der Stadt, auf dem Hof arbeiten ein Geschäftsführer und viele Arbeiter. Ende der bäuerlichen Landwirtschaft.

Auch Bernhard Heger, der zehn Jahre lang Vorsitzender des BDM-Kreisverband Weilheim-Schongau war, sieht das so. Die Zahl der Milchviehhalter habe in dieser Zeit im Landkreis von 1260 auf 929 abgenommen, und diese Entwicklung gehe weiter, sagte er. Dies bedeute langfristig nicht nur das Ende der bäuerlichen Landwirtschaft, sondern entziehe – zusammen mit dem sinkenden Milchpreis – der Region viel Kaufkraft.

Aufgeben wollen aber er und seine Kollegen nicht. Sie wählten 21 Bauern in den Vorstand. Die meisten wurden bestätigt, einzig Hartmut Ebentheuer und Moritz Sappl kandidierten nicht mehr. Heger bleibt als Vorstandsmitglied erhalten, wird aber nicht wieder Vorsitzender werden. Wie die Aufgaben verteilt werden, will der neue Vorstand in seiner ersten Sitzung regeln.

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