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Der Berghof ist und bleibt die Heimat von Christa Probst, ihrem Sohn Anil Shrestha-Probst (beide sitzend) und den Mitarbeitern der „CP Organisationsberatung“. 

Ungewöhnlicher Fall für Bauausschuss

Anwesen mit Traum-Aussicht: Investorin reicht Pläne ein - Besitzerin will gar nicht verkaufen

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Kurioser Vorfall um ein Anwesen in Peißenberg: Eine Investorin fragte bei der Gemeinde wegen einer Nutzungsänderung an - obwohl der Hof gar nicht verkauft werden sollte.

Peißenberg – 2010 ist Christa Probst quasi ins kalte Wasser gesprungen, als sie den Berghof am östlichen Guggenbergrücken gekauft hat. Das Einzige, was damals bereits traumhaft schön war, das war der Panoramablick in die Alpenkette. Das 4,5 Hektar große Grundstück selbst war zugewuchert und der zentrale Gebäudekomplex nach dem Auszug des Behindertenheims in baulich marodem Zustand, von den Nebengebäuden ganz zu schweigen.

Doch Probst, eine umtriebige und erfolgreiche Geschäftsfrau, fing an, den Berghof zu sanieren. Sie verlagerte den Firmensitz ihrer „CP Organisationsberatungs-GmbH“, ein Outsourcing- und Innovationsunternehmen für kaufmännische Verwaltungstätigkeiten, auf den Berghof. Sie gestaltete die Außenanlagen neu und renovierte Stück für Stück die alte Bausubstanz – und zwar so, dass der alte Charme erhalten blieb.

Berghof in Peißenberg: Besitzerin will gar nicht verkaufen

Probst funktionierte zudem das Wirtschafts- und Scheunengebäude in eine Seminar- und Veranstaltungslocation um. Dort laden externe Firmen inzwischen zu Fachseminaren, Tagungen und Fortbildungen ein. Auch als Kulisse für Hochzeiten bietet sich der Berghof an. „Der Berghof ist ein Lotto-Gewinn für mich. Er ist mein größtes Erfolgserlebnis und ich bin unheimlich stolz auf ihn. Ich war aber auch mutig und habe viel Arbeit reingesteckt“, schwärmt Probst. Aber wie passt es da zusammen, dass im Bauausschuss ein Antrag auf Nutzungsänderung für den Berghof eingereicht wurde? Will Probst ihr „Paradies“ etwa verkaufen? Nein, will sie nicht. Vor ein paar Monaten hatte sie lediglich einmal vorsichtige Überlegungen angestellt, das Seminarhaus zu veräußern. Es dauerte auch nicht lange, bis eine Interessentin am Berghof vorstellig wurde. Doch die Starnberger Investorin wollte alles im Paket kaufen, also auch das renovierte Wirtschaftsgebäude und das Haupthaus. „Für mich ging es aber nie um den gesamten Berghof“, stellt Probst klar.

Hier geht es um ein Bauvorhaben in einem denkmalgeschützten Ensemble: Barbarahof in Peißenberg: Nach heftiger Kritik wird jetzt doch gebaut

Warum die Investorin nun einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt hat, weiß Probst nicht. Rein rechtlich können auch Nicht-Eigentümer bei den Behörden um Vorbescheidsauskunft bitten, doch inhaltlich fiel der Antrag im Bauausschuss glatt durch. Das Hauptgebäude des Berghofs sollte nach der vorgelegten Planung in drei bis fünf Wohneinheiten umgewandelt werden und das Wirtschaftsgebäude als Sitz einer Stiftung mit Büro und Küche dienen. Anstelle des Seminarhauses wollte die Investorin drei Wohneinheiten für Mitarbeiter und als Ersatz für die oberirdische Parkfläche eine Tiefgarage errichten lassen. Baurechtlich, das war der eindeutige Tenor im Ausschuss, wäre die vorgelegte Konzeption nicht genehmigungsfähig gewesen.

Den Berghof bei Peißenberg „als Einheit zusammenhalten“

Grund: Der Berghof liegt im planerischen Außenbereich. Die „massive Wohnnutzung“, so hieß es im Ausschuss, würde zur Entstehung einer Splittersiedlung führen. Genau das sei aber am Berghof nicht gewollt. Schon Probst musste bei ihren Umbauten im Peißenberger Rathaus und im Landratsamt Überzeugungsarbeit zu leisten: „Ich bin den zuständigen Stellen sehr dankbar, dass ich die Genehmigungen letztlich bekommen habe. Was lange währt, wird endlich gut.“ Ein Verkauf des Seminarhauses ist für Probst übrigens kein Thema mehr. „Ich habe gemerkt, wie begehrt der Berghof jetzt nach der Sanierung ist“, sagt sie: „Aber um den Wert zu sichern, muss man ihn als Einheit zusammenhalten.“

Das Kapital, um in den Berghof investieren zu können, hat Christa Probst durch ihre „CP Organisationsberatung“ erwirtschaftet. Die Firma, die ihren Personalnachwuchs (Kaufleute im Büromanagement) zum Teil selber ausbildet, ist auf Reisekostenabrechnungen sowie Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung spezialisiert. Das zweite Standbein ist die „CP Location“, die die komplette Infrastruktur für Tagesseminare (30 bis 35 Personen) anbietet. Und dann gibt es da noch die gemeinnützige „CP Kunst- und Kulturstiftung“, die einheimische und internationale Künstler unterstützt sowie einen Beitrag zur Heimat- und Brauchtumspflege leisten möchte. Auch im Naturschutz ist die Stiftung aktiv. Erst kürzlich wurde eine 1,5 Hektar große Waldfläche gekauft, um selbige naturbelassen erhalten zu können.

jep

Ebenfalls interessant aus der Region: Grünen-Chef Robert Habeck sprach am Montagabend in einem Bierzelt in Peißenberg. Es kam zu einer Gegendemo.

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