Heftige Unwetter wüten in Bayern: Mehrere Orte unter Wasser - dramatische Rettungsaktion für weggespülte Autofahrer

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Rund 200 Kajakfahrer zählte Naturschutzwächter Werner Schubert im Laufe des vergangenen Wochenendes auf der Ammer. Viele Wassersportler nutzten die guten Bedingungen für eine Tour. 

Trotz strenger Regeln

Enormer Kajak-Andrang auf der Ammer

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Der viele Regen der vergangenen Wochen hat auch sein Gutes. Nicht nur die Natur freut sich über das kühle Nass. Auch für Kanusportler bieten sich auf der Ammer derzeit beste Bedingungen. Am vergangenen Wochenende herrschte deshalb Hochbetrieb auf dem Wildfluss. Doch für die Befahrung gelten strenge Regeln.

Rottenbuch/Peißenberg – Werner Schubert bringt so leicht nichts aus der Ruhe, doch in diesem Fall ist selbst der langjährige Naturschutzwächter baff. „So etwas habe ich hier die letzten zehn Jahre nicht erlebt“, sagt der Böbinger. Über 200 Kanuten zählte Schubert am vergangenen Wochenende auf der Ammer. Aus ganz Bayern und sogar dem benachbarten Österreich und Italien waren die Sportler angereist, um den Wildfluss zu befahren.

Wer einmal selbst die Ammer mit dem Kanu oder Kajak erlebt hat, kann die Faszination freilich nur zu gut verstehen, die der Gebirgsfluss ausübt. Schließlich ist das Ammertal mit den angrenzenden Schluchtwäldern, Mooren und Streuwiesen einmalig in Bayern. Auf dem Weg bieten sich den Sportlern zahlreiche Highlights wie der Felsdurchbruch Scheibum oder die Schleierfälle.

Genug Wasser dank lang anhaltender Regenfälle

Dass sich am vergangenen Wochenende so viele Sportler in die Fluten stürzten, hängt laut Schubert mit den perfekten Bedingungen zusammen, die derzeit herrschen. Dank der lang anhaltenden Regenfälle der vergangenen Wochen führt die Ammer genug Wasser, der Pegel lag die letzten Tage immer zwischen 75 und 100 Zentimetern. Kein Vergleich zu den Vorjahren. „Da war’s so trocken, da hat man fast nie fahren können“, erinnert sich Schubert. Und auch die Corona-Krise dürfte den Andrang befeuert haben, vermutet der Naturschutzwächter. „Die Leute wollen raus, viele machen Urlaub in der Heimat. Und die Ammer ist nun mal ein Highlight im Oberland.“

Naturschutzwächter stellt Pegeltafeln auf grün

Entscheidend für eine Freigabe ist der Mindestabfluss bei Peißenberg, der zuletzt deutlich über der Grenze von sechs Kubikmeter pro Sekunde lag. Nur wenn diese Bedingung erfüllt ist, setzt Schubert die Pegeltafeln an der Einsetzstelle an der Ammermühle in Rottenbuch und am Ausstieg an der Böbinger Brücke in Peißenberg auf grün. In Saulgrub, wo bei Kammerl die Reise der erfahreneren Kajakfahrer beginnt, erledigt das ein Kollege des Naturschutzwächters.

Das Betreten von Kiesbänken ist tabu

Am Samstag und Sonntag warteten die Kajakfahrer schon ungeduldig auf Schuberts Startsignal, erst ab 9 Uhr dürfen die Boote auf die Ammer, bis 17.30 Uhr muss die Reise beendet sein. Es ist nur eine der Regeln, an die sich die Sportler bei der Befahrung des Wildflusses halten müssen. Seit 1995 gilt die sogenannte Ammerverordnung, um die sensiblen Fisch- und Vogelarten zu schützen, die entlang des Wildflusses leben. „Bis es soweit war, hat es zehn Jahre gedauert“, erinnert sich Schubert an die damals zähen Verhandlungen. Seitdem darf die Ammer nur noch vom 1. Mai bis 15. Oktober befahren werden, das Betreten von Kiesbänken und Schlauchboottouren sind ebenso tabu wie gewerbliche Fahrten. „Früher hatten wir teils 400 Kanuten an den Wochenenden auf dem Fluss“, sagt der Naturschutzwächter, der seit 25 Jahren über die Einhaltung der Regeln wacht.

Freizeitsportler halten sich an die Regeln

Viel zu beanstanden hat Schubert nicht. „Das funktioniert gut, die meisten halten sich daran.“ Das bestätigt man auch im Landratsamt. „Seit dem Erlass der Verordnung verläuft die Nutzung der Ammer mit dem Kajak in geregelten Bahnen“, teilt die Behörde auf Anfrage mit. In der Vergangenheit habe es nur geringe Verstöße gegeben. So werde schonmal gefahren, wenn es der Wasserstand eigentlich nicht erlaube, entweder weil er zu niedrig sei oder Gefahr wegen Hochwasser bestehe. Das sei nicht zu unterschätzen, weiß auch der Naturschutzwächter. Ein Wildfluss bleibe eben ein Wildfluss. „Es hat schon einige Tote gegeben.“

Die Ammerverordnung hat längst Vorbildcharakter, andere Landkreise folgten zuletzt dem Beispiel. An der Isar etwa gelten seit kurzem ebenfalls deutlich strengere Regeln für Bootsfahrer, um die empfindliche Natur zu schützen. Über sie wird auch Schubert an der Ammer weiter aufmerksam wachen. Am Wochenende hat er an den parkenden Autos die Broschüre des Kanu-Verbands mit den geltenden Regeln für die Wassersportler verteilt. Sicher ist sicher.

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