Die schnellen Retter von „Aerotech“: (v.l.) Lutz Teschner, Albert Schmid, Leiter Christian Martin und Stellvertreter Markus Mayr, Christian Kern, Franz Niggl und Marc Ehinger. Nicht im Bild ist Roswitha Neuner. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie.
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Die schnellen Retter von „Aerotech“: (v.l.) Lutz Teschner, Albert Schmid, Leiter Christian Martin und Stellvertreter Markus Mayr, Christian Kern, Franz Niggl und Marc Ehinger. Nicht im Bild ist Roswitha Neuner. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie.

Schnelle Hilfe in Peißenberg

Betriebs-Sanis mit „100 Prozent Einsatzquote“

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Viele „Helfer vor Ort“-Gruppen haben tagsüber Probleme, den Dienst aufrecht zu erhalten. Anders ist das in Peißenberg: Dort hat „Aerotech“ acht „First Responder“, die im Notfall an ihrem Arbeitsplatz alles Stehen und Liegen lassen dürfen. 2020 kam das 153 Mal vor.

Peißenberg – Wenn’s im Ort einen Notfall gibt, dann lassen Mitarbeiter in der Peißenberger Firma „Aerotech“ alles stehen und liegen, laufen zur Umkleide, schlüpfen in ihr Rettungsoutfit und eilen los. „Innerhalb von zwei Minuten sitzen wir angezogen im Einsatzfahrzeug“, sagt Christian Martin, Leiter der „First Responder“ des Betriebs. Von Montag bis Freitag sind sie zwischen 7 und 19 Uhr bereit, wenn jemand Hilfe braucht. Nicht nur in der Firma, sondern in ganz Peißenberg und Umgebung. Im vergangenen Jahr rückte die Gruppe 153 Mal aus.

Die Alarmierung erfolgt wie bei den anderen „Helfer vor Ort“-Gruppen im Landkreis über die Notrufzentrale. Und wenn der Piepser geht, macht sich immer jemand auf den Weg. „Wir haben 100 Prozent Einsatzquote“, sagt Martin, der die Gruppe einst ins Leben gerufen hatte. Zwar gab es 2020 eine weitere Alarmierung – da war das Auto aber eigentlich wegen eines Defekts abgemeldet.

Gemeinsam mit den Johannitern, die in Peißenberg nachts und an Feiertagen als „Helfer vor Ort“ ausrücken, leisten die „Aerotech“-Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung. Denn in anderen Orten gibt’s tagsüber häufig Probleme – die Ehrenamtlichen sind dann in der Arbeit, können nicht schnell ausrücken. Patienten müssen also warten, bis ein Rettungswagen oder Notarzt eintrifft – die mancherorts längere Anfahrten haben. Weil der Peißenberger Betrieb aber zustimmte, dass sich Mitarbeiter zu „First Respondern“ ausbilden lassen, ist die Marktgemeinde rund um die Uhr gut mit Ersthelfern versorgt. „Unser Arbeitgeber steht voll hinter uns“, sagt Martin, der im Service arbeitet.

Neben ihm gehören sechs weitere Männer und eine Frau, angestellt querbeet durch die Abteilungen, zum Team. Damit immer jemand verfügbar ist, hat die Gruppe einen Dienstplan: Die Frühschicht geht bis 14 Uhr, danach übernimmt ein anderer die Spätschicht. „Im besten Fall sind immer zwei Kollegen da, die zusammen ausrücken“, sagt Martin.

Denn die „First Responder“ sind als Erste beim Patienten, überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungswagen und Notarzt mit professioneller erster Hilfe. Sie alle sind Betriebssanitäter mit „First Responder“-Ausbildung. Leiter und Initiator Martin sowie sein Stellvertreter Markus Mayr fahren ehrenamtlich zusätzlich Rettungswagen. Alle acht werden regelmäßig geschult. „Wir halten uns an den Ausbildungskatalog des Bayerischen Roten Kreuzes, mit dem wir zusammenarbeiten“, sagt Martin.

Die Bandbreite der Einsätze ist groß: Verkehrsunfälle und Leiterstürze kommen ebenso vor wie Erkrankungen. Auch reanimieren mussten die Betriebssanitäter bereits. Um dafür gut gewappnet zu sein, sponserte der Arbeitgeber 2020 einen handlichen Defibrillator. „Damit können wir noch besser Hilfe leisten“, sagt Martin. Die häufigsten Gründen für die Alarmierungen waren 2020 internistische Notfälle: 86 Mal eilten die Helfer zu Erkrankten, unter anderem wegen Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Die meisten Einsätze finden in Peißenberg statt. Doch die „First Responder“ fahren auch weitere Strecken, wenn irgendwo im Umkreis Not am Mann ist – nach Oberhausen, Huglfing oder Wessobrunn zum Beispiel. „Wir haben uns auch schon nach Peiting verirrt, weil die dortigen Helfer einen Einsatz in Hohenpeißenberg hatten“, berichtet Martin.

Der legt Wert darauf, dass die Gruppe zu den Dienstzeiten wirklich immer einsatzbereit ist. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Und so steht das Dienstfahrzeug, ein BMW, dann auch mal nicht auf dem „Aerotech“-Gelände, sondern vor der Wohnungstür des Peißenbergers: „Wenn ein Engpass ist, besetze ich das Fahrzeug auch, wenn ich frei habe.“

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