Justitia vor blauem Himmel
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Ein 22-Jähriger musste sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Amtsgericht Weilheim

Betrügerische Taxifahrt

Er wollte mit dem Taxi von Peißenberg nach Huglfing fahren, hatte aber kein Geld dabei. Wegen Betrugs musste sich nun ein 22-Jähriger vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten.

  • Ohne Geld in der Tasche fuhr ein Pärchen von Peißenberg nach Huglfing
  • Dort versuchte der Mann noch Geld abzuheben, was misslang. Beide flüchteten.
  • Nun stand der junge Mann vor dem Amtsgericht Weilheim

Peißenberg – „Ich bin jetzt noch sauer“, sagte die Taxifahrerin vor Gericht. Ihr ging es nicht nur um die nicht bezahlte Fahrt im Wert von knapp 70 Euro. „Es tut mir weh, dass ich so blöd behandelt wurde“, erklärte sie.

Sie hatte Nachtschicht gehabt im August letzten Jahres. In der Schongauer Zentrale erhielt sie per unterdrückter Nummer den Auftrag, nach Peißenberg zu kommen. „Ich habe erst überlegt, ob ich fahren sollte, da man die Nummer ja nicht hätte zurückverfolgen können“, erklärte die Taxifahrerin. Denn die Anfahrt von Schongau nach Peißenberg wurde natürlich auch mit berechnet, dementsprechend hoch war die spätere Rechnung.

Aber an dem Tag regnete es stark, und die Taxifahrerin machte sich pflichtbewusst auf den Weg. In Peißenberg gabelte sie ein Pärchen auf, das nach ihren Angaben deutlich alkoholisiert ins Taxi stieg. Das Paar wollte nach Huglfing.

Der junge Mann habe sie am Zielort gebeten, an einem Bankautomaten zu halten, sagte die Taxifahrerin. „Ich wollte, dass er mir sein Handy da lässt, damit er nicht einfach abhaut“, erklärte sie. Aber der Mann habe auf seine Begleiterin verwiesen, die im Auto blieb. „Die machte plötzlich Würgegeräusche, und ich habe ihr gesagt, sie soll sich nicht in meinem Auto übergeben“, so die Taxifahrerin, die die junge Frau aufforderte auszusteigen. Und das war es dann. Beide Fahrgäste verschwanden, ohne zu bezahlen.

Die Auswertung des Bankautomaten zur fraglichen Zeit ergab: Der junge Mann hatte tatsächlich versucht, 20 Euro von seinem Konto abzuheben, allerdings hätte die Taxifahrt deutlich mehr gekostet. Die Geldauszahlung scheiterte, da das Konto noch nicht gedeckt war. Das Gehalt des Angeklagten wurde erst ein paar Tage später überwiesen.

Für den Verteidiger des 22-Jährigen war der Versuch, Geld abzuheben, ein Hinweis darauf, dass der junge Mann eigentlich schon hätte zahlen wollen. „Aber warum wollte er nur 20 Euro abheben? Das ergibt für mich keinen Sinn“, warf Vorsitzende Richterin Karin Beuting ein.

Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft und hat schon eine einjährige Jugendstrafe hinter sich. Er wurde nun wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Es handle sich bereits um einen Betrug, „wenn man kein Geld in der Tasche hat und sich ein Taxi bestellt“, stellte die Richterin klar.

Zu Gunsten des Angeklagten wertete sie, dass dieser zwar in seiner Jugend einige Straftaten begangen hatte, seit sechs Jahren aber keine mehr. Daher nur die „moderate Geldstrafe“, denn eine Eintragung ins Bundeszentralregister erfolgt erst bei einem Urteil über 90 Tagessätzen.

Der junge Mann ist folglich nicht wieder vorbestraft. Noch im Gerichtssaal händigte er der Taxifahrerin das noch ausstehende Geld für seine Taxifahrt aus.

Regina Wahl-Geiger

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