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Holzner-Chef Hubert K ohler  ist mächtig stolz auf die Entwicklung. Mit dem System „BlueFLUX“ kann die Firma aus biologischen Abfällen Wasserstoff erzeugen.

Tankstelle der Zukunft und Reallabor

Bio-Wasserstoff als Leuchtturmprojekt für den Landkreis Weilheim-Schongau

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Eine „Tankstelle der Zukunft“ in Altenstadt und ein „Reallabor“ in Peißenberg sollen sich als Leuchtturmprojekte der Energiewende im Landkreis Weilheim-Schongau etablieren. Im Mittelpunkt steht vor allem die kostengünstige Gewinnung von Bio-Wasserstoff. Das Know-How dazu kommt aus Peißenberg, die Tankstelle will die Firma Emter errichten.

Altenstadt/Peißenberg – „Es ist ein Leuchtturmprojekt für ganz Bayern“, schwärmen die Verantwortlichen von dem Gesamtvorhaben. Ein Teil davon ist das, was Johann Emter auf seinem Grundstück an der B472 plant. Am westlichen Ortsausgang von Schongau auf Altenstadter Flur will er eine „Tankstelle der Zukunft“ errichten, in der neben Diesel und Benzin Biowasserstoff, Bio-Methan und Ökostrom getankt werden können. Die Anlage zur Wasserstoffgewinnung fertigt die Peißenberger Firma Holzner Druckbehälter. Methan und Strom kommen aus der Biogas- sowie der Fotovoltaikanlage der Firma Öko-Power GmbH in Altenstadt.

Derzeit werden die Verträge vorbereitet, im kommenden Jahr will die Peißenberger Firma ihre Anlage bei der Emter GmbH in Altenstadt einbauen, heißt es. In den Druckbehältern wird dann Bio-Wasserstoff erzeugt, der über unterirdische Leitungen direkt zur „Tankstelle der Zukunft“ gelangt. „Einen höheren Millionenbetrag“ will Johann Emter investieren.

Verantwortliche sind mächtig stolz und sprechen von  „Innovation zum Schutz des Weltklimas“

„BlueFLUX“ heißt das System. Und die Verantwortlichen der Peißenberger Firma, die es entwickelt haben, sind mächtig stolz darauf. Von einer „revolutionären Energie“ und einer „Innovation zum Schutz des Weltklimas“, sprechen sie. Es sei gelungen, über biologische Abfälle, Speisereste, Klärschlamm, Gülle und Mist Wasserstoff (H2) zu erzeugen, freut sich Holzner-Geschäftsführer Hubert Kohler. Besonders glücklich macht ihn freilich, dass die biologische der konventionellen H2-Gewinnung einiges voraus hat: „Die Entwicklung hat gezeigt, dass wir bedeutend günstiger sind als die Elektrolyse.“

Die Anlage, die im kommenden Jahr bei Emter in Altenstadt eingebaut wird, kann laut Kohler 150 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren. An der „Tankstelle der Zukunft“ rechnet er mit einem Preis von 9,50 Euro pro Kilogramm. „Damit kommt man dann 100 Kilometer weit“, rechnet der Unternehmer vor.

In aufwändigem Prozess wird zunächst Braunkohle und dann Wasserstoff erzeugt

Johann Emter wird die Druckbehälter, in denen während eines aufwändigen Prozesses zunächst Braunkohle und dann Wasserstoff erzeugt wird, mit den selben Stoffen füllen wie seine Biogasanlage. Aus Speiseresten und Produktionsabfällen der Lebensmittelindustrie gewinnt der Altenstadter Unternehmer schon seit Jahren Bio-Methan. Dieses treibt neben anderen Fahrzeugen verschiedene Busflotten in der näheren Umgebung an.

Das Bio-Methan wird künftig ebenfalls unterirdisch in die „Tankstelle der Zukunft“ geleitet, die Johann Emter gemeinsam mit einem internationalen Energiekonzern verwirklichen will. Der Konzern soll auch die herkömmlichen Treibstoffe Benzin und Diesel liefern, schließlich wird sich nicht jedermann gleich ein wasserstoff- oder gasgetriebenes Auto zulegen können.

Sie standen schon vor der Corona-Krise zusammen für das ehrgeizige Projekt (v.l.): Johann Emter, Hubert Kohler, Nicole Truckenbrodt, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Andreas Kögl vor dem Grundstück in Altenstadt, auf dem die „Tankstelle der Zukunft“ entstehen soll.

Zu Pass kommt Emter bei seinem Vorhaben, dass die unfallträchtige Kreuzung der B472 zwischen Altenstadt und Burggen durch einen Kreisverkehr ersetzt werden soll. Bürgermeister Albert Hadersbeck sprich zwar noch „von ungelegten Eiern“. Emter berichtet aber von Signalen der Straßenbaubehörde, dass der Kreisel rechtzeitig kommt. Die Tankstelle kann dann gleich mit angebunden werden.

Lokalpolitiker sind begeistert, Landrätin ist extrem stolz

Die Politik sprüht schon jetzt vor Begeisterung: Altenstadts Bürgermeister in spe, Andreas Kögel, hatte sich schon vor Wochen mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß und den Projektbeteiligten vor Ort getroffen und kräftig die Werbetrommel für die „Tankstelle der Zukunft“ gerührt.

„Ich bin extrem stolz darauf, dass wir so innovative Betriebe bei uns haben, die sich soviele Gedanken machen und solche Projekte entwickeln, die wirklich unglaublich sind“, sagt die Landrätin auch mit Blick auf das zweite geplante Projekt in dem Peißenberger Weiler Windkreut. Zusammen mit der Unternehmensberaterin Nicole Truckenbrodt plant Holzner-Chef Kohler dort das „Reallabor Almwirtschaft Windkreut“. Eine kleinere Anlage, etwa ein Drittel so groß wie das Pendant in Altenstadt, soll dort als Anschauungsobjekt für Universitäten, Firmen und interessierte Landwirte dienen. Auch Seminarräume sind geplant. Mit im Boot sitzen laut Nicole Truckenbrodt auch die Maffay-Stiftung mit ihrem Tabaluga-Hof sowie weitere Nachbarn in Windkreut. „Sie bekommen von uns Gas, wir ihre Abfälle“, sagt die „Reallabor“-Chefin.

Langfristiges Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Landwirte Vorbilder für den Umweltschutz werden

Langfristiges Ziel ist ihren Angaben nach eine „Kreislaufwirtschaft“. In dieser sollen Landwirte „zu Vorbildern für den Umweltschutz“ werden. Truckenbrodt zufolge könnten die Bauern in Zukunft mehr und mehr auf das Ausbringen von Gülle verzichten und sie stattdessen zu Wasserstoff verarbeiten. Die bei der Produktion entstehende Kohle, die auf die Felder ausgebracht werden kann, sei zur langfristigen Bodenverbesserung besser geeignet als Gülle.

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