Schauten sich gemeinsam die Hecke an: (v.l.) Andreas Krahl, Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski, Gemeinderätin Annette Daiber sowie Karin und Michael Sendl.
+
Schauten sich gemeinsam die Hecke an: (v.l.) Andreas Krahl, Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski, Gemeinderätin Annette Daiber sowie Karin und Michael Sendl.

Hecke als Hotspot für Artenvielfalt

Biodiversität auf der Kuhwiese

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
    schließen

Sie ist 200 Meter lang, zehn Meter breit und soll in den nächsten Jahren ein Hotspot für Artenvielfalt werden: Gemeint ist die dreireihige Hecke, die das Landwirtsehepaar Karin und Michael Sendl anpflanzte, um auf der Rinderweide ihres Biohofes in Peißenberg eine „Diversitätsbrücke“ zu schlagen.

Peißenberg – Karin und Michael Sendl sind so etwas wie Pioniere auf dem Sektor der „Bio-Landwirtschaft“ und deren Vermarktung. Aber auch wenn es um die praktische Umsetzung des vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossenen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ geht, sind die Sendls wieder einmal Vorreiter. Nördlich ihrer Hofstelle an der äußeren Ludwigstraße haben sie Richtung Bahngleis eine 200 Meter lange Hecke angepflanzt. Geplant war das eigentlich schon seit längerem, aber Michael Sendl hatte ebenso lange „gezögert“, wie er bei einem Pressetermin schmunzelnd verriet: „Es ist eine schöne Aktion, aber ich habe schon ein bisschen die Arbeit gescheut.“

Doch im Februar war es soweit. Die Sendls, zwei ihrer Lehrlinge und drei Gärtner machten sich ans Werk. In zwei Tagen war alles erledigt: „Ich war baff, dass es so schnell gegangen ist“, resümiert Michael Sendl. In den Heckenstreifen wurden 40 verschiedene Pflanzenarten gesetzt – von Ahorn, Felsenbirne, Hagebutte über Holler, Holzbirne, Linde bis hin zu Weißdorn, Schlehe und Vogelkirsche. Nicht nur Insekten, sondern auch Kleintiere sollen in dem künftigen Heckengebüsch einen Lebensraum finden. Eigentlich sollte die Artenvielfalt ein noch größeres Spektrum aufweisen, doch staatliche Förderungen gibt es nur für heimische Pflanzenarten, was Karin Sendl durchaus bedauert – und zwar nicht nur, weil es „ein Problem war, die autochthonen Pflanzen in der Menge herzubekommen“. Die Bio-Landwirtin verweist auf den fortschreitenden Klimawandel, der auch eine Anpassung der Pflanzenarten erforderlich machen würde.

Aber die Förderkriterien ließen diesbezüglich keinen Spielraum. Überhaupt war das Antragsverfahren ein ziemlicher „Bürokratie-Krieg“, wie Michael Sendl konstatiert. Unter dem Strich werden die Kosten für die Heckenanpflanzung von 21 000 Euro zwar zu 75 Prozent gefördert. Doch bis die Fördermittel fließen, müssen die Sendls in Vorleistung gehen. Der Zuschusstopf wurde vom Freistaat im Zuge des Volksbegehrens aufgelegt. So weit, so gut. Aber die Initiative für Projekte muss zumeist von privater Seite ausgehen.

Ein Umstand, den der grüne Landtagsabgeordnete, Andreas Krahl, kritisiert: „Die Menschen warten darauf, dass so etwas wie Heckenpflanzungen die Staatsregierung macht.“ Das Volksbegehren werde in der Praxis allerdings nur halbherzig umgesetzt. Bei der versprochenen Hektarzahl für Flächenrenaturierungen würde man weit hinterherhinken. Ebenso fehle es an den notwendigen Biotopkartierungen und aussagekräftigen Bestandsaufnahmen. „In zehn Jahren wissen wir dann nicht, wie sich die Artenvielfalt durch die Maßnahmen genau verändert hat“, so Krahl.

Derweil sprießen an den Heckenstauden schon die ersten Knospen. „Die kommen schon richtig gut raus“, freut sich Karin Sendl. Die Hecke steht übrigens auf einer Pachtfläche und an einer Grundstücksgrenze. Sowohl Verpächter als auch Nachbar – beides selbst Biolandwirte – waren von dem Heckenpflanz-Projekt begeistert. „Der Zeitgeist und die Denkweise haben sich da diametral verändert“, konstatiert Michael Sendl: „Vor 20 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.“ Die Hecke bietet aus seiner Sicht nur Vorteile – und das nicht nur wegen der Biodiversität: „Sie wird ein natürlicher Windschutz sein, auch für den Nachbarn. Mit Ertragseinbußen rechnen wir nicht“, so Sendl.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare