S-Bahn-Ärger auf der Stammstrecke: Feuerwehreinsatz - Ein Bahnhof ist gesperrt 

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Thomas Rößle (im Blaumann) aus Peißenberg und seine Kollegen haben eine Woche lang in Äthiopien gearbeitet. 

Peißenberg

Blaumann statt Business-Kleidung

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Als Vertriebsmitarbeiter ist es Thomas Rößle gewohnt, viel herumzukommen. Die Reise, die er Anfang Februar unternommen hat, hatte selbst für den Peißenberger ein außergewöhnliches Ziel: Er leistete zusammen mit Kollegen eine Woche lang humanitäre Hilfe in Äthiopien und kam um einige Erfahrungen reicher zurück.

Thomas Rößle aus Peißenberg ist lange Arbeitstage, in denen er viele Kilometer zurücklegt, gewohnt, doch die Arbeit, die er Anfang Februar im Rahmen von humanitärer Hilfe in einem Krankenhaus in Addis Abeba geleistet hat, hat ihn körperlich und psychisch an seine Grenzen geführt, wie der 48-Jährige erzählt.

Seit vier Jahren arbeitet Rößle bei „Salesforce“, einem Softwareunternehmen in München, im Vertrieb. Sein Arbeitgeber genehmigt den Mitarbeitern sieben Tage im Jahr für Tätigkeiten im sozialen Bereich und fördert ein solches Engagement sogar. „Ich habe so etwas schon öfter gemacht“, sagt er. Er habe Wände in einem Kinderhaus in München geweißelt und in einem Behindertenheim Zäune gebaut.

Diesmal hat es Rößle für mehrere Tage auf einen anderen Kontinent verschlagen: Von dem Projekt, eine Kinderkrebsstation im staatlichen Krankenhaus in der äthiopischen Hauptstadt zu streichen und zu sanieren, erfuhr er über einen Bekannten.

Er erkundigte sich, ob es für einen humanitären Einsatz infrage kommt und suchte Kollegen, die mit ihm zusammen nach Addis Abeba reisen wollten. „Wir waren eine Gruppe von 13 Personen, die am 2. Februar runtergeflogen ist“, sagt Rößle – zwölf Kollegen und der Bruder einer Kollegin, der Maurer ist. „Er war perfekt für uns. Sein Fachwissen war eine extreme Hilfe.“

Was die Gruppe dann nach einem Tag Sightseeing in Addis Abeba, an dem sie unter anderem ein Kurheim für krebskranke Kinder besuchte, im staatlichen Krankenhaus der Stadt und auf der Kinderkrebsstation dort vorfand, schockierte jeden der Reiseteilnehmer.

Weil es in Äthiopien keine allgemeine Gesundheitsversicherung gibt und öffentliche Krankenhäuser rar gesät sind, sind die wenigen staatlichen Kliniken Anlaufstelle für viele Kranken. Vor dem Krankenhaus, in dem Rößle seinen Dienst absolvierte, hat den ganzen Tag eine Schlange von Menschen darauf gewartet, behandelt oder aufgenommen zu werden.

Auch im Krankenhaus sind die Zustände schlimm: „Die Kinderkrebsstation befindet sich im siebten Stock, es gibt aber nur bis zum fünften Stockwerk Wasser“, schildert Rößle. Dementsprechend übel habe es dort ausgeschaut – und gerochen. Die Buben und Mädchen lägen in Gitterbettchen in einem Raum, ihre Deckchen müssten sie von Zuhause mitbringen. „Das Wort ‘Hygiene‘ ist völlig unangebracht“, sagt Rößle, der fast zwei Monate nach der Reise noch immer schockiert ist von den Zuständen dort. Es lägen mehr als ein Dutzend krebskranke Kinder in einem Raum. Deren Versorgung übernehmen die Eltern oder andere Verwandte. Es gibt zu wenig Fachpersonal, das das übernehmen könnte.

Trotz der belastenden Eindrücke und der erschwerten Bedingungen haben die „Salesforce-Kollegen“ die Ärmel hochgekrempelt und angefangen zu arbeiten.

Dabei hat sich die Gruppe auch Unterstützung von Einheimischen geholt, die für ihre Arbeit auch bezahlt wurden. Ein äthiopischer Fachmann hat zum Beispiel die elektrischen Leitungen erneuert.

„Wir haben grundiert und gestrichen – abwaschbare Farbe unten und atmungsaktive Farbe oben“, sagt Rößle. Es wurde lackiert, gespachtelt und verputzt. 30 Meter Gang und 18 Räume. Künstlerisch begabte Kolleginnen haben die Wände mit Tierbildern verziert. „Wir haben extrem schwer gearbeitet“, sagt Rößle. Doch es war nicht nur die körperliche Anstrengung, die dem Peißenberger zu schaffen machte: „Ich bin nicht nur körperlich sondern auch psychisch an meine Grenzen gestoßen.“

Not, Armut und vor allem die allgegenwärtige Korruption seien schwer zu ertragen gewesen. Immer wieder ist die Gruppe dadurch in ihrer Arbeit behindert worden. „Das war für mich der Wahnsinn“, sagt Rößle. Zum Beispiel wurden gespendete Lampen, die schon im November nach Addis Abeba geschickt worden waren, monatelang vom Zoll zurückgehalten. Normalerweise sei es in Äthiopien üblich, vor jeder Baumaßnahme zuerst den Eigentümer zu schmieren, damit dieser überhaupt zulasse, dass an seinem Objekt gearbeitet werde.

Obwohl die Gruppe um Rößle dabei nicht mitgemacht hat, haben sie ihr Ziel innerhalb weniger Tage erreicht. Das ist wohl außergewöhnlich für Äthiopien. Rößle erzählt, dass es dafür sogar Lob aus der Deutschen Botschaft gab.

Am Ende war sogar der Leiter des staatlichen Krankenhauses, der der Gruppe aus Deutschland zunächst äußerst skeptisch gegenüberstand, begeistert und kündigte an, Wasserleitungen in die beiden oberen Stockwerke verlegen zu lassen. „Ich muss ehrlich sagen, wir waren richtig stolz“.

Rößle und seine Mitstreiter hat nicht nur das Elend berührt, das sie in Äthiopien erlebt haben, sondern auch die Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die den Deutschen entgegengebracht wurde.

„Die Menschen waren so nett und zuvorkommend uns gegenüber“, sagt Rößle. Nun ist er schon ein paar Wochen zurück in Peißenberg. Das, was er in Äthiopien erlebt hat, wirkt immer noch nach. „Ich bin an meine Grenzen gestoßen, aber es war extrem lehrreich für mich.“

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