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Keine verstaubte Kleiderkammer, sondern ein „ganz normaler Laden“ ist laut Michaela Hartl der „Schick“ im Wörth-Zentrum.

"Schick": Viel Ware, wenige Kunden

Peißenberg - Zwischen 130 und 240 Kunden kommen monatlich in den BRK-Kleidermarkt "Schick". Zu wenig, um ihn dauerhaft am Leben zu halten.

Wenn man sich in Peißenberg und speziell im verwinkelten Wörth-Zentrum geografisch nicht ganz so gut auskennt, dann ist er nur schwer zu finden – und das ist vermutlich mit ein Grund dafür, warum der BRK-Kleidermarkt im Marie-Juchacz-Weg 5 noch nicht so floriert, wie es die Verantwortlichen gerne hätten. Nach rund neunmonatiger Betriebszeit ist jedenfalls klar, dass der Second-Hand-Laden, der unter dem Motto „Gutes aus zweiter Hand“ Qualitätsware zu günstigen Preisen anbietet, kein Selbstläufer ist.

Die Kundenzahlen lagen bislang pro Monat zwischen 130 (Tiefstwert im Januar) und 240 (Höchstwert zuletzt im Juni und im Oktober 2015). Das ist nicht schlecht, aber noch zu wenig, um den Kleidermarkt kostendeckend zu führen. „In Anbetracht unserer niedrigen Preise brauchen wir einfach mehr Kunden“, sagt Kleidermarktleiterin Michaela Hartl. Es sei viel Überzeugungsarbeit nötig, um die Leute in den Laden zu bringen. Bei den Wörthern sei man inzwischen gut etabliert, „aber ansonsten sind die Peißenberger schon ein bisschen stur“, analysiert Hartl. Dass der „Schick“ nichts mit einer verstaubten Kleiderkammer oder sozialer Stigmatisierung zu tun habe, würden viele erst merken, wenn sie den boutique-ähnlichen Laden zum ersten Mal betreten: „Dann sagen die Leute, `oh, da kann man ja super einkaufen`. Und es will uns dann keiner mehr missen“, erzählt Hartl, die ein weiteres Problem ausgemacht hat: „Die zahlungskräftigeren Second-Hand-Kunden haben oft Skrupel, dass sie den Bedürftigen etwas wegnehmen.“ Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Konzeptionell ist der „Schick“ nämlich auf Basis einer Mischkalkulation aufgebaut - soll heißen: Die betuchteren Kunden subventionieren die zahlungsschwächere Klientel. Letztere bekommt auf die ohnehin schon günstigen Preise bei entsprechendem Sozial-Nachweis – im „Schick“ spricht man von „Kundenkarte“ – noch einmal 50 Prozent Rabatt. Marken-Jeans zum Beispiel gibt es dann schon für drei Euro. Hartl kämpft um jeden Kunden und verteilt nicht nur in Peißenberg Werbe-Flyer: „Der Kleidermarkt ist ein Pilotprojekt für den gesamten Landkreis“, betont die „Schick“-Leiterin. „Fernziel“ sei es, dass 70 Prozent des Kundenstamms einen Sozialnachweis vorlegen können: „Dann bräuchten wir keine Steuern mehr zu zahlen“, erklärt Hartl – aber: „Gerade vom Peißenberger Gabentisch kommen noch kaum Leute zu uns – obwohl wir den Kontakt hergestellt haben.“

Klar ist: Soll der BRK-Laden zur Dauereinrichtung werden, dann muss er irgendwann kostendeckend arbeiten. Laut BRK-Kreisgeschäftsführer Hans Eberl befindet man sich derzeit in der „Versuchsphase“. „Ich sage jetzt auf keinen Fall, `wir machen dicht, wenn es bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht läuft`. Es gibt keine Deadline“, beteuert Eberl. Man habe sich sogar dazu entschlossen, die „Versuchsphase“ auf zweieinhalb Jahre zu verlängern: „Den Laden wird es damit auf alle Fälle auch noch im nächsten Jahr geben“, verspricht Eberl. Entscheidend sei, dass ein positiver Trend erkennbar werde: „Ich bin da nach wie vor optimistisch“, erklärt Eberl - und dafür gibt es auch durchaus Anlass: Zwar ist man weiterhin auf der Suche nach ehrenamtlichen Ladenhelfern, doch mit dem Stammpersonal von zehn Mitarbeitern kommt man bislang gut über die Runden. Auch an qualitativ hochwertigen Kleiderspenden mangelt es nicht: Das 70 Quadratmeter große Lager ist laut Hartl „bis zur Decke gefüllt“. Jetzt müssten eigentlich nur noch die Kunden kommen und zugreifen.

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